Osten der Ukraine Nato bestätigt Militärtransporte aus Russland

Panzer, Artillerie und Truppen: Die Nato hat Berichte bestätigt, wonach Russland seine militärische Präsenz im Osten der Ukraine ausbaut. Die Regierung in Moskau dementiert.

Truppentransporter nahe der Separatistenhochburg Donezk: Russische Intervention?
REUTERS

Truppentransporter nahe der Separatistenhochburg Donezk: Russische Intervention?


Kiew/Sofia - Die Nato beobachtet, dass "zahlreiche Kolonnen" mit militärischer Ausrüstung von Russland aus in den Osten der Ukraine transportiert werden. "In den vergangenen zwei Tagen haben wir dasselbe gesehen, was die OSZE berichtet: Wir haben Kolonnen russischer Ausrüstung gesehen, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen, die in die Ukraine gebracht werden", sagte Nato-Oberkommandeur Philip Breedlove. Die genaue Anzahl der Einheiten sei unklar, doch bestünde Einigkeit, dass es "zahlreiche Kolonnen" seien.

Die Beobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte am Dienstag von einem Konvoi von Militärlastwagen ohne Kennzeichnung berichtet, die mit fünf schweren Artilleriegeschützen und fünf Raketenwerfern in Richtung der Rebellenhochburg Donezk fuhr. Bereits in den Tagen davor hatten OSZE-Beobachter und Journalisten verschiedentlich über große Militärkonvois auf dem Weg zur Frontlinie berichtet.

Die Grenze Russlands zur Ukraine sei "völlig porös" und "weit offen", kritisierte Breedlove. "Einheiten, Geld, Hilfen, Ausrüstung, Waffen fließen völlig unkontrolliert hin und zurück über die Grenze, und das ist keine gute Situation."

Moskau dementiert die Anschuldigungen. Die russische Armee sei in der Ukraine nicht präsent, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums laut der Agentur Interfax. Es gebe keinen Beleg für solche Behauptungen, hieß es weiter.

Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Moskau seit Monaten vor, die porussischen Separatisten mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen. Wie im Fall der ukrainischen Halbinsel Krim bestreitet Moskau die Präsenz eigener Truppen. Nach der Annexion der Krim im Frühjahr hatte Moskau allerdings bestätigt, dass dort Armee-Einheiten im Einsatz waren.

Kiew bereitet sich auf Offensive der Separatisten vor

Bei den jetzt beobachteten Lastwagenkonvois handele es sich um Kolonnen der Aufständischen und nicht um russische Truppen, sagte einer der Separatistenführer, Boris Litwinow, in Donezk. "Es ist zwar sowjetische Technik, wie sie auch die russische Armee noch benutzt, aber wir haben sie im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet", sagte Litwinow am Mittwoch. "Das sind unsere Trophäen."

Zuvor hatte der ukrainische Uno-Botschafter Jurij Sergejew via Twitter vor einer großangelegten Militärinvasion Russlands gewarnt. "Ich glaube, dass die Uno so schnell wie möglich darüber informiert werden muss, dass Russland eine umfassende Invasion in der Ukraine plant", schrieb Sergejew. Er schrieb in seiner Botschaft von "Fakten", die "keinen Zweifel" ließen - ohne dies näher zu erläutern.

Der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak sagte bei einer Kabinettssitzung in Kiew, die Ukraine müsse sich "auf den Kampf" vorbereiten. Die Separatisten und Russland verstärkten ihre Einheiten, und Kiew bereite sich auf "unvorhersehbare Handlungen" vor. Die Lage im Konfliktgebiet nannte der Verteidigungsminister "kompliziert, aber stabil".

Am Mittwoch wurde in Donezk aus dem Gebiet um den umkämpften Flughafen schwerer Artilleriebeschuss gemeldet, die Armee sprach von einem Toten und zwei Verletzten. Örtliche Rundfunksender sprachen von den heftigsten Kämpfen seit Tagen. Die Aufständischen bezifferten die Sachschäden seit Beginn der Gefechte im April auf bisher rund 65 Millionen Euro allein in Donezk.

als/mxw/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Palmstroem 12.11.2014
1. Nicht nur die Nato
Nicht nur die Nato "beobachtet zahlreiche Kolonnen" aus Russland in die Ukraine. Schon die OECD hat über Panzer- und Artilleriekolonnen berichtet und englische Repoter haben Bilder davon veröffentlicht. Aber Augen zu und nur nicht Putin verärgern, am Ende machen die Soldaten gar nicht Urlaub, sondern schießen
viceman 12.11.2014
2. ich würde den uno-botschafter
mal zum phsychoklempner schicken. falls er sich z.z. in ny aufhält sollte das kein problem sein. er hat fakten, die keinen zweifel lassen, daß russland eine unfassende invasion plant , oder glaubt er das nur ? es gibt ja auch leute , die haben schon die fliegenden untertassen gesehen usw. die ukraine wird der eu und damit v.a. deutschland so richtig auf der tasche liegen, das tun sich die russen niemals an...
fort-perfect 12.11.2014
3. Da
Da kann man mal sehen, was das Wort eines lupenreinen Demokraten wert ist.... nämlich nichts. Putin agiert als machtgieriger Imperialist, ihn interessiert staatliche Souveränität der Ukraine nicht die Bohne und das Gleiche wird den baltischen Staaten in absehbarer Zukunft auch passieren.... Die Nato wird nichts machen, welcher vernünftig denkende Politiker will schon einen Krieg anzetteln. Putin weis dass und er wird diese Appeasement-Haltung immer wieder ausnutzen.... zumindest bis ihm die russische Wirtschaft um die Ohren fliegt, oder seine Oligarchen den Stecker ziehen...
Immanuel_Goldstein 12.11.2014
4.
Zitat von PalmstroemNicht nur die Nato "beobachtet zahlreiche Kolonnen" aus Russland in die Ukraine. Schon die OECD hat über Panzer- und Artilleriekolonnen berichtet und englische Repoter haben Bilder davon veröffentlicht. Aber Augen zu und nur nicht Putin verärgern, am Ende machen die Soldaten gar nicht Urlaub, sondern schießen
Eine Invasion ist kein Sandkastenspiel. Hier soll militärisch erobert und ein souveräner Staat zerschlagen werden.
sunhaq 12.11.2014
5.
Hierschonmal die typischen Argumente der Putinisten: - Aber die USA ist viel schlimmer! - Die NATO lügt - Die EU lügt - Die USA lügt - Die freie Presse lügt - Die OECD lügt - Das russische Staats-TV und diverse Esoterikblogs behaupten was anderes - Das ist doch alles Russlandbashing...
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