Ukrainischer Oligarch Poroschenko Ein Schokoladenkönig für das Präsidentenamt

Oligarch Pjotr Poroschenko war Minister im Kabinett des geschassten Staatschefs Janukowitsch, dann schlug er sich auf die Seite der Revolution. Jetzt will der Unternehmer Ukraines neuer Präsident werden.

DPA

Aus Kiew berichtet


Als der Oligarch Pjotr Poroschenko seine Kandidatur verkündet, klingt er ein wenig wie Obama: "Wir müssen neue Sicherheitsbehörden aufbauen, sie sollen die Rechte und Sicherheit jedes Menschen verteidigen". Die Jugend solle stolz sein können auf ihr Land. Er habe sich entschlossen, bei den Präsidentschaftswahlen am 25. Mai anzutreten. Denn: "Die Zeit ist gekommen, dass wir auf neue Art leben", ruft Poroschenko seinen jubelnden Anhängern zu.

Change auf Ukrainisch.

Schon jetzt sind Poroschenkos Aussichten glänzend, in Umfragen führt er mit rund 25 Prozent, seine Erzrivalin Julija Timoschenko kommt gerade einmal auf acht Prozent. Und Poroschenkos Chancen sind noch einmal gestiegen: Vitali Klitschko, in Umfragen bisher meist auf dem zweiten Platz, hat am Samstag seine Kandidatur überraschend zurückgezogen. Er ruft seine Anhänger zur Wahl des Oligarchen auf.

Doch bei aller Aufbruchsrhetorik: Poroschenko, 48, steht nicht für einen radikalen Neuanfang - im Gegenteil. Er ist ein Mann des alten Systems der Ukraine, in dem Reiche Politik machten und Politiker reich wurden. Poroschenko hat in der Vergangenheit immer wieder die Seiten der politischen Lager gewechselt und dabei das Kunststück vollbracht, trotzdem hoch in der Gunst der Bürger zu stehen. Das unterscheidet ihn von anderen Spitzenpolitikern seines Landes.

Timoschenko gilt als fast so korrupt wie der gestürzte Präsident Janukowitsch, Klitschko dagegen als ehrliche Haut. Viele zweifeln aber daran, dass er auch das Rüstzeug mitbringt, seine Ideen umzusetzen.

Vermögen von rund 1,6 Milliarden Dollar

Poroschenko hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Vermögen als Süßigkeitenfabrikant gemacht, ihm gehört die Schokoladen- und Pralinenfabrik Roschen. Das US-Magazin "Forbes" taxiert sein Vermögen auf 1,6 Milliarden Dollar. Das Schokoladengeschäft hat ihm den Spitznamen "Schokoladen-König" eingebracht. Manche nennen ihn auch "Schoko-Hasen", wegen der vielen atemberaubenden Haken, die der Politiker Poroschenko in den vergangenen Jahren geschlagen hat.

Poroschenko war einer der Gründerväter der "Partei der Regionen", dem Wahlverein der ukrainischen Oligarchen. 2004 wollten diese Janukowitsch mit manipulierten Wahlen auf den Präsidentensessel heben, was damals die Orange Revolution auslöste. Der Unternehmer hatte da aber die "Partei der Regionen" bereits verlassen und sich der Opposition angeschlossen. Er finanzierte den Wahlkampf von Janukowitschs Gegner Wiktor Juschtschenko.

Dieser wurde 2005 Präsident, Poroschenko Chef des Nationalen Sicherheitsrates. 2009 führte er für einige Monate das Außenministerium. Ein Jahr später verlor Juschtschenko die Wahlen krachend und zog sich zurück.

Brennholz und Trinkwasser für den Maidan

Der "Schoko-Hase" zog dagegen wieder in ein Kabinett ein, 2012 wurde er Wirtschaftsminister unter Staatschef Janukowitsch. Als Ende November 2013 die Proteste auf dem Maidan im Zentrum von Kiew gegen den Russland-Kurs des Präsidenten aufflammten, unterstützte Poroschenko die Demonstranten: Er ließ Brennholz und Trinkwasser auf den Platz karren und trat dort auf. Der Aufstand, so sagte er damals, markiere die "Geburtsstunde der Nation".

Einen Überblick über ein mögliches Regierungsprogramm hatte Poroschenko schon im Dezember in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE gegeben: harte Wirtschaftsreformen, Reformen des Justizsystems und des Wahlrechts. "In den 22 Jahren unserer Unabhängigkeit sind wir keinen Schritt weitergekommen".

Poroschenkos härteste Gegnerin bei den Präsidentschaftswahlen wird nach Klitschkos Rückzug wohl nun Timoschenko. Ein interessantes Duell: Poroschenko hat zwar die höheren Zustimmungswerte, aber anders als seine Rivalin keine schlagkräftige Partei. Hinzu kommt, dass Timoschenkos Vaterland-Partei die Übergangsregierung kontrolliert.

Den Milliardär und die "Gasprinzessin" verbindet eine jahrelange Feindschaft. Nach dem Sieg der Revolution in Orange traten beide in die Regierung ein. Im Auftrag von Präsident Juschtschenko sollte Poroschenko den Einfluss der machtbewussten Ministerpräsidentin eindämmen. Über den Konflikt zerbrach die orange Koalition. Poroschenko habe "Rotz und Wasser" geheult, hat Timoschenko einmal gespottet.

Druck aus Moskau

Poroschenko will die Ukraine nach Westen führen, Richtung EU: "Das ist ein Weg, um das Land zu modernisieren, die Korruption zu bekämpfen und eine Demokratie aufzubauen", sagt er. Sollte er an seinem Westkurs festhalten, könnte das für ihn als Unternehmer teuer werden: 40 Prozent des Umsatzes mit der Marke Roschen macht Poroschenko, dem auch ein TV-Kanal gehört, in Russland.

Seine Geschäftsinteressen machen ihn anfällig für Druck aus Moskau. Russische Behörden verhängten bereits im vergangenen Jahr einen Import-Stopp für Roschen-Pralinen, Poroschenkos Fabriken in Russland ließen sie schließen. "Wenn das der Preis ist, den wir für die Souveränität und die europäische Zukunft unseres Landes zahlen müssen, dann sind wir dazu bereit", hat Poroschenko im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gesagt.

Daran wird man ihn messen.

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insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
lampenschirm73 29.03.2014
1. Arme Ukraine
eine wahnsinnige Oligarchin, ein Wendehals-Oligarch und ein paar Nazis. Ist das wirklich das beste was dieses Land zu bieten hat?
kalman, 29.03.2014
2. Irgendein Ukrainischer Betrüger
wird am 25.05.2014 die Wahl gewinnen.
habenichts2 29.03.2014
3. Es geht weiter
Was sagte Putin in seiner Rede an die Nation? Richtig! In der Ukraine löste ein Gangster den anderen Gangster ab. Unbd folgt ein weiterer Gabgster. Armes stolzes ukrainisches Volk!
klugscheißer2011 29.03.2014
4. Ein Milliardär und Wendehals
Zitat von sysopDPAOligarch Pjotr Poroschenko war Minister im Kabinett des geschassten Staatschefs Janukowitsch, dann schlug er sich auf die Seite der Revolution. Jetzt will der Unternehmer Ukraines neuer Präsident werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-poroschenko-kandidiert-bei-praesidentschaftswahl-a-961449.html
Er ist ein Wendehals, weiter nichts. Poroschenko hat sich auf die Seite der Putschisten geschlagen, als die Situation für Janukowitsch, für dessen Politik der Schokoladenfürst mitverantwortlich ist, außer Kontrolle geriet. Aber von mir aus, sollen die Ukrainer zum Präsidenten machen, wen sie wollen. Das ist allein ihr Ding! Erst wenn die Wahl gelaufen ist, kann man in Kiew wieder von legitimen Machtverhältnissen sprechen. Bis jetzt unterstützt Deutschland eine Putschregierung mit radikal-nationalen Kräften. Das Beispiel könnte anderswo Schule machen.
ambulans 29.03.2014
5. leutchen,
denkwürdiger tipp meines leider schon längst verblichenen großvaters (gott hab ihn selig!): jungchen, merk dir eins - serotonin ist erheblich besser als testosteron ...
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