Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili erreicht die Ukraine

Bei seinem zweiten demonstrativen Einreiseversuch hatte Georgiens Ex-Präsident Erfolg: Miachail Saakaschwili hat offenbar die Grenze zur Ukraine überquert - mithilfe seiner Anhänger.

Michail Saakaschwili
AP

Michail Saakaschwili


Sein erster Einreiseversuch war gescheitert - nun hat Georgiens Ex-Präsident Michail Saakaschwili offenbar doch ukrainisches Gebiet erreicht. Zwar sperrten Nationalgardisten einen Grenzübergang von Polen, den Saakaschwili zu Fuß passieren wollte, wie mitreisende Journalisten berichteten. Doch dann durchbrach eine Gruppe seiner Anhänger von ukrainischer Seite aus die Kette und holte ihn über die Grenze beim Ort Schehyni.

Zuvor war sein Zug stundenlang an der polnischen Grenzstadt Przemysl festgehalten worden. Über Lautsprecher wurde Saakaschwili aufgefordert auszusteigen, weil seine Einreise in die Ukraine verboten sei. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte ihm im Juli die ukrainische Staatsbürgerschaft aberkannt.

Poroschenko hatte den georgischen Ex-Präsidenten einst als Gebietsgouverneur von Odessa eingesetzt. Saakaschwili hatte die ukrainische Staatsbürgerschaft angenommen - allerdings überwarf er sich mit dem ukrainischen Präsidenten. In der Folge verlor er die Staatsbürgerschaft.

Unterwegs mit Julia Timoschenko

Nun strebt er in der Ukraine eine neue politische Karriere an. Die Einreise ohne gültige Papiere begründete er damit, dass er vor Gericht um seine Staatsbürgerschaft kämpfen wolle.

Saakaschwili wurde auf der Reise von der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko und mehreren ukrainischen und polnischen Abgeordneten begleitet. Parteifreunde Timoschenkos versuchten, die ukrainische Zugchefin unter Druck zu setzen und eine Abfahrt zu erzwingen.

Der Intercity nach Kiew wurde am späten Nachmittag in Przemysl ganz gestrichen. An die Passagiere erging die Aufforderung, mit Autobussen in die Ukraine weiterzufahren.

Was nach der Einreise Saakaschwilis passiert, war am Sonntag noch unklar. Schlimmstenfalls droht ihm eine Verhaftung. Georgien soll wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs die Auslieferung des Ex-Staatschefs beantragt haben, der von 2004 bis 2013 regierte.

mho/kry/dpa

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