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Ukraine-Krise: Prorussische Milizen halten US-Journalisten fest

Ponomarew, "Bürgermeister" von Slowjansk: Eine US-Geisel in seiner Hand? Zur Großansicht
AFP

Ponomarew, "Bürgermeister" von Slowjansk: Eine US-Geisel in seiner Hand?

Simon Ostrovsky berichtet seit Wochen von der Ukraine-Krise. Jetzt ist der US-Reporter verschwunden. Er ist offenbar in der Gewalt von prorussischen Milizen.

Slowjansk - Der US-amerikanische Journalist Simon Ostrovsky ist offenbar von prorussischen Separatisten in Slowjansk gekidnappt worden. Das geht aus einer Stellungnahme der Separatisten hervor. Der selbsternannte "Bürgermeister" von Slowjansk, Wyatscheslaw Ponomarew, sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, seine Milizen hielten einen US-amerikanischen Journalisten fest.

Laut einem Bericht der russischen Zeitung "Gazeta" telefonierte Ponomarew während der Pressekonferenz mit den Eltern des Journalisten und teilte ihnen mit, dass es ihrem Sohn gutgehe. Demnach sagte der Separatistenführer, niemand werde als Geisel gehalten, Ostrovsky sei bei ihnen im ukrainischen Geheimdienst (SBU) und arbeite.

Reporter aus der Region berichteten laut der Nachrichtenagentur Reuters, Ostrovsky sei am Montag von bewaffneten Männern festgehalten worden.

Das US-Magazin "Vice News", für das Ostrovsky seit Wochen aus der Ukraine berichtet, nahm auf seiner Website Stellung zum Verschwinden des Journalisten: Der Sender sei um die Sicherheit seines Reporters besorgt und mit US-Behörden in Kontakt.

OSZE fordert Freilassung Ostrovskys

Die Sprecherin des US-Außenamts, Jen Psaki, wollte sich nicht direkt zu den Medienberichten über die Entführung äußern. "Offensichtlich gab es leider eine Reihe von Journalisten, die in den vergangenen Tagen gefangen oder als Geisel genommen wurden. Wir verurteilen Geiselnahmen selbstverständlich", sagte sie.

Die Medienbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Dunja Mijatovic, äußerte sich besorgt über anhaltend negative Berichte über die Situation von Journalisten in der Ukraine: "Ich rufe die Verantwortlichen dazu auf, die Verfolgung und Angriffe auf Journalisten zu unterlassen und sie ihre Arbeit verrichten zu lassen. Simon Ostrovsky muss sofort freigelassen werden", sagte Mijatovic am Dienstag in einer Presseerklärung.

Laut OSZE sollen bereits am Montag drei französische, italienische und weißrussische Journalisten kurzzeitig von Separatisten in Slowjansk festgehalten worden sein.

Aus Slowjansk war am Dienstag bereits von einem weiteren Vorfall berichtet worden. Über der Stadt war ein ukrainisches Militärflugzeug beschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Verletzte gab es nicht. Ein Unbekannter habe offenbar mit einem Maschinengewehr auf das Flugzeug gezielt.

sun/Reuters/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Oh man
Aegir 22.04.2014
Solche Aktionen sind nicht grad super-schlau für ihr Image. Naja, Chaos halt. Hoffentlich kommt Simon Ostrovsky schnell wieder frei, ich habe mir seine Berichte gerne angeschaut. Der Mann hat Mut.
2. sind wir schon bei der Syrisierung der
willibaldus 22.04.2014
Ukraine, oder wir soll man das nennen? Es wurden auch schon einige Sendestationen besetzt und die ukrainischen Sender abgestellt.
3. Danke
killi 22.04.2014
Krisenreporter, für den Durchschnittsbürger nicht einmal ein Begriff. Dabei ist die Berichterstattung nur aufgrund derer gegeben, welche täglich ihr Leben riskieren, um uns die schlechten Seiten der Welt vor augen zu halten. Das Jährlich hunderte Reporter im Dienste der Rede-und Informationsfreiheit ihr Leben verlieren oder mit Traumatas und verstümmelten Körpern heim kehren, wird dem Leser nur bewusst, wenn namhaftere Journalisten mal wieder entführt, an- oder erschossen werden. Wo bleibt der Dank für ihre Arbeit?
4. Die spinnen
Sponposter2 22.04.2014
Diese pro-russischen Separatisten spinnen. Jetzt nehmen die noch Journalisten fest. Die verhalten sich wie Al-Qaida. Sie sollten sofort ihre Waffen niederlegen. Und Russland sollte endlich ein klares Statement abgeben, dass sie die Ukraine in ihren derzeitigen Grenzen anerkennt. Und Russland soll einen Appell an die Separatisten richten, mit dem Unsinn aufzuhören.
5. tja...
ja-sager 22.04.2014
... nach Putins Logik muss dann jetzt die Nato einmarschieren und die freien Journalisten vor terroristischen Nationalsozialisten schützen.... Cheers und Gruß an alle Putin-Versteher....
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