Vorstoß der Regierungstruppen Kämpfe um Slowjansk fordern Opfer auf beiden Seiten

Die Kämpfe in der Ostukraine flammen wieder auf: Im Kampf um Slowjansk beklagen beide Seiten Tote, ein weiterer Hubschrauber der Armee wurde abgeschossen. Laut ukrainischem Innenminister halten 800 Separatisten ihre Stellungen in Slowjansk.

REUTERS

Kiew/Berlin - Beim Vorrücken ukrainischer Regierungstruppen gegen die von Separatisten gehaltene Stadt Slowjansk haben beide Seiten schwere Verluste erlitten. Ein Sprecher der selbsternannten, prorussischen Volksmiliz sprach am Montag von etwa 20 getöteten Aktivisten. Auch auf Seiten der Regierungstruppen gab es Tote, wie Innenminister Arsen Awakow sagte. Aus seinem Ministerium verlautete, dass vier Einsatzkräfte getötet und 30 verletzt worden seien.

In Slowjansk nördlich von Donezk, einer strategisch wichtigen Stadt mit einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt, sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen und Hubschraubern im Einsatz.

Am Montag schossen Separatisten erneut einen Helikopter der Armee ab. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt und sei von einem Spezialkommando in Sicherheit gebracht worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Separatisten hätten mit großkalibrigen Waffen auf die Maschine gefeuert. Bereits am Freitag waren zwei Mi-24 abgeschossen worden.

Die Separatisten rühmten sich, den Angriff der Regierungstruppen zurückgeschlagen zu haben. "Wir konnten unter großen Anstrengungen ein Eindringen des Gegners in die Stadt verhindern. In unseren Reihen gibt es viele Tote", zitierte die Agentur Interfax am Montag einen Sprecher der Separatisten. Kugeln hätten eine Gastankstelle getroffen, die daraufhin explodiert sei, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Aktivisten.

Innenminister: 800 Separatisten halten Stellung

Innenminister Awakow sprach von etwa 800 bewaffneten Separatisten, die die Stellungen in Slowjansk hielten. "Sie setzen schwere Waffen ein, schießen mit großkalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik", sagte der Minister. Die Regierungstruppen hätten trotz der Gegenwehr den Fernsehturm der Stadt mit 125.000 Einwohnern eingenommen. Nun würden wieder ukrainische Fernsehsender ausgestrahlt.

Trotz der laufenden "Anti-Terror-Einsätze" rechnet die Übergangsregierung in Kiew kaum noch mit einer Rückgewinnung der von Separatisten beherrschten Gebiete. Interimspräsident Alexander Turtschinow machte dafür erneut Russland verantwortlich und warf Moskau Kriegstreiberei vor. Russland versuche die Lage vor der ukrainischen Präsidentenwahl am 25. Mai "völlig zu destabilisieren", sagte Turtschinow dem Kiewer Fernsehsender 5. Kanal.

Turtschinow beklagte, im Osten der Ukraine habe Moskaus Führung ihre Pläne bereits verwirklicht. Er räumte ein, dass es in der Region viele Anhänger einer Abspaltung von der Ukraine gebe. "Sagen wir doch mal ehrlich: Die Bürger dieser Regionen unterstützen die Separatisten, sie unterstützen die Terroristen, was die Durchführung der Anti-Terror-Operation erheblich erschwert."

Nach Warnungen vor Provokationen haben die Demonstranten auf dem Maidan in der Hauptstadt Kiew ihre seit November gehaltenen Stellungen verstärkt.

Uno-Generalsekretär bietet sich als Vermittler an

Unterdessen gibt es neue diplomatische Anläufe zur Beilegung der Krise. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bot an, zwischen den Konfliktparteien in der Ukraine zu vermitteln. Zugleich rief er bei einem Besuch in Abu Dhabi alle Seiten auf, die Krise "mit friedlichen Mitteln" beizulegen. "Ich bin bereit, dabei meine eigene Rolle zu spielen, wenn das notwendig ist", sagte er. Er habe mit allen betroffenen Parteien gesprochen, den führenden Politikern in der Ukraine, in Russland, in der EU sowie in den USA.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte, das für diesen Dienstag geplante Außenministertreffen des Europarats müsse bei der Umsetzung einer tiefgreifenden Verfassungsreform in der Ukraine helfen. Zudem müsse der Europarat Menschenrechtsverletzungen in der früheren Sowjetrepublik im Zuge des Machtwechsels genau untersuchen. Zu dem Treffen in Wien werden 30 Außenminister erwartet.

In einem "Weißbuch" prangerte das russische Außenministerium schwere Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine an. Anhänger der prowestlichen Regierung würden Gegner mit "Repressionen, physischer Gewalt und offenem Banditentum" einschüchtern. Zudem seien in der Ukraine Ultranationalismus, Extremismus und Neonazismus auf dem Vormarsch.

fab/AFP/dpa/Reuters

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MtSchiara 05.05.2014
1. der russisch-ukrainische Krieg ...
... ist noch nicht zu ende. Alle die Putin dafür gelobt haben, daß er die Krim fast ohne Opfer annektierte (was möglich war, da seine Truppen durch einen Vertrag mit der Ukraine bereits auf der Krim waren), sollten den Tag nicht vor dem Abend loben. Der russisch-ukrainische Krieg ist noch nicht zu ende, und natürlich ist es für die ukrainische Armee kaum möglich, die russischen Truppen in Slowjansk und anderen Städten zu besiegen. Dafür ist die russische Armee zu übermächtig. Aber die Annexion der Ostukraine wird Putin noch zahlreiche Opfer fordern und Instabilität und Aufrüstung in die Region bringen, da nun kein Nachbar Rußlands seiner Haut mehr sicher sein kann.
kning1204 05.05.2014
2. Im dreck
Zitat von sysopAFPDie Kämpfe in der Ostukraine flammen wieder auf: Im Kampf um Slowjansk beklagen beide Seiten Tote, ein weiterer Hubschrauber der Armee wurde abgeschossen. Laut ukrainischem Innenminister halten 800 Separatisten ihre Stellungen in Slowjansk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-tote-bei-angriffen-ukrainischer-einheiten-auf-slowjansk-a-967662.html
Wer glaubt denn jetzt noch ernsthaft, das es auf Jahre hin möglich sein wird, dass die Menschen in der Ukraine in Frieden zusammenleben werden? es hat bereits zu viele Opfer gegeben. Und beide Seiten schenken sich nichts. Da kann man, realistisch betrachtet, die Frage nach einer geeinten Ukraine gar nicht mehr stellen. Putin braucht nichts mehr machen. Durch die blödsinnige Offensive der neuen Machthaber in Kiew wurde die Teilung festgezurrt. Und das möchte ich sehen, wie die EU den Karren wieder aus dem dreck ziehen will, wenn 30% der Bevölkerung nicht hinter der Regierung stehen, sondern sie abgrundtief hassen.
schreiberausthür.89 05.05.2014
3. Putins Krieg gegen die Ukraine
Woher haben diese sogn. Separatisten eigentlich ihre großkalibrigen Waffen und Granatwerfer her? Gibt es die in der Ukraine im Kiosk zu kaufen? Es handelt sich bei diesen paramilitärischen Verbrecherbanden doch wohl eindeutig um russische Söldner, vermutlich sind auch bereits russische Militärangehörige vor Ort. Hinzu kommen gewaltbereite Kleinkriminelle, die das Chaos für ihre Machenschaften nutzen und notfalls mal russische Fahne schwenken. Der Krieg Putins gegen die Ukraine geht also weiter. War ja eigentlich klar, dass sich das russische Regime nicht mit der Krim zufrieden geben würde.
Velociped 05.05.2014
4. Von Transnistrien bis zur Krim
Zu Sowjetzeiten siedelten sich Russen in den Sowjetrepubliken vor allem dort an, wo Industrie aufgebaut wurde. Daher gibt es nun in allen aktuellen oder ehemaligen industriellen Zentren eine grössere russischstämmige Bevölkerung. Die Autonomie dieser Regionen und Kleinregionen wäre prinzipiell ein fairer Weg. Wenn man allerdings auf die Landkarte von der Krim, über die Ostukraine und Odessa nach Transnistrien sieht, wird klar, dass das Ziel Putins die gesamte nördliche Küste des Schwarzen Meeres sein könnte. Umgekehrt werden die USA es sich nicht gefallen lassen, wenn Russland seinen direkten Einflussbereich wieder so weit ausdehnt. Dies ergibt eine hochbrisante Mischung die wahrscheinlich zu einem lang andauernden Stellvertreterkrieg oder wenn es schlimmer kommt, zu einem direkten Krieg zwischen US-Truppen und russischen Soldaten führen könnte. Angesichts dessen ist es wichtig, dass auf beiden Seiten das Pokern um Maximalpositionen aufhört, wilde Milizen - wie auch immer sie genannt werden - nicht weiter bewaffnet werden und eine ernsthafte Vermittlung beginnt. "Dreck am Stecken" haben Russland und die USA. Keiner von den beiden deeskaliert wirklich. Beide machen damit nur Propaganda. Leidtragende ist die Bevölkerung in der Ukraine sowie zu befürchten auch Osteuropas, Europas und der Welt. Man sollte in Moskau und in Washington parallel Friedensdemos durchführen um dem Zündeln am Dritten Weltkrieg etwas entgegen zu setzen.
MephistoX 05.05.2014
5. Tja, ...
Zitat von kning1204Wer glaubt denn jetzt noch ernsthaft, das es auf Jahre hin möglich sein wird, dass die Menschen in der Ukraine in Frieden zusammenleben werden? es hat bereits zu viele Opfer gegeben. Und beide Seiten schenken sich nichts. Da kann man, realistisch betrachtet, die Frage nach einer geeinten Ukraine gar nicht mehr stellen. Putin braucht nichts mehr machen. Durch die blödsinnige Offensive der neuen Machthaber in Kiew wurde die Teilung festgezurrt. Und das möchte ich sehen, wie die EU den Karren wieder aus dem dreck ziehen will, wenn 30% der Bevölkerung nicht hinter der Regierung stehen, sondern sie abgrundtief hassen.
... GENAU DESHALB sind ja schnellstmögliche, ordnungsgemäße Präsidentschafts- und Parlamentsneuwahlen so wichtig, die Putin resp. die pro-russischen "Aktivisten" aber zu vereiteln suchen, weil sie genau wissen, dass es keine erneute Kreml-hörige Marionettenregierung in Kiew mehr geben wird. Wenn trotz Neuwahlen immer noch die von Ihnen geschätzten 30 % "Pro-Russen" die dann zweifelsohne legtitime Regierung und damit die Ukraine hassen, dann sollen sie halt ins gelobte Putin-Russland emigrieren, statt weiter die Ukraine mit Terror und Gewalt zu überziehen !
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