Rede bei der Uno-Generaldebatte Poroschenko attackiert Russland - und löst Eklat aus

Moskau giere danach, zu "imperialen Zeiten zurückzukehren": Der ukrainische Präsident hat Russland vor der Uno-Generalversammlung scharf attackiert. Die russische Delegation verließ schon zu Beginn der Rede den Saal.

Poroschenko vor der Uno-Vollversammlung: "Das ist eine Aggression"
DPA

Poroschenko vor der Uno-Vollversammlung: "Das ist eine Aggression"


Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat mit seiner Rede vor der Uno-Vollversammlung einen Eklat ausgelöst. Er warf Russland vor, "mit dem Angriff auf mein Land aggressiv internationales Recht verletzt und die Welt schockiert" zu haben. Obwohl die Uno-Vollversammlung "die Aggression verurteilte, hat Russland die Angriffe sogar noch verstärkt".

8000 Ukrainer, 6000 von ihnen Zivilisten, seien getötet worden, sagte Poroschenko. "Lassen Sie mich klarmachen: Das ist kein Bürgerkrieg und kein interner Konflikt. Das ist eine Aggression." Die russische Delegation hatte schon zu Beginn der Rede den Saal verlassen und nur einen nachrangigen Diplomaten zurückgelassen.

"An unserer Grenze stehen so viele russische Soldaten, dass sie die Armeen der meisten Staaten in den Schatten stellen würden. Und der Grund ist die Gier Moskaus, zu imperialen Zeiten zurückzukehren", sagte Poroschenko. Russland habe vor der Uno vom Kampf gegen Terroristen gesprochen. "Coole Story, aber schwer zu glauben, wenn man selbst Terroristen für seine Ziele einsetzt und Krieg zum Mittel der Diplomatie macht."

Russlands Präsident Putin hatte bei seiner Rede vor der Uno-Vollversammlung eine breite Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorgeschlagen. Nach seinem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama sagte Putin zudem, er schließe Luftangriffe auf den IS in Syrien nicht aus.

Russland wird von der Ukraine als Aggressor in dem Konflikt in der Ostukraine gesehen, hatte allerdings stets Vorwürfe bestritten, die Separatisten mit Waffen und Personal zu unterstützen.

Poroschenko warf Russland in seiner Rede zudem vor, im Kriegsgebiet Ostukraine mobile Krematorien einzusetzen. Damit sollen seinen Worten nach Leichen beseitigt werden. "Um die Weltöffentlichkeit irrezuführen, hat die russische Führung befohlen, Abzeichen und Erkennungsmarken ihrer Soldaten zu entfernen und gefangene Soldaten zurückzulassen", sagte Poroschenko. "Und besonders zynisch ist, dass sie mobile Krematorien verwenden, um die Spuren ihrer Verbrechen auf ukrainischem Boden zu beseitigen."

otr/aar/dpa/AP



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