Ostukraine Aufstand der bezahlten Krieger

Die Rebellion in der Ostukraine entwickelt sich zu einem echten Krieg. Immer mehr Söldner kämpfen an der Seite der Separatisten. Kiew warnt die Bürger davor, ihre Häuser zu verlassen.

AFP

Kiew/Washington - Die Region um Slowjansk und Kramatorsk in der Ostukraine wird seit Wochen von heftigen Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Kämpfern erschüttert. Seit Tagen nimmt die Intensität der Auseinandersetzungen zu. Die direkte Einmischung Russlands wird spürbar: Russische und tschetschenische Söldner unterstützen die Separatisten in Donezk; sie kämpfen Seite an Seite mit Ukrainern gegen die Truppen Kiews.

Am Dienstag berichteten die prorussischen Kämpfer von neuen schweren Luftangriffen der ukrainischen Streitkräfte mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern. So sei das Dorf Semjonowka nahe Slowjansk beschossen worden, teilte der Anführer der Aufständischen, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Agentur Interfax mit. Es soll mehrere Tote und Verletzte gegeben haben. Die Kämpfer hätten einen Kampfjet vom Typ Su-25 und einen Hubschrauber abgeschossen, behauptete Ponomarjow. Auf Slowjansk bewege sich eine ukrainische Panzerkolonne zu. Unabhängige Angaben dazu gab es zunächst nicht.

Am Tag zuvor hatten etwa 500 prorussische Kämpfer in einer der bislang größten Offensiven der Separatisten ein Lager ukrainischer Grenzsoldaten am südlichen Stadtrand von Luhansk angegriffen. Dabei wurden nach Regierungsangaben mindestens fünf Aufständische getötet und acht Soldaten verletzt. Bei den Gefechten kamen Scharfschützen, Mörser und Granatwerfer zum Einsatz, sie dauerten den ganzen Tag. Eine gewaltige Explosion erschütterte anschließend das örtliche Hauptquartier der Separatisten.

Obama kündigt Sicherheitsplan für Osteuropa an

Die von der EU und den USA unterstützte Regierung in Kiew setzt damit ihre "Anti-Terror-Operation" gegen die Separatisten mit aller Härte fort. Der Republikchef von Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, weist allerdings die Anschuldigungen zurück, seine Regierung habe Kämpfer in die Ostukraine entsandt. "Ich kann nicht ausschließen, dass dort tschetschenische Freiwillige kämpfen, aber die Berichte über eine tschetschenische Sondereinheit sind absolut unwahr", betonte Kadyrow der Agentur Interfax zufolge.

Zugleich schloss er nicht aus, tschetschenische Kämpfer in die Ukraine zu schicken, wenn Präsident Wladimir Putin das anordnen sollte. "Wenn es einen Befehl gibt, werden wir ihn mit Vergnügen ausführen, denn jeder Kämpfer ist ein Verteidiger seines Volkes, seines Vaterlandes", sagte Kadyrow.

Die US-Regierung wirft Moskau vor, die prorussischen Aufständischen weiterhin intensiv zu unterstützen. "Es gibt Beweise dafür, dass Russland weiter den ungehinderten Fluss von Waffen, Geldern und Kämpfern über seine Grenzen erlaubt", sagte US-Finanzminister Jacob Lew am Montag

US-Präsident Barack Obama kündigte am Dienstag während eines Besuchs in Polen an, angesichts der Krise zwischen dem Westen und Russland einen eine Milliarde Dollar (735 Millionen Euro) schweren US-Sicherheitsplan für Osteuropa aufzulegen. Mit der "Initiative zur Rückversicherung Europas" sollten zusätzliche Boden-, Luft- sowie Marinestreitkräfte der USA für die "neuen Alliierten" in Osteuropa finanziert werden. Die Nato-Verbündeten in Europa rief Obama auf, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

ler/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 430 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
maxderzweite 03.06.2014
1. Man könnte fragen,
wie bescheuert die Menschen sind, in Europa hatten wir schon viele Kriege sogar sehr schlimme, aber anscheinend ist das den meisten entfallen, keiner will mehr Geld für das Militär ausgeben und sollte Putin(was ich nicht glaube) die Nato angreifen(was kompletter blödsinn ist) dann können wir immernoch zurückschlagen...
tobiasl 03.06.2014
2. wie war das nochmal?
Wie viele Soldaten hat Wladimir Wladimirowitsch nochmal in Grenznähe stehen? Mehrere Zehntausend? Die sollten doch problemlos in der Lage sein, die Grenze zu kontrollieren. DAS wäre mal ein echter Schritt Richtung Frieden!
kranich 03.06.2014
3. Beweise?
"Es gibt Beweise dafür, dass Russland weiter den ungehinderten Fluss von Waffen, Geldern und Kämpfern über seine Grenzen erlaubt" So ist es also. Und da die Amerikaner unter keinen Umständen die Russen diskreditieren möchten, werden diese "Beweise" zurückgehalten. Erstaunlich anständig!
schmuellöffelholz 03.06.2014
4. bitteschön ...
... welcher ukrainischer Bauer hat solche Gewehre/Waffen?
Verändert 03.06.2014
5. Beweise
Zitat von kranich"Es gibt Beweise dafür, dass Russland weiter den ungehinderten Fluss von Waffen, Geldern und Kämpfern über seine Grenzen erlaubt" So ist es also. Und da die Amerikaner unter keinen Umständen die Russen diskreditieren möchten, werden diese "Beweise" zurückgehalten. Erstaunlich anständig!
Wie erklären Sie sich dann, dass Tschetschenen mit modernsten russischen LKW, die sonst nur die russische Armee hat, einmal quer durch Russland fahren, mit voller Bewaffnung, und keiner in Russland auf die Idee kommt, die mal anzuhalten ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.