Bruch des Waffenstillstands OSZE-Beobachter geraten in Ostukraine unter Beschuss

Eine Gruppe von OSZE-Beobachtern ist in der Ostukraine beschossen worden. Die Uno hat derweil erschreckende Zahlen bekannt gegeben: Täglich werden 13 Menschen in der Konfliktregion getötet - trotz des Waffenstillstands.

OSZE-Beobachter an der Absturzstelle von Flug MH17: Gefährliche Schüsse
DPA

OSZE-Beobachter an der Absturzstelle von Flug MH17: Gefährliche Schüsse


Moskau - Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind offenbar in der Ostukraine beschossen worden. Ein Konvoi der Beobachter, die den Waffenstillstand in dem Konfliktgebiet überwachen sollen, sei am Mittwochnachmittag in der Nähe der Ortschaft Marjinka von uniformierten Männern beschossen worden, teilte die OSZE am Donnerstag mit. Das Gebiet 15 Kilometer westlich der Rebellenhochburg Donezk wird Angaben der OSZE zufolge von der ukrainischen Armee kontrolliert.

Die Mitarbeiter der OSZE blieben den Angaben zufolge unverletzt. Die zwei Schüsse, die ein Uniformierter von der Ladefläche eines Lastwagens aus abgegeben habe, hätten eines der OSZE-Fahrzeuge aber nur um zwei Meter verfehlt. Der Konvoi habe das Gebiet daraufhin sofort verlassen.

Die OSZE hatte den seit September formell gültigen Waffenstillstand zwischen Kiew und den prorussischen Rebellen in der Ostukraine mit ausgehandelt - die Feuerpause wird jedoch immer wieder gebrochen: "Respektiert wird die Waffenruhe bestenfalls sporadisch", sagte der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Zeid Raad Zeid Al-Hussein.

"Folter, Hinrichtungen, Zwangsarbeit, sexuelle Gewalt"

Seinen Angaben zufolge kamen seit dem 5. September 957 Menschen ums Leben - darunter 838 Männer und 119 Frauen. Insgesamt seien in dem Konflikt seit Mitte April 4317 Menschen getötet und 9921 verwundet worden. Die Zahl der Flüchtlinge stieg demnach innerhalb von zwei Monaten von etwa 275.000 auf knapp 467.000. Der Diplomat berief sich bei seinen Angaben auf Zahlen der ukrainischen Behörden.

"In den ersten acht Wochen des Waffenstillstands sind bei immer neuen Kämpfen sowie Bombardierungen im Tagesdurchschnitt 13 Menschen getötet worden", sagte Hussein weiter. "Alle Seiten müssen weit ernsthaftere Anstrengungen unternehmen, um diese langwierige Krise friedlich und in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht zu überwinden."

Die Uno-Beobachter in der Ukraine halten Russland erneut eine militärische Einmischung in den Konflikt vor. "Die Menschenrechtslage im Osten der Ukraine wird weiterhin dadurch erschwert, dass es eine große Zahl hoch entwickelter Waffen sowie ausländischer Kämpfer gibt, einschließlich Soldaten der Russischen Föderation", heißt es im aktuellen Bericht der 35 Beobachter.

In dem Papier werden auch "anhaltende schwere Verletzungen durch bewaffnete Gruppen" beklagt. Dazu gehörten "Folter, willkürliche Inhaftierungen, Hinrichtungen im Schnellverfahren, Zwangsarbeit, sexuelle Gewalt sowie die Zerstörung oder illegale Beschlagnahme von Grundeigentum". In von prorussischen Rebellen gehaltenen Gebieten werden demnach inzwischen Tausende Menschen vermisst und immer wieder Gräber mit verscharrten Leichen entdeckt.

mxw/AFP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.