Ukraine-Konflikt Poroschenko kündigt Gespräche mit Putin an

Die Waffenruhe zwischen der Ukraine und den Separatisten im Osten des Landes ist brüchig, in der Nacht zum Samstag starben erneut fünf Menschen bei Gefechten. Doch Präsident Poroschenko gibt sich optimistisch vor einem Gespräch mit Putin.

Ukraine-Präsident Poroschenko (links), Putin: "Ich bin Optimist"
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Ukraine-Präsident Poroschenko (links), Putin: "Ich bin Optimist"


Berlin - Im Ukraine-Konflikt hat Präsident Petro Poroschenko Gespräche mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin für kommende Woche angekündigt. "Ich erwarte nicht, dass es einfache Verhandlungen werden", sagte Poroschenko am Samstag in Charkow, doch sei er "Optimist".

Bei den Verhandlungen beim europäisch-asiatischen Gipfeltreffen (Asem) in Mailand (16./17. Oktober) solle es sowohl um Frieden in der Ostukraine, als auch um den Gasstreit zwischen Kiew und Moskau gehen, sagte Poroschenko weiter.

Er werde zudem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Regierungschefs Italiens und Großbritanniens, Matteo Renzi und David Cameron, treffen, sagte der 49-Jährige. Eine Bestätigung des Kreml für das neuerliche Treffen gibt es bislang noch nicht. Zuletzt hatte ein Berater Putins allerdings Gespräche nicht ausgeschlossen.

Fünf Tote bei Kämpfen in der Ostukraine

Beide Präsidenten waren zuletzt Ende August zusammengetroffen. Die Gespräche führten am 5. September bei einem Treffen in Minsk zum Abschluss einer Waffenruhe in der Ostukraine. Mit am Verhandlungstisch saßen Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Bei einem weiteren Treffen wurde zudem die Schaffung einer demilitarisierten Pufferzone vereinbart.

Die Waffenruhe in der umkämpften Ostukraine war zuletzt brüchig. Zwar hat sich der Konflikt stark abgeschwächt, doch gibt es weiterhin fast täglich Kämpfe. Sowohl die Armee als auch die prorussischen Separatisten warfen sich gegenseitigen Beschuss in der Nacht zum Samstag vor.

Russland beschuldigte die Ukraine, mit tödlichen Angriffen auf Zivilisten gegen die Feuerpause zu verstoßen. Die Regierungstruppen setzten den Beschuss in Donezk, Luhansk und an anderen Orten fort, sagte der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin in einer vom Außenministerium in Moskau veröffentlichten Rede.

Bei Kämpfen sollen erneut fünf Menschen getötet worden sein. In Donezk starben drei Zivilisten bei Gefechten, weitere Opfer gab es laut Armee- und Behördenangaben in der Region Luhansk und beim Angriff auf einen Konvoi der Grenztruppen. Die Armee teilte mit, ihre Stellungen in den Regionen Donezk und Luhansk seien in der Nacht angegriffen worden.

Die Industriestadt Donezk wird seit Monaten größtenteils von prorussischen Separatisten kontrolliert. Laut den Behörden in Kiew wurden damit seit Anfang September 120 Soldaten und Zivilisten getötet. Die Uno beziffert die Opferzahl auf mehr als 300.

bka/dpa/AFP



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insgesamt 8 Beiträge
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deviet 11.10.2014
1. Da darf man gespannt sein!
Nein, es werden gewiss Vereinbarungen getroffen, die der Stabilisierung der Lage in der Ukraine dienen. Spannend ist die Frage, ist Poroschenko in der Lage diese Vereinbarungen durchzusetzen. Die Verlauf des sogenannten Waffenstillstands lässt anderes vermuten. Besonderes die von den Oligarchen finanzierten Banditen, scheinen sich um nichts zu scheren.
mischamark 11.10.2014
2. Nicht erwähnt
wurde in dem Artikel, dass Poroschenko ostentativ dem gerade zu Ende gegangen exGUS / SNG Gipfel ferngeblieben war, worauf Putin am Gipfel bemerkte, dass P. hiermit eine historische Gelegenheit verpasst hätte. Poroschenko gibt also Putin ganz klar und öffentlich zu verstehen, dass er sich und die Ukraine jetzt definitiv als einen Teil des Westens sieht. Ohne hier irgendwelche Preferenzen zum Besten geben zu wollen, denke ich, dass unter diesen Bedingungen die Gespräche zwischen Poroschenko und Putin recht harzig und unergiebig ausfallen dürften.
DirkSt 11.10.2014
3. Sehr viel Optimismus
... muss Poroschenko haben, sich überhaupt mit Putin zu treffen. Sicher mag miteinander reden ein Weg sein, um Konflikte zu lösen. Einem Putin, der seit Monaten nur noch in Geheimdienst-Agier mit tarnen, täuschen, leugnen und zynischer Verachtung von Völker- und Menschenrecht agiert, könnte ich nicht einmal ins Gesicht schauen, geschweige denn einen direkten Dialog führen. Wie will man sich an einer rationalen Konfliktlösung versuchen, wenn das Gegenüber absolut irrational agiert? Was immer Putin/Russland auf internationaler Ebene seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim zugesagt haben, wurde nicht erfüllt. Warum sollte das jetzt anders sein?
stauss4 12.10.2014
4. Wie kommt er denn auf die Idee?
"Eine Bestätigung des Kreml für das neuerliche Treffen gibt es bislang noch nicht. Zuletzt hatte ein Berater Putins allerdings Gespräche nicht ausgeschlossen." Glaubt er allen Ernstes, das sich ein Präsident einer Weltmacht mir ihm herumschlägt? Und wenn, dann nur, wie Hitler 1938 mit Edvard Beneš bei dem Münchener Abkommen umging. Weil er den nicht umgehen konnte.
kilroy-was-here 12.10.2014
5. Präsident Poroschenko vs. Putin
Wäre es möglich auch Präsident Putin zu sagen? So wie im Artikel oftmals steht klingt das wie eine Herabwürdigung...
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