Ostukraine Prorussische Bewaffnete stürmen Polizeiwache

In der Ostukraine nehmen die Provokationen prorussischer Demonstranten zu. Bewaffnete Männer in Kampfanzügen haben nun auch eine Polizeidirektion in der Stadt Slawjansk belagert. Offenbar erbeuteten sie dabei Hunderte Waffen.


Kiew - In der Ostukraine verschlechtert sich die Lage. Mehrere Männer in Tarnuniformen hätten eine Polizeidirektion in Slawjansk in der Region Donezk gestürmt, teilte Innenminister Arsen Awakow am Samstag mit. Die Demonstranten hätten gut 400 Handfeuerwaffen und gut 20 Automatikwaffen erbeutet, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die ukrainische Polizei. Awakow kündigte eine harte Reaktion des Staates an.

Zuvor hatten prorussische Demonstranten bereits in mehreren ostukrainischen Städten Regierungsgebäude besetzt. Sie fordern ein Referendum über eine Abspaltung der Region, in der viele russischstämmige Bürger leben. Die Entwicklung schürt Sorgen, dass die Regierung in Moskau nach der Halbinsel Krim auch andere Landesteile in die russische Förderation eingliedern könnte.

Russland hat nach Nato-Angaben inzwischen 40.000 Soldaten an der Grenze zusammengezogen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte jedoch am Freitag, sein Land wolle, dass die Ukraine innerhalb ihrer Grenzen als Ganzes erhalten bleibe. Die Eingliederung weiterer Landesteile der Ukraine sei nicht im Interesse Russlands.

Awakow hält sich seit Freitagabend in der Stadt Donezk auf, in der prorussische Demonstranten seit knapp einer Woche öffentliche Gebäude besetzt haben. Ein Ultimatum des Innenministers zur Räumung der besetzten Gebäude, das am Freitag ausgelaufen war, ließen sie verstreichen.

Fotostrecke

9  Bilder
Fotostrecke: Die Besatzer von Donezk

Merkel fordert Einigkeit der EU-Länder im Gasstreit

Beim internationalen Krisentreffen zur Lage in der Ukraine soll in der kommenden Woche auf Wunsch Deutschlands auch der drohende Gasstreit mit Russland zur Sprache kommen. Putin droht damit, der finanziell angeschlagenen Ukraine Gas nur gegen Vorkasse zu liefern - was Auswirkungen auf Europas Versorgung haben könnte. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für Gas aus Russland.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warb für eine einheitliche Haltung der Empfängerländer russischen Erdgases im Fall von Versorgungsproblemen. Sie trete dafür ein, das Thema bei dem Treffen der Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Genf zu besprechen.

Der staatliche ukrainische Gaskonzern Naftogaz kündigte am Samstag an, bis auf weiteres seine Zahlungen für russische Gaslieferungen auszusetzen. Der Staatskonzern Gazprom hatte den Preis zuletzt von 268 auf 485 Dollar pro 1000 Kubikmeter erhöht - mit der Begründung, dass ein zuvor gewährter Rabatt ausgelaufen sei. Kiew hält den Preis für zu hoch und will nachverhandeln.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlangte von Russland vor dem Krisengipfel positive Signale. Das Treffen werde nur etwas bewirken, "wenn Russland eigene Entspannungsbeiträge liefert wie zum Beispiel den weiteren Rückzug von Streitkräften entlang der Grenze", sagte Steinmeier.

ssu/AFP/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 255 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jamguy 12.04.2014
1. unfähig!
Wenn Putin verlangt das die Ukraine ein suveräner Staat sein soll kann es Ihn kaum stören wenn Polizei oder Militär hart gegen prorussische "Terroristen "vor geht oder?
Nevis 12.04.2014
2. Hmmm
Zitat von sysopAPIn der Ost-Ukraine nehmen die Provokationen prorussischer Demonstranten zu. Bewaffnete Männer in Kampfanzügen haben nun auch eine Polizeidirektion in der Stadt Slawiansk besetzt. Kiew fürchtet, dass Russland Teile des Landes abspalten will. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-prorussische-bewaffnete-stuermen-polizeiwache-in-slawiansk-a-964045.html
Als auf dem Maidan gewalttätige Demonstranten gegen eine demokratisch gewählte Regierung vorgegangen sind, nannte man das im Westen "Freiheitskampf." Wenn jetzt andere gegen eine Putsch-Regierung vorgehen, nennt man das "Provokation". Was gilt denn nun?
cirkular 12.04.2014
3. Warum bürgt Deutschland nicht
für die Gaslieferungen an die Ukraine? Wenn die Ulraine nicht bezahlt, muss das Gas sonst abgestellt werden. Das geschieht mit jedem säumigen Gaskunden so.
ditor 12.04.2014
4. Das ist einfach
Zitat von NevisAls auf dem Maidan gewalttätige Demonstranten gegen eine demokratisch gewählte Regierung vorgegangen sind, nannte man das im Westen "Freiheitskampf." Wenn jetzt andere gegen eine Putsch-Regierung vorgehen, nennt man das "Provokation". Was gilt denn nun?
Wer für die Ukraine etwas unternimmt ist im Freiheitskampf, wer gegen sie handelt, zB durch Forderungen neuer Grenzziehungen der provoziert.
r-flection 12.04.2014
5. Farce
Toll finde ioch das ja auch nicht mit den Truppen an der Grenze, aber mir fehlt generell die de-eskalierende Haltung in der ganzen Angelegenheit. Und Russland vorschreiben zu wollen wo es in seinem eigenen Land Truppen stationieren darf und wo nicht geht ja mal gar nicht, man stelle sich mal vor Mexico würde ähnliches gegenüber den USA tun. Wo bleibt die Diplomatie in der Sache? Warum wird von westlicher Seite konstant probiert Russland zu isolieren und Drohungen wie z.B. Sanktionen auszusprechen? Was für 'ne Farce.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.