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Ukraine-Konflikt: Propaganda-Krieger in Aktion

Ukrainischer Soldat in Kramatorsk: Erobert oder nicht? Zur Großansicht
AP

Ukrainischer Soldat in Kramatorsk: Erobert oder nicht?

Ein Kopfgeld auf russische Agenten. Ein Premier, der angeblich vertrauliche Gespräche mitschneidet: Im Ukraine-Konflikt überbieten sich die Kontrahenten mit geschmacklosen Aktionen und ungeheuerlichen Vorwürfen. Belege braucht es nicht.

Moskau/Kiew - Russlands Präsident Wladimir Putin nutzte seine TV-Fragestunde am Donnerstag, um schwere Vorwürfe gegen Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen zu erheben. Als der noch dänischer Premier war, habe er ein Gespräch mit Putin heimlich mitgeschnitten und die Aufnahme den Medien zugespielt.

Die Nato dementierte umgehend. "Diese Vorwürfe sind absoluter Unsinn." Rasmussen habe nie ein Diktiergerät zu Treffen mit Putin mitgebracht.

Dass Putin nicht zufällig den Nato-Chef mit seinen Anschuldigungen traf, liegt auf der Hand. Das Bündnis hatte Mittwoch angekündigt, seine Truppen in Osteuropa zu verstärken. Es macht Moskau für die Unruhen in der Ukraine verantwortlich und wirft dem Kreml vor, Zehntausende russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine stationiert zu haben.

Doch es geht nicht nur um Kampfjets, Schiffe und Soldaten. Es geht in der Ukraine-Krise auch um die Vormacht in den Medien: Wer dringt mit seiner Botschaft durch, wer trommelt besser für die eigene Sache? Das war schon bei der Krim-Annexion so und setzt sich jetzt intensiv fort. Auch der Auftritt des US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden in Putins Fernsehfragestunde am Donnerstag war Teil der Inszenierung.

Auf der anderen Seite steht nicht nur die Nato, sondern auch die Regierung in Kiew. Am Dienstag etwa verkündete Übergangspräsident Alexander Turtschinow, die Nationalgarde habe die Kontrolle über die Landebahn des Flughafens der Stadt Kramatorsk übernommen. SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Raniah Salloum, die sich vor Ort befand, berichtete dagegen, es seien zwar rund 30 Mitglieder von ukrainischen Sondereinheiten auf dem Flughafen gelandet. Von einer Zurückeroberung des Airports könne jedoch keine Rede sein.

Allein am Donnerstag liefen über die Nachrichtenagenturen zahlreiche Meldungen, die wohl vor allem auf die Stärkung der Moral der eigenen Anhängerschaft zielten.

So gab der ukrainische Geheimdienst bekannt, er halte zehn russische Staatsbürger fest, die "in die Ukraine-Krise verstrickt seien und Erfahrungen in der Geheimdienstarbeit" hätten. Heißt: Man habe russische Agenten festgenommen.

Dazu passte eine Erklärung des ukrainischen Milliardärs Ihor Kolomoysky, der Gouverneur des ukrainischen Gebiets Dnjepropetrowsk ist. Er wolle ein Kopfgeld auf russische Agenten aussetzen, um die Moral der Ukrainer im Kampf gegen Separatisten zu stärken, ließ er bei Facebook wissen. Für jeden festgenommenen und den Behörden übergebenen Söldner zahle der Milliardär 10.000 US-Dollar, umgerechnet rund 7200 Euro. Die Befreiung eines besetzten Verwaltungsgebäudes sei ihm je 200.000 Dollar wert.

Die russische Fluglinie Aeroflot meldete verschärfte Einreisebestimmungen für die Ukraine, die viele Russen verärgern dürften. Laut der Airline würden Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren nur noch in die Ukraine gelassen, wenn sie aus familiären oder beruflichen Gründen einreisen wollten und dies mit Dokumenten belegen könnten. Das Unternehmen beruft sich auf ukrainische Behörden, die sich aber bislang nicht öffentlich dazu geäußert haben.

kgp/dpa/Reuters/AP/AFP

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Auch hier braucht es keine Belege
derandersdenkende 17.04.2014
Zitat von sysopAPEin Kopfgeld auf russische Agenten. Ein Premier, der angeblich vertrauliche Gespräche mitschneidet: Im Ukraine-Konflikt überbieten sich die Kontrahenten mit geschmacklosen Aktionen und ungeheuerlichen Vorwürfen. Belege braucht es nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-propaganda-von-russland-und-kiew-a-965131.html
Diese stören nur die Hetz- und Haßtiraden im einseitigen gleichgeschalteten Propagandakrieg des Westens gegen den Rest der Welt! Zensur heißt hier das Zauberwort und dieses wird repressiv gegen andersdenkende eingesetzt, die etwas Staub in die eintönige Hetze werfen könnten! Im Prinzip ist kein gleichberechtigter Meinungsaustausch in diesem Lande mehr möglich! Und werden auch noch Argumente geliefert, ist eine Zensurquote von 100% Normalität!
2. Das muss man ...
freddygrant 17.04.2014
... sich mal überlegen, ein regionaler Gouverneur - zugleich Wirtschaftsboss und Oligarch - in der Ukraine setzt Kopfgeld gegen russische Staatsangehörige aus. Zu Agenten erklärt er sie dann selbst. Das muss ja wohl schief gehen!
3. Propaganda
juerler@saxonia.net 17.04.2014
Zitat von sysopAPEin Kopfgeld auf russische Agenten. Ein Premier, der angeblich vertrauliche Gespräche mitschneidet: Im Ukraine-Konflikt überbieten sich die Kontrahenten mit geschmacklosen Aktionen und ungeheuerlichen Vorwürfen. Belege braucht es nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-propaganda-von-russland-und-kiew-a-965131.html
ist wie bei SPON nur vorauseilender Gehorsam.Betrifft aber alle deutschen Medien und manche dazu geäußerten Kommentare zur Richtigstellung werden zensiert.
4. Milliardaere
hangul 17.04.2014
wenn es zahlreiche Milliardaire in der Ukraine gibt, wieso benoetigen die dan Geld von der Weltgemeinschaft? Hallo Kolomoiski, Timoschenk und CO?! Fuer wie bloed haltet Ihr den Westen und Russland eigentlich. Bezahlt mal Eure Gasrechnungen, denn das waere ein guter Anfang.
5. Revolution in Zeitlupe
robert.haube 17.04.2014
Die beste Propaganda ist noch immer die der Tat. So haben heute Bürger und Selbstverteidigungskräfte den Flughafen in Donetzk unter ihre Kontrolle gebracht.
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