Ukraine Neue Regierung lässt nach Janukowitsch fahnden

Vor zwei Tagen war er noch Präsident, jetzt steht Wiktor Janukowitsch auf der Fahndungsliste der ukrainischen Polizei. Die neue Regierung will ihn vor Gericht stellen - wegen "Massenmords". Er soll auf der Krim gesichtet worden sein.


Kiew - Die ukrainische Übergangsregierung verstärkt ihre Bemühungen bei der Suche nach Wiktor Janukowitsch. Nach dem gestürzten Präsidenten wird polizeilich gefahndet - offenbar wegen "Massenmords". Das teilte der kommissarische Innenminister Arsen Awakow am Montag bei Facebook mit.

Bei den Aufständen in Kiew waren in der vergangenen Woche nach offiziellen Angaben insgesamt 77 Menschen gestorben. Regierungsgegner sprechen von mehr als 100 Todesopfern. Auf dem Unabhängigkeitsplatz wurden Berichten zufolge zahlreiche Demonstranten mit offenbar gezielten Schüssen in Kopf und Brust getötet. Gesucht wird neben Janukowitsch offenbar auch nach anderen Verantwortlichen der Gewalt in Kiew.

Am Montag war immer noch unklar, wo sich der Politiker derzeit aufhält. Zuletzt hieß es, der Flüchtige sei auf der Krim-Halbinsel am Schwarzen Meer gesehen worden. Janukowitsch habe am Sonntagabend ein Anwesen in Balaklawa auf der Krim verlassen, teilt das Innenministerium mit. Er sei im Auto mit unbekanntem Ziel abgereist.

Nach bisherigem Stand scheiterte Janukowitsch am Samstag zudem bei dem Versuch, sich von seiner Heimatstadt Donezk aus abzusetzen. Er habe auf dem Flughafen von Donezk versucht, ein Flugzeug nach Russland zu besteigen, sagte Serguii Astachow, Sprecher des Grenzschutzes. Bewaffnete Männer hätten Geld geboten, um eine Starterlaubnis für die Privatmaschine zu bekommen. Dies sei von den Beamten aber abgelehnt worden.

Wenig später seien zwei gepanzerte Fahrzeuge zum Flugzeug gerollt, berichtete Astachow weiter. Janukowitsch sei in eines von ihnen gestiegen und habe den Flughafen verlassen.

Die bisherige Opposition hatte am Wochenende nach monatelangen Protesten die Macht in Kiew übernommen und rasch alle wichtigen Posten besetzt. In Kiew laufen nun Gespräche, wie es mit dem Krisenland weitergeht. Die Ukraine plagen nach Monaten des politischen Aufstands erhebliche finanzielle Probleme - sogar von einem drohenden Staatsbankrott ist die Rede. Das Ausland hat jedoch bereits Finanzhilfen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt.

jok/dpa/Reuters/AP/AFP



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insgesamt 289 Beiträge
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dschungelmann 24.02.2014
1. Nicht nur das : Weitere
Den Russen im Osten wird die Staatsbuergerschaft entzogen. Die russische Sprache wird verboten. DAS sind echte Demokraten. Jawoll, Herr Steinmeier. Das wird eine blutige Angelegenheit, gegen die der "Maidan" ein Grillfest war. Gut gemacht.
nouwo, 24.02.2014
2. Er wird sterben müssen
Zitat von sysopREUTERSVor zwei Tagen war er noch Präsident, jetzt steht Wiktor Janukowitsch auf der Fahndungsliste der ukrainischen Polizei. Die neue Regierung will ihn vor Gericht stellen - wegen "Massenmords". Er soll auf der Krim gesichtet worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-neue-regierung-laesst-nach-janukowitsch-fahnden-a-955249.html
Wie Saddam und Gaddafi. Er weiß zuviel.
e-ding 24.02.2014
3. ...
Trauriges Spektakel. Fahndung wegen Massenmordes!? Bin wirklich gespannt, was in 50 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen wird. Mit der Wahrheit wird das allerdings nicht so viel zu tun haben.
Hirnblaehung 24.02.2014
4.
Was in der EU erlaubt ist darf doch wohl bitte auch in der Ukraine erlaubt sein oder ? http://www.zuerst.de/2013/06/27/todesstrafe-und-ausnahmerecht-staatsrechtler-schachtschneider-geht-mit-eu-vertrag-von-lissabon-hart-ins-gericht/
capote 24.02.2014
5. Kasperletheater
Das Janukowitsch sich unmittelbar nach den "Verhandlungen" abgesetzt hat und geflohen ist, zeigt, dass es nichts zu verhandeln gab. Offensichtlich haben sind das Militär und die sogenannten Sicherheitskräfte Ihm nicht mehr gefolgt, so dass nur noch die Flucht blieb. Was unser Aussenminister Steinmeier da mit seinem französischen Amtskollegen gemacht haben war kein Diplomatischer erfolg, sondern Kasperletheater, während im Hintergrund alles zusammenbrach!
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