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Ost-West-Konflikt um die Ukraine: Merkel kämpft für Klitschko

Kampf um die Ukraine, Runde zwei: Die Merkel-Regierung und Europas Konservative wollen Vitali Klitschko nach SPIEGEL-Informationen gezielt zum neuen starken Mann in Kiew aufbauen - und so den gewachsenen Einfluss des Kreml kontern.

Klitschko, Kanzlerin Merkel: Rückendeckung aus Deutschland Zur Großansicht
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Klitschko, Kanzlerin Merkel: Rückendeckung aus Deutschland

Hamburg - Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Gruppe der konservativen Parteien in der EU (EVP) wollen den ukrainischen Politiker und Profiboxer Vitali Klitschko durch gemeinsame Auftritte in der Öffentlichkeit stärken. Ziel ist nach SPIEGEL-Informationen, ihn zum Oppositionsführer und Gegenkandidaten zu Präsident Wiktor Janukowitsch aufzubauen.

Klitschko gilt als Hoffnungsträger für eine Annäherung des Landes an die Europäische Union, doch Beobachtern zufolge mangelt es ihm derzeit noch an der rhetorischen Gewandtheit und politischen Erfahrung für einen Präsidentschaftswahlkampf. Nach SPIEGEL-Informationen ist geplant, dass Klitschko beim nächsten Treffen der EVP-Staats- und Regierungschefs in Brüssel Mitte Dezember in der Runde auftritt und auch ein Gespräch mit Kanzlerin Merkel bekommt. Zudem soll es einen gemeinsamen Auftritt für die Öffentlichkeit geben.

Parallel erhält Klitschkos Partei Udar logistische Unterstützung von der EVP und der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU, unter anderem durch Schulungen für Udar-Parlamentarier und deren Mitarbeiter. Zuletzt hatten sich Merkels außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Außenminister Guido Westerwelle zu zum Teil vertraulichen Gesprächen mit Klitschko getroffen und ihm Unterstützung zugesagt.

Die Opposition um Klitschko war zuletzt im Parlament von Kiew mit einem Misstrauensvotum gegen Regierungschef Nikolai Asarow gescheitert. Die Regierungsgegner machen Asarow dafür verantwortlich, dass die Ex-Sowjetrepublik ein fertig ausgehandeltes Partnerschaftsabkommen mit der EU nicht unterzeichnet hat. Sie forderten Asarows Rücktritt. Letztlich bekamen sie für ihre Protestaktion jedoch nicht genug Stimmen zusammen. Die prowestlichen Massendemonstrationen gehen indes weiter.

200.000 Menschen demonstrieren gegen Präsident Janukowitsch

Am Sonntag erreichten die Proteste einen neuen Höhepunkt. Rund 200.000 Menschen forderten im Zentrum der Hauptstadt Kiew den Rücktritt von Asarow und Präsident Janukowitsch. Das proeuropäische Lager erwartet, dass Menschen aus dem ganzen Land zu der Großkundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) der Hauptstadt kommen.

Klitschko hatte die Regierungsgegner am Vorabend noch einmal zu einer regen Teilnahme aufgerufen. "Mehr als eine Million Menschen müssen Präsident Janukowitsch klarmachen, dass er unsere Bedingungen erfüllen muss", sagte der 42-Jährige. Dazu gehöre auch die Freilassung der inhaftierten Politikerin Julija Timoschenko. "Wer nicht in einem Polizeistaat leben will, sondern in einem modernen Land, sollte nicht gleichgültig bleiben", sagte Klitschko.

In Europa hatte das ausgesetzte Partnerschaftsabkommen teils für Entrüstung gesorgt. Der frühere polnische Präsident Aleksander Kwasniewski warf der EU nun Naivität im Umgang mit Kiew vor. Bereits seit dem Sommer sei klar gewesen, dass Russland das Assoziierungsabkommen zwischen Brüssel und Kiew torpedieren werde, sagte Kwasniewski dem SPIEGEL. Der Westen habe die Entschlossenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterschätzt - er habe aber auch das unterschätzt, was sich derzeit in Kiew abspiele.

Die Führung um Janukowitsch habe keine Strategie, sagte Kwasniewski. Sie wolle nur die kommenden Monate überleben. Den Unmut der prowestlichen Ukrainer, die seit mehr als einer Woche in Kiew demonstrierten, habe sie nicht vorhergesehen. Kwasniewski hatte in den vergangenen Monaten zusammen mit dem früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments, Pat Cox, die Gespräche der EU mit der Ukraine geführt.

ssu/AFP

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insgesamt 247 Beiträge
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1. Damit hat Klitschko seinen Stempel weg
stasilaus 08.12.2013
Der gekaufte Quisling von Westeuropa. Eine Wahl wird der nie gewinnen. Aber das wird der auch nicht. Weil er mit Gewaltmitteln an die Macht kommen will und dabei die parlamentarische Demokratie der Ukraine mit Unterstützung des Westen zerstören soll. Seid Ihr denn noch zu retten?
2. Von den warmen Warmen Worten des Herrn Klitschko,
radeberger78 08.12.2013
Zitat von sysopDPAKampf um die Ukraine, Runde zwei: Die Merkel-Regierung und Europas Konservative wollen Vitali Klitschko nach SPIEGEL-Informationen gezielt zum neuen starken Mann in Kiew aufbauen - und so den gewachsenen Einfluss des Kremls kontern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-merkel-will-klitschko-zum-praesidenten-aufbauen-a-937853.html
werden die ukrainischen Wohnungen auch nicht warm, da muss die EU schon mal das Checkheft zücken.
3. optional
Freidenker10 08.12.2013
Die stellvertreter Kriege fangen wieder an... Ausgerechnet die feige Frau Merkel gibt anderen Tipps, wie schön.
4.
movfaltin 08.12.2013
Zitat von sysopDPAKampf um die Ukraine, Runde zwei: Die Merkel-Regierung und Europas Konservative wollen Vitali Klitschko nach SPIEGEL-Informationen gezielt zum neuen starken Mann in Kiew aufbauen - und so den gewachsenen Einfluss des Kremls kontern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-merkel-will-klitschko-zum-praesidenten-aufbauen-a-937853.html
Das heißt jetzt bloß: Der Mann muss hierzulande hohe Beliebtheitswerte haben. Allerdings sollte sich Klitschko umdrehen, wenn Merkel "voll hinter ihm" steht.
5. Das alles sind
F.A.Leyendecker 08.12.2013
Einmischungen in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates Ukraine. Was zum Teufel hat die Konrad Adenauer Stiftung damit zu schaffen?
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