Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Berater in der Ukraine-Krise: Putins Einflüsterer

Von , Moskau

Russlands Präsident Putin: Uneingeschränkter Herrscher im Kreml Zur Großansicht
AFP/ RIA Novosti

Russlands Präsident Putin: Uneingeschränkter Herrscher im Kreml

Die Zeit der Liberalen ist vorbei: Im Kreml bestimmen schrille Hardliner den Ton, Russlands Präsident hat einen engen Zirkel von Vertrauten um sich geschart. Wer sind die Männer, auf die Putin auch in der Ukraine-Krise hört?

Ein mitleidiges Lächeln. Das erntet, wer in Moskau nach Erklärungen sucht für das, was man in der naiven Vorstellung des Westens als "Kurs des Kreml" bezeichnen würde. Es ist die freundlichste Weise zu sagen: Wie einfältig ihr Ausländer doch seid!

Dann folgt - abhängig von der Geduld des Gesprächspartners - Lektion Nummer zwei. Der Kreml sei eben nicht das Weiße Haus und nicht das deutsche Kanzleramt: "Der Kreml hat viele Türme."

Gemeint ist: Im Kreml ringen zahlreiche Gruppen um Macht und Einfluss und den richtigen Kurs. Nur selten wird von außen klar, wer langfristig die Oberhand behält und wer nur einen Etappensieg erringt. Deshalb kann der Kreml an einem Tag einen Oppositionspolitiker wie Alexej Nawalny in Handschellen legen lassen, nur um ihn am nächsten Tag frei und bei Wahlen antreten lassen.

Winston Churchill hat das einmal auf den Punkt gebracht, als er die Auseinandersetzungen verglich mit zwei Bulldoggen, die unter einem Teppich miteinander kämpfen: "Außenstehende hören nur das Knurren. Wenn die Knochen herausfliegen, ist klar, wer gewonnen hat."

In der Krim- und Ukraine-Krise sind die Knochen herausgeflogen, die Hardliner haben sich durchgesetzt, allen voran Putins Wirtschaftsberater Sergej Glasew. Der hatte schon im Januar die Meinung vertreten, Präsident Wiktor Janukowitsch solle die Demonstrationen in Kiew zusammenschießen lassen.

Ein anderes Sprachrohr ist derzeit Alexander Prochanow, 75, Spitzname "Nachtigall der Generalität". Prochanow war Kriegsreporter, hat Dutzende Bücher veröffentlicht und gilt als ebenso gebildet wie zuvorkommend. Er ist aber auch Anhänger von Josef Stalin. Seit Beginn des Maidan-Aufstands hat Prochanow gefordert, die Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, sonst vernichte "die Welle der Revolution die russische Zivilisation". Seine Zeitung "Sawtra" trommelt für einen Einmarsch in "Neurussland", so nennen die Redakteure die Ostukraine.

Die wahren Machtverhältnisse im Kreml sind heute so undurchsichtig wie zu Churchills Zeiten. Zwei grundlegende Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre sind dagegen klar:

  • Hardliner, die wie Prochanow vom Wiederaufstieg eines russischen Imperiums träumen, finden mehr Gehör denn je im Kreml.
  • Liberale und eher westlich gesinnte Kräfte haben massiv an Einfluss verloren.

Als Putin an die Macht kam, schien er ein Gleichgewicht im Kreml halten zu wollen zwischen Nationalisten und Liberalen. Aber seit 2012 ist diese Balance dahin. Dmitrij Medwedew, von 2008 bis 2012 Präsident, gilt als wichtigste Figur des liberalen Lagers. Als Putin vor zwei Jahren in den Kreml zurückkehrte, rotierte Medwedew auf den Posten des Regierungschefs. Seitdem wurde sein Einfluss stark beschnitten.

Heute ist das Tandem Putin-Medwedew zerbrochen, andere Figuren haben an Einfluss gewonnen. "Politbüro 2.0", so nennt der Moskauer Politologe Jewgenij Mintschenko jene Gruppe von rund einem Dutzend engsten Vertrauten des russischen Präsidenten. Es ist eine Anlehnung an das sowjetische Politbüro, die Führungsriege der Kommunisten.

Damals freilich waren die Führungskader öffentlich bekannt. Putins Vertraute dagegen bilden kein formales Gremium, über die wahren Machtverhältnisse können auch Kreml-Beobachter nur mutmaßen. "Wem der Präsident wirklich vertraut, das weiß nur Putin selbst", sagt Alexej Muchin, Direktor des Moskauer Zentrums für politische Information.

Vertraute Putins agieren vom Kreml abgekoppelt

Muchin benutzt ein anderes Bild, um die Machtstruktur innerhalb der russischen Führung zu charakterisieren: den Olymp, die Götterwelt der antiken Griechenlands. Putin habe die Kontrolle einzelner Politikbereiche, aber auch von wichtigen Staatsunternehmen in die Hände langjähriger Vertrauter gelegt. Sie agieren weitgehend autonom vom Kreml. So wird die riesige Eisenbahngesellschaft mit 1,3 Millionen Mitarbeitern kontrolliert von Putins altem Weggefährten Wladimir Jakunin - dem "Gott der Eisenbahn" (Muchin) - und der staatliche Rohstoff-Gigant Rosneft von Igor Setschin, dem "Gott des Öls".

Einig sind sich Mintschenko und Muchin in der Einschätzung, dass Russlands Kurs in der Ukraine-Krise vor allem von einem Mann vorgegeben wird: dem Präsidenten selbst. Der Kreml-Chef glaube, dass er dem Westen oft genug entgegengekommen sei, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. "Putin ist wahrscheinlich der prowestlichste Führer Russlands aller Zeiten", sagt Mintschenko. "Er ist aber zu der Überzeugung gelangt, dass es sich nicht lohnt, prowestlich zu sein."

Mintschenko saß am 18. März im Georgssaal des Kreml, als Putin die Krim als Teil Russlands aufnahm und mit Europa und den USA abrechnete. Danach sprach er mit den Leuten, die normalerweise Putins Reden schreiben. "Diesmal hatten sie wenig zu tun", sagt Mintschenko. "Putin hat die entscheidenden Passagen alle selbst verfasst."

Die Männer hinter Putin
AFP

Wladimir Jakunin, 65, ist mehr als nur Chef der staatlichen Eisenbahn. Das zeigt die Tatsache, dass er in der Krim-Krise mit Sanktionen belegt wurde. Jakunin gehört zur Gruppe der "Piterzy", Putins langjährigen Gefolgsleuten aus St. Petersburg. Er ist Gründungsmitglied der legendären Datschen-Siedlung "Osero-See". Bei der Vorbereitung der Winterolympiade kam Jakunin eine Schlüssel-Position zu, die Eisenbahnen bekamen den Zuschlag für milliardenschwere Infrastrukturprojekte. Er gehört zu den energischsten Verfechtern der russischen Außenpolitik und geißelt "westliche Doppelmoral". Seit die Opposition Fotos von Jakunins luxuriösem Anwesen veröffentlicht hat, gilt der Eisenbahn-Chef als angezählt.

REUTERS

FSB-Chef Alexander Bortnikow, 63, ist ein Geheimdienstkader wie Putin ihn schätzt: unauffällig und loyal bis zur Selbstaufgabe. Als Mitglied im Sicherheitsrat gehört er zum engsten Zirkel der Entscheider im Kreml. Sein FSB zählt eine Viertelmillion Mitarbeiter. Unter Bortnikow - daran besteht kein Zweifel - bleibt der Geheimdienst eine Säule des Systems Putin.

REUTERS

Vize-Premier Dmitrij Rogosin, 51, ist das Raubein in der russischen Regierung, zuständig für die Rüstungspolitik. Während seine meist blassen Ministerkollegen jeden Journalisten meiden, redet Rogosin gern. Auch wenn westlichen Reportern selten gefällt, was er zu sagen hat: In Interviews kündigt Rogosin schon mal an, die "Nato-Raketenabwehr zu vernichten". Rogosin hat seine Karriere als rechter Populist begonnen, als Chef der Partei "Rodina – Heimat" zündelte er mit fremdenfeindlichen Parolen. Ihn beschäftigen vor allem die russischen Minderheit in den Nachbarstaaten. In der Ukraine-Krise wächst sein Gewicht deshalb. Zum engsten Führungskreis um Putin gehört aber Rogosin nicht, dafür ist er noch nicht lange genug dabei.

AFP/ Russian Defense Ministry

Sergej Schoigu, 59: Putins Mann für besondere Aufgaben und ihm loyal ergeben. Als Minister für Katastrophenschutz wurde er beliebtester Politiker des Landes - nach dem Präsidenten. 2012 versetzte ihn sein Chef auf den Gouverneursposten des Gebietes Moskau, Schoigu sollte sichern, dass der Kreml die Regionalwahlen im Herbst 2013 gewinnt. Als der damalige Verteidigungsminister über einen Korruptionsskandal stürzte, musste Schoigu übernehmen. Er gilt als ein idealer Kandidat als Premier - oder gar als Putins Nachfolger.

AFP

Sergej Iwanow, 61, einer der engsten Weggefährten Putins. Wie der Kreml-Chef diente er bei der Auslandsaufklärung des KGB, wurde General. Als Putin 1998 Chef des Geheimdienstes FSB wurde, machte er Iwanow zu seinem Stellvertreter. Er galt als Kandidat auf den Präsidentenposten, als Putin 2008 aussetzen musste. Iwanow war Wunschkandidat der "Silowiki" genannten russischen Falken. Putin zog damals aber den liberalen Dmitrij Medwedew vor. Inzwischen ist Iwanow Chef der Präsidialverwaltung, dem wahren Kraftzentrum der russischen Politik und zählt zu den 20 Top-Politikern, die seit der Krim-Annexion nicht mehr in die USA reisen dürfen. Er verantwortet den "Kampf gegen die Korruption", der hin und wieder Spitzenpolitiker wie Ex-Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow das Amt kostet.

AFP

Lange galt Wladislaw Surkow, 49, als vielleicht einflussreichste Person im Kreml - nach Putin natürlich. Dabei fand der Ex-Elitesoldat des Militärgeheimdienstes GRU über Umwege in Putins Team: Surkow hatte Karriere im Imperium des Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski gemacht, stieg auf bis zum Vize-Chef der Präsidialverwaltung. Er gilt als Vater von Putins "gelenkter Demokratie", in der alle in der Duma vertretenen Fraktionen faktisch abhängig sind vom Kreml. Surkow ließ neue Parteien entstehen und auf einen Wink hin wieder zerfallen. Er fiel in Ungnade, auch weil er mit Anti-Putin-Demos sympathisierte. Surkow wurde entmachtet, durfte aber später wieder ein Büro im Kreml beziehen. Offiziell soll er sich um die winzigen Separatisten-Regionen Abchasien und Südossetien kümmern. Sein wahrer Auftrag aber ist wohl, ein Gegengewicht zu Wjatscheslaw Wolodin, seinem Nachfolger, zu bilden.

REUTERS/ RIA Novosti

Vor zwei Jahren noch verhandelte Dmitrij Medwedew, 48, mit Männern wie Barack Obama auf Augenhöhe. Das waren die Zeiten des Neustarts in den Beziehungen zwischen Moskau und Washington, der inzwischen gescheitert ist. "Mit Medwedew wollte Putin dem Westen signalisieren, dass er bereit sei für einen Neuanfang", glaubt Politologe Jewgenij Mintschenko. Auf Medwedews Initiative hin enthielt sich Russland 2011 im Nato-Sicherheitsrat der Stimme, als es um die Einrichtung einer Flugverbotszone in Libyen ging. Der Westen, so sehen es in Moskau viele, nutzte das aus, um Gaddafi zu stürzen. Russlands Konservative lasten das Medwedew an. Der rückte 2012 klaglos ins zweite Glied als Chef der Regierung. Tatenlos sah er zu, wie die Duma danach im Eiltempo die Presse- und Versammlungsfreiheit einschränkte und NGOs als "ausländische Agenten" stigmatisierte. Medwedew hat inzwischen keinen Einfluss mehr auf Moskaus Außenpolitik.

REUTERS

Noch vor kurzem fragten sich in Moskau viele, wer mächtiger ist: Präsident Putin oder doch Igor Setschin, 53. Der ist Chef des staatlichen Rosneft-Konzerns, er will daraus den größten Ölkonzern der Welt schmieden. Er war wohl treibende Kraft hinter den Vorbereitungen für ein drittes Verfahren gegen Chodorkowski, seinen Erzfeind. Dass Putin diesen Ende 2013 begnadigte, war ein Signal an Setschin: Putin wies den mächtigen Rosneft-Chef in die Schranken. "Setschin hätte gern engeren Kontakt zu Putin, aber Putin will das nicht", sagt der Moskauer Politologe Alexej Muchin. Dennoch: beide verbindet viel. Setschin arbeitete wie Putin für den Geheimdienst im Ausland. Liberalere russische Medien nennen ihn "die furchteinflößendste Person der Welt" oder "Darth Vader".

AP

Als die Ukraine kurz davor schien, ein Abkommen mit der EU zu unterzeichnen, war es an Sergej Glasew, 53, das Land einzuschüchtern: Er drohte mit "Importzöllen für die Einfuhr von Waren von ukrainischem Territorium". Putin berät er in Wirtschaftsdingen und zur Ukraine. Glasew hält die russische Privatisierung für einen Fehler. Nur der Staat sei in der Lage, die Wirtschaft zu modernisieren. Das macht ihn populär unter den Kreml-Hardlinern und den Chefs der großen Unternehmen. Der Wirtschaftsfachmann hat eine Schwäche für Verschwörungstheorien. So ist er davon überzeugt, dass die USA massenhaft Dollar drucken lassen, nur um sich mit dem Geld die russischen Topfirmen zu sichern. Politologe Alexej Muchin hält seinen tatsächlichen Einfluss aber für begrenzt.

569
AP/dpa

Auch Außenminister Sergej Lawrow, 64, muss einsehen: Außenpolitik ist in Russland Chefsache. Den Kurs gibt nicht das Außenministerium vor, sondern der Kreml. Chefdiplomat Lawrow hat sich mit dieser Rolle abgefunden, seit zehn Jahren ist er ein ebenso treuer wie weltgewandter Diener Putins. Den Willen des Kreml zu exekutieren, fällt Lawrow leicht, er hat eine ähnliche Sicht auf die Welt wie Putin. Lawrow war lange Jahre russischer Vertreter bei der Uno in New York. Obgleich öffentlich präsent, gehört er nicht zu den Schwergewichten in Russlands Führungsriege.

DPA/ RIA Novosti

Die Redaktionsstube von Alexander Prochanows Zeitung "Sawtra - Der Morgen" liegt in einem Hinterhof in der Nähe der Moskwa. Syriens Diktator Assad, die radikalislamische Hamas, Weißrusslands Machthaber Alexander Lukaschenko, das sind die Helden des Blattes -und natürlich Putin, wenn auch erst seit kurzem. Es ist noch nicht lange her, da erschienen auf den Seiten der Zeitung des Stalin-Bewunderer Prochanow beißende Kommentare über den Kreml-Chef. Das änderte sich 2012, als Putin nach dem Medwedew-Intermezzo zurückkehrte in den Kreml. "Endlich hat Putin die Zeichen der Zeit begriffen", sagte Prochanow im vergangenen Jahr dem SPIEGEL. Operativen Einfluss auf den Kreml habe Prochanow nicht, sagt Alexej Muchin. Der Schriftsteller sei aber wertvoll, weil er für Putins Projekt einer Eurasischen Union trommle. "Prochanow ist für Putin wie eine Vorband, die dem Publikum einheizt", sagt Muchin.

REUTERS/ RIA Novosti

Wjatscheslaw Wolodin, 50, ist der Strippenzieher in der Präsidial-Verwaltung. In seinen Verantwortungsbereich fällt der harte Kurs gegen die russische Opposition. Wolodin ist aber auch zuständig für die Integration der Krim. Er hat in den vergangenen zwei Jahren so stark seine Macht ausgebaut, dass viele in ihm schon einen möglichen Premierminister sehen. Die Rückholaktion von Vorgänger Surkow war aber ein erster Dämpfer. Wolodin steht in engem Kontakt mit Putin. Mit Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow soll er sich Gerüchten nach gestritten haben, wer von beiden ein Büro in nächster Nähe zum Präsidenten beziehen darf.

AFP

Alexej Miller, 52, hat im Auftrag des Kreml Gazprom zum schlagkräftigen "Konzern des Zaren" (SPIEGEL 10/2007). geformt. Miller ist ein treuer Diener seines Herrn. Beide kennen sich aus St. Petersburg. Miller liebt nicht den großen Auftritt, er tritt auf leisen Sohlen auf, "wie ein sowjetischer Spion". So hat es einmal Ex-Wirtschaftsminister German Gref formuliert. Millers Gazprom aber schwächelt, dem Konzern macht die Schiefergas-Revolution zu schaffen, das wachsende Angebot von Flüssiggas und schlechtes Management. Am Beispiel von Gazprom zeigt sich auch, dass Putin nicht nur Spitzenpositionen mit langjährigen Vertrauten besetzt, sondern auch die zweite Führungsebene. Als "skrytie Pomoschniki - geheime Helfer" bezeichnet sie Politologe Muchin, weil ihre Namen nur wenigen bekannt sind. Bei Gazprom erfüllt Vize-Chef Waleri Golubew diese Rolle, ein Mann, der wie Putin aus St. Petersburg stammt und seine Karriere beim KGB begonnen hat.

AP

"Schwarze Oligarchen", so nennen manche Moskauer Politikwissenschaftler jene neue Milliardärsgeneration, die gern im Dunkeln bleibt, weil ihr wichtigstes Kapital der direkte und oft langjährige Kontakt zu Russlands Staatschef ist. Die wichtigsten sind Gennadij Timtschenko (laut "Forbes" 13,6 Milliarden Dollar schwer), Arkadi Rotenberg (4 Milliarden Dollar) und Juri Kowaltschuk (1,5 Milliarden Dollar). Timtschenko profitierte über Jahre davon, dass sein Rohstoffhändler Gunvor russisches Öl und Gas vertreiben konnte. Rotenberg verdankt sein Vermögen milliardenschweren Staatsaufträgen, etwa im Straßenbau. Der tatsächliche Einfluss der Milliardäre ist umstritten. Politologe Mintschenko zählt die Superreichen sogar zum engsten Führungskreis um Putin. Muchin dagegen ist überzeugt, dass die Oligarchen selbst Gerüchte über ihre Nähe zu Putin befeuern, Putin sie in Wahrheit aber auf Distanz halte "um sauber zu bleiben".

AP

Alexej Kudrin, 53, war die Stimme der finanzpolitischen Vernunft im Kreml. Als Finanzminister wachte er eisern darüber, dass Moskau Einnahmen aus dem Rohstoff-Export nicht nur verprasste, sondern Reserven auf Seite legte. Das zahlte sich vor allem in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 aus. Über Jahre verteidigte Putin seinen Finanzminister gegen alle Attacken aus Ministerien und Geheimdiensten, die begehrliche Blicke auf Russlands Milliarden-Reserven warfen. Ende 2011 aber musste Kudrin gehen, nach einem öffentlichen Konflikt mit Medwedew, damals noch Präsident. Seitdem spielt er in der aktiven Politik keine Rolle mehr, bleibt aber in Wirtschaftsfragen eine geachtete Stimme. Kudrin war es, der Putin Mitte der neunziger Jahre in schwieriger Lage einen Job in Moskau verschaffte, beide verbindet ein herzliches Verhältnis. Kudrin gilt als Kandidat für den Premier-Posten, falls Medwedew stürzt.

AP

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin, 55, zählt ohne Frage zum engeren Kreml-Kreis. Seine Aufgabe ist die Modernisierung Moskaus, er soll so die Herzen der Hauptstädter wieder für den Kreml zurückgewinnen, die zuletzt starke Sympathien für die Opposition zeigten. Gelingt Sobjanins Mission, könnte er in Frage kommen für höhere Aufgaben.

AP

Alexander Bastrykin, 60, ist Russlands höchster Strafverfolger, Chef des Ermittlungskomitees, von Putin einst geschaffen, um die mächtige Generalstaatsanwaltschaft zu schwächen. Bastrykin gehört seit gemeinsamen Studientagen im damaligen Leningrad zum Freundeskreis von Putin. In Bastrykins Verantwortungsbereich fallen die Verfahren gegen prominente Oppositionspolitiker wie Alexej Nawalny "Putin vertraut ihm, weiß aber auch, dass Bastrykin zu emotionalen Ausbrüchen neigt", sagt Alexej Muchin. 2012 hatte Bastrykin einen Journalisten der kreml-kritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" in ein Wäldchen gefahren und mit dem Tode bedroht.

AFP/ RIA Novosti

Russlands Kurs in der Ukraine-Krise aber wird vor allem von einem Mann geprägt: Präsident Wladimir Putin, 61. Statt sich wie sonst auf Redenschreiber zu verlassen, hat Putin seine Krim-Rede weitgehend selbst geschrieben, eine scharfe Abrechnung mit dem Westen.

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. DAS sind die entscheidenden Sätze
lerchenvogel 04.04.2014
" ... Der Kreml-Chef glaube, dass er dem Westen oft genug entgegen gekommen sei, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. "Putin ist wahrscheinlich der pro-westlichste Führer Russlands aller Zeiten", sagt Mintschenko. "Er ist aber zu der Überzeugung gelangt, dass es sich nicht lohnt, pro-westlich zu sein." ... des Artikels. Denen ist nichts hinzuzufügen. Leider treffen sie genau den Punkt.
2. Und
scissor 04.04.2014
wa für schrille Hardliner geben bei uns den Ton an? Was für den einen Recht ist, gilt für den anderen nicht. Wie janusköpfig ist eigentlich die deutsche Politik? Aber eigentlich hat es den Anschein, dass handfeste wirtschaftliche Interessen der USA und auch Deutschlands durchgesetzt werden sollen.
3. Sehr interessant,
fvilser 04.04.2014
bitte mehr davon. Eine Berichterstattung, die Fakten und keine Meinungen darlegt vermisse ich schon lange in den deutschen Medien - Lob!
4. Und jetzt..
ceejay-92 04.04.2014
..möchte ich eine Übersicht über unsere Verbrecher im Bundestag. Ganz ehrlich, dieser reißerische Propagandaartikel versucht zu vermitteln, im Kreml säße die Mafia höchstpersönlich.
5.
krasmatthias 04.04.2014
Zitat von sysopAFP/ RIA NovostiDie Zeit der Liberalen ist vorbei: Im Kreml bestimmen schrille Hardliner den Ton, Russlands Präsident hat einen engen Zirkel von Vertrauten um sich geschart. Wer sind die Männer, auf die Putin auch in der Ukraine-Krise hört? http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-russlands-putins-und-seine-maechtigen-berater-im-kreml-a-961858.html
Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Regierung auf "Berater" hören muß, welche nicht mal aus diesem Land kommen, hört der russische Präsident auf die Stimme des Volkes. Die Auswertung welch einfacher Frage läßt diesen Schluß zu? Die der Zustimmungswerte durch das Volk in den jeweiligen Ländern. Der Präsident Russlands wird vom Volk gewählt, nur das zählt. In Deutschland sieht das freilich anders aus.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: