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Rechter Politiker Ljaschko: Der Mann, der die Ukraine aufhetzt

Aus Kiew berichtet

Oleh Ljaschko: Der Hardliner Fotos
AP

Oleh Ljaschko will Separatisten in der Ostukraine hinrichten und sein Land nuklear aufrüsten. Der Rechtspopulist kommt an: Vor den Parlamentswahlen liegt seine "Radikale Partei" auf Rang zwei.

Wenn beim TV-Sender Inter die Scheinwerfer angehen, dröhnt dazu Wagners "Walküre" aus den Lautsprechern: Der "Schwarze Spiegel" geht auf Sendung, eine der beliebtesten Talkshows in der Ukraine. Das Studio ist martialisch eingerichtet: Die Zuschauer verfolgen das Spektakel in der düsteren Arena von einem Baugerüst aus - im Stehen. Jeden Freitagabend geht das so.

Niemandem jubeln die Zuschauer in diesen Tagen lauter zu als Oleh Ljaschko. Er ist der Anführer der nationalistischen "Radikalen Partei", 42 Jahre alt und Stammgast beim "Schwarzen Spiegel". Mal tritt er schick im Maßanzug auf, mal in schwarzer Kampfmontur. Radikal sind seine Parolen immer. Er fordert die atomare Wiederbewaffnung der Ukraine. Kämpfer der Separatisten in der Ostukraine will er ohne Gerichtsurteil exekutieren lassen. Wenn die Ukrainer am Sonntag ein neues Parlament wählen, dürfte Ljaschko damit Erfolg haben.

Denn seine rechten Parolen befördern ihn in den Umfragen auf den zweiten Platz, hinter dem "Block Poroschenko". Meinungsforscher sehen Ljaschko bei bis zu zwölf Prozent. Bereits bei den Präsidentschaftswahlen im Mai wurde er überraschend Dritter, mit acht Prozent hinter dem Sieger Petro Poroschenko und der zweitplatzierten Julija Tymoschenko.

Springerstiefel und Lederjacke

Zum Treffen mit Journalisten kommt Ljaschko in Springerstiefeln und grüner Lederjacke. Er trägt eine Sonnenbrille wie einst Hollywoodstar Tom Cruise im Film "Top Gun". Der Krieg im Osten des Landes bildet die Kulisse für den Wahlkampf des Rechtspopulisten. Ljaschko lässt seine Besuche an der Front in Szene setzen. Ein Video auf YouTube zeigt ihn gar beim Verhör eines Rebellenkommandeurs. Der Gefangene ist halbnackt, blutet und hat einen Sack über dem Kopf.

Die Eskalation im Osten kam für ihn gerade zur rechten Zeit. Als Putins Soldaten die Macht auf der Krim übernahmen, forderte Ljaschko, die dort stationierten ukrainischen Truppen sollten den Russen eine Schlacht liefern. Folge wäre ein sinnloses Blutbad gewesen, aber Ljaschkos rauer Ton kam bei vielen gut an. Bei ihm ist von Durchhalten die Rede und von Waffenlieferungen aus dem Westen: Er wünscht sich Luftabwehrsysteme der Nato, Präzisionsraketen und "ein paar Luftschläge von Amerikas Drohnen". Man müsse dem Kreml in der Ostukraine "ein zweites Afghanistan" bereiten.

So übertrieben all das klingt: Ljaschko ist mit dieser Rhetorik zu einem der gefährlichsten Gegner von Präsident Poroschenko geworden. Je stärker die Radikalen im Parlament werden, desto schwieriger dürfte dem Staatschef die Bildung einer breiten Koalition fallen. Derzeit sieht es so aus, als könnte Ljaschko mehr Stimmen bekommen als Premierminister Arsenij Jazenjuk und Tymoschenko zusammen. "Wir brauchen keinen Oligarchen als Präsidenten, sondern einen Krieger", sagt der Rechtspopulist.

Wer hat in der Partei das Sagen?

Ljaschko spricht aus, was auch andere Hardliner in Kiew denken. Einflussreiche Leute wollen den Kurs von Poroschenko torpedieren, sagt der Politologe Konstantin Bondarenko. Er spricht von einer "Partei des Krieges" und meint damit Top-Politiker wie Innenminister Arsen Awakow und den Gouverneur von Dnipropetrowsk, Milliardär Ihor Kolomoisky.

Dabei gilt es in Kiew als offenes Geheimnis, dass der Scharfmacher selbst eng mit den mächtigen Superreichen verbandelt ist. Politische Beobachter sind überzeugt, dass bei der "Radikalen Partei" in Wahrheit der zwielichtige Gasmagnat Dmytro Firtasch die Strippen zieht. Gemeinsam mit Serhij Ljowotschkin, unter Ex-Präsident Wiktor Janukowytsch, Chef der Präsidentenadministration.

Das Gespann hat früher Dutzende Abgeordnete von Janukowytschs "Partei der Regionen" kontrolliert. Im Parlament bildeten sie eine mächtige Schattenfraktion der Oligarchen. Nun wollen sie mit der "Radikalen Partei" ihren Einfluss wahren, heißt es in Kiew. Dazu würden auch Ljaschkos regelmäßige Auftritte in der Talkshow "Schwarzer Spiegel" passen. Der Kanal Inter wird vom Duo Firtasch und Ljowotschkin gesteuert.

Dort hat Ljaschko die Bühne für sich. Zuletzt durfte er in der Talkshow einem Millionenpublikum einen angeblich gefangenen Soldaten der russischen Armee vorführen. Die Zurschaustellung von Kriegsgefangenen wird zwar durch die Genfer Konventionen geächtet. Beim TV-Sender Inter aber sieht man das nicht so eng.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
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1.
goldt 22.10.2014
Gut, dass die Ukraine keine Probleme mit Rechtsradikalen unterschiedlicher Prägungen hat. Ist auch völlig normal, dass Paramilitärs mit Runen umherlaufen und Präsidentsschaftskandidaten Menschen entführen. Rebecca Harms, übernehmen sie!
2. Oh je
newsoholic 22.10.2014
Was haben wir, der "Westen", dort in Kiew bloß angerichtet mit dem von unseren Regierungen forcierten Umsturz einer demokratisch gewählten Regierung?! Die Wirtschaftbeziehungen nach Osten, die gerade für die deutsche Industrie ungemein wichtig sind, sind über Jahre zerstört und wir haben Europa nachhaltig destabilisiert. Toll, wirklich toll!
3. Willkommen in der Nato!
labbimen 22.10.2014
Orban, Erdogan und jetzt dieser sympathische, aufrechte Demokrat! Für solche Leute zahle ich doch gerne jede Rechnung mit Geld, Wohlstand und Leben.
4. Das ist der richtige...
horstr 22.10.2014
... Gesprächspartner für Steinmeier, bin gespannt auf den erfolgreichen Abschluß dieser Konsultationen..
5. Steinmeier Kumpels!
Herr Lunau 22.10.2014
Tja nun läuft der Ukrainekonflikt wohl doch in die falsche Richtung. Macht ja nix Steinmeier, empörst Dich ein bißchen beim "Klebriegen", 180 Grad-Wendung, Waffenlieferung für die Sepas und gut.
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