Telefonat zur Ukraine-Krise Kerry und Lawrow weisen sich gegenseitig Schuld zu

Der Friedensplan für die Ukraine wird nicht eingehalten - darin sind sich der amerikanische und der russische Außenminister einig. Doch wer ist schuld? Die USA machen Moskau verantwortlich, Russland die vom Westen unterstützte Führung in Kiew.

Außenminister Kerry und Lawrow: "Eskalierende Rhetorik" in der Ukraine-Krise
AP

Außenminister Kerry und Lawrow: "Eskalierende Rhetorik" in der Ukraine-Krise


Moskau/Washington - John Kerry und Sergej Lawrow haben wegen der Ukraine-Krise mal wieder miteinander telefoniert. Inhaltlich nähergekommen sind sich die Außenminister der USA und Russlands dabei aber offenbar nicht. Stattdessen überzogen sich die beiden Politiker erneut mit Vorwürfen.

Kerry zeigte sich nach Angaben des State Department "zutiefst besorgt über den Mangel an positiven russischen Schritten zur Deeskalation" im Osten der Ukraine. Demnach verwies Kerry in dem Gespräch mit Lawrow auf zunehmende Beweise, dass die Separatisten immer mehr Gebäude besetzten und Journalisten sowie andere Zivilisten gefangen nähmen.

Moskau müsse seine "eskalierende Rhetorik" dämpfen, diplomatisch mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der ukrainischen Regierung zusammenarbeiten sowie die Besetzer öffentlich zur Aufgabe aufrufen, forderte der US-Außenminister demnach. Sollten diese Punkte aus dem in Genf vereinbarten Friedensfahrplan nicht eingehalten werden, käme es zu verschärften Sanktionen gegen Russland, drohte Kerry.

OSZE-Beobachter sehen keine Entspannung in der Ostukraine

Auch Lawrow forderte in dem Gespräch die Einhaltung der Genfer Vereinbarungen - zeigte dabei jedoch mit dem Finger auf die Regierung in Kiew. Die ukrainische Führung müsse den Einsatz der Armee in der Ostukraine stoppen und nationalistische Gruppen entwaffnen. Zudem sollten die prorussischen Separatisten auf freien Fuß gesetzt werden, verlangte Lawrow. "Zudem habe Kiew nicht verbal, sondern tatkräftig eine umfassende Verfassungsreform in Angriff zu nehmen", sagte der russische Außenminister nach Angaben des Kreml.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hatte am Dienstag mitgeteilt, der während der Ostertage unterbrochene "Anti-Terror-Einsatz" in der Ostukraine sei in vollem Umfang wieder angelaufen.

Moskautreue Separatisten halten nach wie vor in mehreren Orten der Region Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet. Die vom Westen unterstützte Regierung in Kiew geht davon aus, dass die Separatisten massiv von Russland unterstützt werden.

Auch die Beobachter der OSZE können bislang keine Entspannung der Lage in der Ostukraine ausmachen. "Bisher können wir inoffizielle Informationen, wonach Protestierende in den vergangenen 48 Stunden eine Reihe von administrativen Gebäuden in der Region Donezk verlassen hätten, nicht bestätigen", sagte der deutsche OSZE-Beobachter Mirco Günther der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Akzeptanz der Genfer Verhandlungsergebnisse vor Ort sei stellenweise begrenzt.

syd/dpa/Reuters

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
MashMashMusic 23.04.2014
1.
"Die ukrainische Führung müsse den Einsatz der Armee in der Ostukraine stoppen und nationalistische Gruppen entwaffnen." Hm, wie sollen die nationalistischen pro-russischen Gruppen entwaffnet werden, wenn nicht durch die ukrainische Armee? (Man muss in der Ukraine ja jetzt immer dazu schreiben, welche Armee man meint.) Die Russen wollen die Ukraine destabilisieren, damit die Wahl Ende Mai nach ihrem Gusto verläuft. So sieht's aus.
rubenstein055 23.04.2014
2. Ich habe mal eine Frage...
Wieso wollen die USA sooo stark den Krieg in Ukraine? Warun versuchen sie mit allen Kraeften in Europa Krieg anzuzetteln und ie Eurozone zu destabilisieren? Macht man es so unter Freunden?
heba.baumann 23.04.2014
3. optional
Streiten wie im Kindergarten, wie die Kesselflicker. Ist das Politik?
zimmermannsnick 23.04.2014
4. wollt ihr Krieg?
ist es die Ukraine wirklich wert, dass sich die Menschheit mittels eines thermonuklearen Kriegs auslöscht? Bis vor ein paar Wochen waren die Menschen in Ost und West einig - was macht ihr Politiker nur? wo führt ihr uns hin?
zimmermannsnick 23.04.2014
5. Aufruf
Hey Leute in Ost und West! Wenn es Krieg geben sollte - geht einfach nicht hin! Vor allem die Leute an den "roten Knöpfen"! Spielt lieber mit euren Kindern, das bringt allen mehr!
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