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Aufrüstung der Ukraine: Poroschenko schließt Waffendeal mit den Scheichs

Poroschenko in Abu Dhabi: Selfie beim Waffenkauf Fotos
AP

Die USA liefern bisher keine Rüstungsgüter an die Ukraine, nun hat Präsident Poroschenko eine Waffenmesse in Abu Dhabi besucht. Besonderes Interesse zeigten die Ukrainer an Panzerwagen und Präzisionsgeschossen.

Moskau - Die Ukraine hat sich mit den Vereinigten Arabischen Emiraten auf eine enge militärische Zusammenarbeit geeinigt. Präsident Petro Poroschenko unterzeichnete am Rande der Waffenmesse IDEX-2015 in Abu Dhabi ein entsprechendes Dokument. Er sprach davon, dass Rüstungsverträge in Höhe von "Dutzenden Millionen Dollar" unterzeichnet wurden. Dabei soll es um Lieferungen ukrainischer Rüstungsschmieden nach Arabien gehen. Die Einnahmen sollen, so Poroschenko, im Gegenzug dazu dienen, "die Fähigkeiten der ukrainischen Armee zu erhöhen".

Wie verschiedene US-Medien melden, könnte hinter dem Deal der Versuch der Ukraine stecken, sich auf dem Waffenmarkt aufzurüsten. So könnte über den Marktplatz Emirate, traditionell eng mit Washington verbunden, westliches Kriegsgerät an Kiew ausgeliefert werden. Bestätigt ist das aber nicht.

Nach Informationen der russischen Tageszeitung "Kommersant" kam Poroschenko in Abu Dhabi aber auch mit einer hochrangigen US-Delegation zusammen. Unter anderem gab es demnach Gespräche mit Frank Kendall, im US-Verteidigungsministerium zuständig für Waffenbeschaffung.

Während sich Poroschenko zurückhielt, wurde ein anderes Mitglied der ukrainischen Delegation deutlich: "Die Araber haben, anders als Europäer und Amerikaner, keine Angst vor Putins Drohungen, im Fall von Waffenlieferungen an die Ukraine einen dritten Weltkrieg zu entfesseln", so Anton Geraschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums.

Nach schweren militärischen Niederlagen sucht die Ukraine nach möglichen Lieferanten für Militärtechnik. Die Armee ist in desolatem Zustand. Die Ukraine ist zwar selbst ein großer Rüstungsproduzent, hat aber große Defizite bei modernen Militärtechnologien.

Waffen aus Litauen werden schon geliefert

Die USA erwägen deshalb Waffenlieferungen an Kiew. Sie wollen die Schlagkraft der ukrainischen Armee erhöhen, um einen weiteren Vormarsch der von Russland unterstützen "Volksrepubliken" in der Ostukraine zu verhindern. Noch ist dieser umstrittene Schritt allerdings nicht beschlossen. Litauen liefert nach eigenen Angaben bereits Kampfausrüstung an Kiew. Außenminister Linas Linkevicius fordert seit Langem, der Westen müsse endlich "Waffen liefern, nicht nur Helme".

In Abu Dhabi wurde deutlich, welche Militärtechnik die Ukrainer favorisieren: Panzerwagen für Infanterie-Einheiten, Aufklärungsdrohnen sowie Geschosse mit sehr hoher Präzision. Poroschenkos Begleiter Geraschenko postete auf Facebook entsprechende Fotos.

Sein besonderes Augenmerk galt dabei dem Artilleriegeschoss "Excalibur" des US-amerikanischen Konzerns Raython. Es kann Ziele auf 50 Kilometer Distanz mit einer Genauigkeit von zwei Metern Abweichung treffen. Damit könnte man "zum Beispiel den Anführer der Volksrepublik Donezk, Sachartschenko, und all sein Gefolge zu ihren Vorvätern befördern", schrieb Geraschenko auf Facebook.

Mit der Wunschliste nach Washington

Die Niederlage der Ukraine bei Debalzewe in der vergangenen Woche hat die Debatte um Waffenlieferungen des Westens verschärft. Der US-Think-Tank Atlantic Council empfiehlt dem Weißen Haus Militärhilfen in Höhe von drei Milliarden Dollar bis 2017. Außerdem solle Präsident Barack Obama die Lieferung von Aufklärungsdrohnen und Radarsystemen, sicherer Funktechnik sowie von Antipanzerwaffen erwägen, so die Empfehlung.

Mit einer entsprechenden Wunschliste ist der stellvertretende Vorsitzende des Kiewer Parlaments nach Washington gereist. Andrij Parubij ist Nationalist und gilt als einer der Anführer der Hardliner innerhalb der ukrainischen Führung. In den USA will er vor allem über die Lieferung von Javelin-Raketen zur Panzerabwehr verhandeln. In der Frage von Waffenlieferungen sei "das Wort der USA entscheidend", so Parubij. Sollte Obama eine Entscheidung für Waffenlieferungen treffen, würden auch "Kanada und viele andere Führer Europas aktiver der Ukraine helfen".

beb

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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1. Waffenlieferungen
KJB 25.02.2015
Man mag über Waffenlieferungen unterschiedlicher Meinung sein aber in erster Linie geht es im Ukraine Konflikt doch um unterschiedliche Ideologien. Will ich mich nach Westen wenden oder gen Osten. Der Westen bietet auf jeden Fall mehr Freiheiten und Wohlstand als Russland. Russland hat vlt. die Krim und die Ostgebiete der Ukraine erobert, den Rest der Ukraine dadurch aber auf Jahrzehnte als Partner verloren. Das die Ukraine jetzt ihre Militärtechnik aus der Sowjetzeit Rundumerneuern will ist doch nur eine logische Konsequenz darauf das Russland eben kein "Freund" der Ukraine ist, diese seit dem Zerfall der Sowjetunion militärisch aufgerüstet haben während man selbst tatenlos blieb in der Sicherheit das Russland nie Feind werden würde.
2. Das war zu erwarten
jowitt 25.02.2015
Das sich die Ukraine überall, wo möglich um moderne Waffenlieferungen bemüht ist nicht nur zu erwarten, sondern sogar die Pflicht der Ukrainischen Staatsführung. Ich denke, das würde jeder andere Staat an der Stelle der Ukraine auch versuchen. Sie sehen sich einer schier überwältigenden Übermacht entgegen, die schon Teile ihres Territoriums annektiert haben und wollen sich da natürlich wehren können.
3. Pleite aber Waffen kaufen
mirau 25.02.2015
Dieses Land ist Bankrott, kann aber Ungeniert nach Waffen schreien und bekommt sie auch geliefert. Das alles auch mit deutschen Geldern und Krediten. Unglaublich. Die Mächtigen der Ukraine sollten sich lieber darum kümmern ihr marodes Land auf die Beine zu stellen statt sich auf Waffenmessen rumzudrücken und über Aufrüstung zu reden.Die haben wahrlich andere Probleme. Aber die EU und allen voran die Deutschen werden es schon bezahlen.
4.
Der Thannhäuser 25.02.2015
Es sagt viel über die Zustände eines Landes aus, wenn der Präsident des Landes selber zu einer Waffenmesse ins Ausland fahren muß, um dort die Geschäfte zu tätigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Merkel, Gauck oder Obama auch da waren, um Waffen zu kaufen oder verkaufen. Nur wenn man keinen mehr übrig hat, dem man so viel Geld anvertrauen kann, um diese Geschäfte für einen abzuschließen, oder keinen mehr hat, der bei den Geschäftspartnern als halbwegs vertrauenswürdig zu erscheint, muß man da als Präsident selber hinfahren.
5. Eine kluge Entscheidung
spon-facebook-10000012354 25.02.2015
Ich frage mich schon länger, warum die Ukraine nicht in anderen Staaten der Welt Waffen kauft, wenn der Westen ihr das Geld gibt. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind zwar ein wichtiger Verbündeter der USA. Russland wird sich jedoch trotzdem hüten, die Politik der Vereinigten Arabischen Emirate zu kritisieren, die aus ökonomischen, militärischen und ideologischen Gründen gegenüber Russland eine sehr starke Position besitzen.
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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