Beobachtermission OSZE vermisst zweites Team in der Ostukraine

Ein weiteres Team der OSZE ist in der Ostukraine verschollen. Die Beobachter sind im Norden der Stadt Luhansk von Bewaffneten gestoppt worden, teilt die Organisation mit - seitdem gibt es keinen Kontakt mehr.

OSZE-Auto in Luhansk (Archivbild): Einsätze in der Ostukraine
REUTERS

OSZE-Auto in Luhansk (Archivbild): Einsätze in der Ostukraine


Luhansk - Ein Team wird bereits seit Montag vermisst, jetzt hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auch den Kontakt zu einer zweiten Beobachtergruppe in der Ostukraine verloren.

Seit Donnerstagabend bestehe kein Kontakt zu den internationalen Beobachtern, teilte die OSZE am Freitagmittag mit. Sie seien nördlich der Stadt Luhansk von Bewaffneten gestoppt worden.

Kurz zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa noch gemeldet, dass die seit Anfang der Woche verschleppten Beobachter wieder freigelassen worden seien. Unter Berufung auf Äußerungen des Separatistenführers Alexej Tschmilenko gegenüber der Agentur Interfax hieß es, die Männer seien auf freien Fuß gesetzt und verwarnt worden. Sie sollten sich künftig nicht mehr ohne Voranmeldung auf dem Gebiet der selbst ernannten "Volksrepublik Luhansk" aufhalten.

Diese Nachricht konnte die OSZE-Sprecherin auf Nachfrage nicht bestätigen.

Die OSZE hatte am Montagabend den Kontakt zu der Gruppe verloren, deren Mitglieder aus Estland, Dänemark, der Türkei und der Schweiz stammen. Später sagte der selbst ernannte Bürgermeister von Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, die Beobachter seien im Gewahrsam seiner Kräfte.

Die prowestliche ukrainische Führung will ihren umstrittenen "Anti-Terror-Einsatz" gegen die Separatisten erst nach einer vollständigen Stabilisierung der Lage beenden. "Wir werden weitermachen, solange die Region nicht normal lebt und arbeitet", sagte der kommissarische Verteidigungsminister Michailo Kowal am Freitag laut Medienberichten in Kiew. Ziel der Operation sei die vollständige Befreiung der Ostukraine von den Aufständischen und die Wiederherstellung ukrainischer Strukturen, betonte Kowal.

Die Kämpfe in der Ostukraine waren in den vergangenen Tagen eskaliert. Zuletzt zeigte sich US-Außenminister John Kerry besorgt über tschetschenische Milizionäre, die über Russland in die Ostukraine eindringen und dort auf Seiten der prorussischen Separatisten kämpfen sollen.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel forderte am Freitag den vollständigen Abzug russischer Truppen von der ukrainischen Grenze. Dass sich Tausende Truppen bereits zurückgezogen hätten, sei "vielversprechend", sagte Hagel. Es befänden sich jedoch noch Tausende weitere Soldaten an der Grenze. "Sie sind nicht, wo sie sein müssten."

fab/dpa

insgesamt 52 Beiträge
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Christy Mack 30.05.2014
1. Man sollte mehr Teams schicken
Zitat von sysopREUTERSEin zweites Team der OSZE ist in der Ostukraine verschollen. Die Beobachter sind im Norden der Stadt Luhansk von Bewaffneten gestoppt worden, teilt die Organisation mit - seitdem gibt es keinen Kontakt mehr. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-osze-vermisst-weiteres-beobachterteam-a-972468.html
Es müssten viel mehr OSZE Teams vor Ort sein und Russland könnte dann auch mehr Einfluss drauf nehmen, dass viel mehr Teams zurückgegeben werden. Also z.B. 6 Teams rein, Russland arrangiert, dass 12 Teams zurückkommen. Das Russland sowas kann, hat es ja schon an der Grenze bewiesen und von 40k Soldaten 100 oder 200 oder eben 300k Soldaten abgezogen. Europa sollte es wie Russland machen und mehr Mut zur Multiplikation wagen!
littlehans 30.05.2014
2. Die werden schon wieder auftauchen
Hätte man nicht nebenher Militärbeobachter geschickt, hätten die OSZE-Beobachter mehr Vertrauen. Zudem... hätte Poroschenko wie angekündigt auf Verhandlungen gesetzt und einen Waffenstillstand ausgerufen, könnten die OSZE-Beobachter besser arbeiten. Stattdessen hat er zum "Vernichtungskrieg" geblasen und die EU bläst mit statt auf Frieden zu bestehen.
radeberger78 30.05.2014
3. Was machen die auch dort ohne
Zitat von sysopREUTERSEin zweites Team der OSZE ist in der Ostukraine verschollen. Die Beobachter sind im Norden der Stadt Luhansk von Bewaffneten gestoppt worden, teilt die Organisation mit - seitdem gibt es keinen Kontakt mehr. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-osze-vermisst-weiteres-beobachterteam-a-972468.html
sich vorher bei den regionalen Machthabern anzumelden?
sound67 30.05.2014
4. Wie soll das gehen?
Wie kann in Zeiten von GPS und Handyortung überhaupt noch jemand "verschollen" sein?
shr00m 30.05.2014
5. Nur so ein Gedanke.
Vielleicht wäre es sinnvoll, OSZE Mitarbeiter nicht in Bürgerkriegsregionen zu entsenden. Die OSZE scheint es mit der Sicherheit ihrer Mitarbeiter anscheinend nicht so genau zu nehmen.
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