Ukraine Unbekannte verprügeln kritische Journalistin

Wenige Stunden nach dem Erscheinen eines regierungskritischen Artikels ist eine ukrainische Journalistin und prominente Oppositionelle verprügelt worden. Die Täter konnten entkommen. Die Frau wird auf der Intensivstation versorgt.

REUTERS

Kiew - Eine ukrainische Regierungsgegnerin und Journalistin, die für ihre investigative Recherche über Korruption unter hochrangigen Politikern bekannt ist, ist am Mittwoch von Unbekannten attackiert worden.

Tatjana Tschornowil wurde in der Nähe von Kiew angegriffen, nur wenige Stunden, nachdem ein Artikel von ihr über das Vermögen von Spitzenpolitikern erschienen war.

Die 34-Jährige ist eine prominente Aktivistin, die viele Reden auf den jüngsten Demonstrationen in der Ukraine gehalten hat. Nach Polizeiinformationen wurde ihr Auto kurz nach Mitternacht von einem anderen Fahrzeug gestoppt. Zwei unbekannte Männer haben zunächst ein Fenster ihres Wagens zerschlagen, sie anschließend aus ihrem Auto gezerrt, zusammengeschlagen und in einem Graben liegen gelassen.

Die Journalistin erlitt einen Nasenbeinbruch, eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen, berichtet die Nachrichten-Webseite "Ukrainska Pravda". Tschornowil werde auf der Intensivstation behandelt, berichteten Oppositionsaktivisten.

Die pro-europäischen Demonstrationen in der Ukraine dauern bereits seit mehr als vier Wochen an. Die Opposition um Boxer Vitali Klitschko fordert vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen und die Freilassung aller politischen Häftlinge, darunter der Ex-Premierministerin Julija Timoschenko.

Die finanziell angeschlagene Ukraine hatte im November unerwartet angekündigt, ein seit Jahren vorbereitetes Assoziierungsabkommen und einen Freihandelsvertrag mit der EU doch nicht zu unterzeichnen. Diese Abkehr verkündete Präsident Wiktor Janukowitsch, nachdem die Regierung in Moskau offenbar massiven Druck ausgeübt hatte. Der Staatschef löste damit innenpolitische Proteste aus - und eine Diskussion der EU über ihr Verhältnis zu Russland. Es ist die größte Protestbewegung seit der Orangen Revolution vor neun Jahren.

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thor1708 25.12.2013
1.
Und deshalb soll die Ukraine auch nicht in die EU, viel zu viel Ähnlichkeit mit Russland. Da müssen erst Generationen verschwinden, damit eine Annäherung möglich ist. Und zudem sollte als Vorgabe zum Eintritt eine vergleichbare Wirtschaft wie in Deutschland bestehen. Sonst muss wieder wie bei Griechenland jemand gefüttert werden. Es bringt nunmal nichts die östlichen Staaten ins Boot zu holen, wenn das Boot dadurch sinken kann.
janabaer 25.12.2013
2.
Es geht schon lange um keinen EU-Beitritt mehr, klar wollen die ukrainischen Bürger eine Annäherung an die EU. In der Ukraine geht es um Menschenrechte gegen die Verstöße Geschehen, es geht um Pressefreiheit, um versammlungsfreiheit darum dass alle Menschen fair behandelt werden. Deswegen gehen die Menschen unter anderen auf die Straße, wenn ich also sowas lesen muss wie die Ukraine würde die EU runter ziehen werde ich echt traurig, die Ukraine braucht dringend Hilfe und die ist ja seitens Russlands definitiv nicht zu erwarten und auch nicht erwünscht.
o.schork 25.12.2013
3. eu
Zuerst gute Besserung an die Geschädigte. Mögen Ihre Peiniger eines Tages nachempfinden dürfen was Angst bedeutet. Ansonsten ist es die Öffnung Europas, die der Demokratisierung dieser Länder hilft, nicht das Aussperren.
elge 26.12.2013
4. Bekanntes Strickmuster
War nicht Herr Janukowitsch letztens noch beim Kollegen Putin und hat sich doch bestimmt auch Rat geholt oder auch bekommen, wie man bei ihm mit systemkritischen Journalisten verfährt?
DrGrey 26.12.2013
5.
Zitat von o.schorkZuerst gute Besserung an die Geschädigte. Mögen Ihre Peiniger eines Tages nachempfinden dürfen was Angst bedeutet. Ansonsten ist es die Öffnung Europas, die der Demokratisierung dieser Länder hilft, nicht das Aussperren.
Brüssel hält selbst wenig von Demokratie, wie soll das gehen?
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