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22. September 2014, 20:08 Uhr

Facebook-Propaganda

Kiews Verteidigungsminister erntet Spott für Bericht über Atomschlag

Das war dann doch zu viel der Propaganda: Der ukrainische Verteidigungsminister behauptete, Luhansk sei von russischen Atomgranaten getroffen worden. Auch aus den eigenen Reihen musste er sich Belehrungen über Waffentechnik gefallen lassen.

Kiew - "Der ukrainische Verteidigungsminister ist scheinbar nicht mehr bei Sinnen", schreibt der Moskauer Außenpolitiker Alexej Puschkow auf Facebook. Moskaus Verteidigungsministerium wettert, der ukrainische Verteidigungsminister leide unter "Verfolgungswahn". Der Grund für die heftige Reaktion: Minister Walerij Geletej hatte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa über einen mutmaßlichen Angriff im Konfliktgebiet Luhansk gesprochen. Dabei seien russische Atomwaffen eingesetzt worden.

Konkret hatte Geletej im Gespräch mit Journalisten behauptet, der Flughafen der ostukrainischen Stadt sei möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen von einem Granatwerfer des Typs "2S4 Tjulpan" beschossen worden. Nicht nur in Russland, auch im eigenen Land wurde er dafür scharf kritisiert: Ein Mitarbeiter des Kiewer Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, machte sich öffentlich Sorgen, dass sich die Ukraine vor aller Welt lächerlich mache.

"Nach der Anwendung taktischer Atomwaffen gegen unsere beim Luhansker Flughafen im Schützengraben liegenden Jungs wäre niemand mehr rausgekommen", schrieb Geraschtschenko auf seiner Facebook-Seite. Entweder habe sich der Verteidigungsminister geirrt, oder er kenne sich weder mit konventionellen noch mit atomaren Waffen aus. Wäre ein Atomsprengkopf bei Luhansk explodiert, hätte er alles Leben in der Nähe vernichtet, wurde Geraschtschenko deutlich.

Gefechtslärm bei Donezk

In der Realität wird in Donezk noch immer gekämpft: So wurde die Großstadt am Montag von Explosionen erschüttert. Rings um den nahe gelegenen Flughafen war laut Nachrichtenagentur dpa Gefechtslärm zu hören. In der Nacht zum Montag seien zwei ukrainische Soldaten in Orten nahe Donezk von "bewaffneten Banden" getötet worden, sagte Kiews Armeesprecher Andrej Lyssenko.

Dabei hatten die ukrainische Regierung und die Rebellen Anfang September einen Waffenstillstand vereinbart, am Samstag wurde das Abkommen durch einen Neun-Punkte-Plan ergänzt. Demnach sollen alle Kampfeinheiten auf jeweils mindestens 15 Kilometer hinter die Frontlinie zurückgezogen und eine Pufferzone errichtet werden. Die Waffenruhe wurde bereits am Wochenende mehrfach gebrochen.

vek/dpa

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