Vor Ukraine-Gesprächen in Berlin Poroschenko warnt vor russischem Einmarsch

Der Krieg in der Ukraine dauert an, in Berlin will Präsident Poroschenko mit Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef Hollande weitere Schritte beraten. Zuvor warnte er am Unabhängigkeitstag vor einem Angriff durch Russland.

Präsident Poroschenko beim Truppenbesuch in Donezk (Foto vom Juni 2015): Warnung vor russischem Einmarsch
AP

Präsident Poroschenko beim Truppenbesuch in Donezk (Foto vom Juni 2015): Warnung vor russischem Einmarsch


Für die Ukraine ist es ein besonderer Tag: Am heutigen Montag feiert das Land seine Unabhängigkeit von Moskau. Am 24. August 1991 hatte die ehemalige Sowjetrepublik einen eigenständigen Staat ausgerufen. 24 Jahre später und etwa eineinhalb Jahre nach Beginn der Ukrainekrise bangt Kiew um genau diese Souveränität. Die Kämpfe in der von Separatisten besetzten Ostukraine gehen weiter.

Die Führung bleibt bei markigen Worten: Präsident Petro Poroschenko hat wenige Stunden vor seiner Berlin-Reise eindringlich vor einem russischen Einmarsch in sein Land gewarnt. Der Feind verfolge weiter die Idee eines direkten Angriffs auf die Ukraine, sagte Poroschenko in Kiew auf dem Unabhängigkeitsplatz - dem Maidan.

Russland habe an der Grenze zur Ukraine mehr als 50.000 Soldaten stationiert, im Kriegsgebiet Donbass seien 40.000 Kämpfer im Einsatz, darunter 9000 aktive russische Militärangehörige, behauptete Poroschenko. Russland weist solche Vorwürfe zurück.

"Moskau hat den Kämpfern bis zu 500 Panzer, 400 Artilleriesysteme und 950 Schützenpanzer geliefert. Allein in dieser Woche haben drei große Kolonnen unsere Grenze in Richtung Luhansk, Donezk und Debalzewe überschritten", sagte Poroschenko. Er kündigte eine weitere Stärkung des ukrainischen Militärs an. Auf dem Maidan marschierten mehr als 2000 Soldaten von der ostukrainischen Kriegsfront.

Steinmeier will besseres Verhältnis zu Moskau

Am Nachmittag wird Poroschenko von Angela Merkel in Berlin erwartet. Bei den Gesprächen mit der Kanzlerin und dem französischen Präsidenten François Hollande geht es um die friedliche Lösung des blutigen Konflikts im Osten der Ukraine.

Die Aufständischen im Donbass forderten Merkel in einer Meldung der Agentur Interfax auf, Druck auf die ukrainische Führung auszuüben. Deutschland und Frankreich müssten sich als Vermittler dafür einsetzen, dass der im Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarte Friedensplan umgesetzt werde, sagte Separatistenführer Denis Puschilin. Der Konflikt könne nur durch friedlichen Dialog gelöst werden, betonte er.

Das Abkommen sieht unter anderem eine strikte Waffenruhe vor. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte zu den Vereinbarungen: "Von einer echten Lösung sind wir weit entfernt." Trotz der anhaltenden Gewalt dürfe man sich aber nicht entmutigen lassen. Steinmeier kündigte neue Anstrengungen für eine Verbesserung des Verhältnisses zu Russland an. Moskau müsse "über das aktuelle Krisenmanagement hinaus" im Ukrainekonflikt wieder in die internationale Ordnung eingebunden werden, sagte er. Russland sei zur Lösung vieler internationaler Konflikte wichtig. "Es kann eine europäische Friedensordnung am Ende nur mit der Einbindung Russlands geben."

kev/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 329 Beiträge
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Seite 1
derweise 24.08.2015
1. Die Ukraine hat ihre Atomwaffen Rußland übergeben
Dies war ein Fehler historischer Dimension.
christian0061 24.08.2015
2. ohne Russland
werden die Gespräche in Berlin sicher erfogreich und friedensfördernd verlaufen!
politik-nein-danke 24.08.2015
3. Die Ukraine hatte nie Atomwaffen
Zitat von derweiseDies war ein Fehler historischer Dimension.
Die Atomwaffen gehörten der Sowjetunion, der völkerrechtliche Nachfolger ist die russische Förderation, der gehörten somit auch die Atomwaffen.
RPG 24.08.2015
4. Die Ukraine hat noch nie Atomwaffen besessen.
Zitat von derweiseDies war ein Fehler historischer Dimension.
Diese waren nur in der Ukraine stationiert.
cockriot 24.08.2015
5. @mura.88
Warum macht unsere Presse fleißig mit? In dem Artikel wird doch nur zitiert. Das sind ja nicht die Gedanken des Verfassers, sondern die des ukrainischen Präsidenten.
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