Abstimmungsbetrug Abgeordnete prügeln sich im ukrainischen Parlament

Abgeordnete in der Ukraine haben offenbar ein ganz eigenes Verständnis von politischer Kultur: Mehrere dutzend Parlamentarier von Opposition und Regierung lieferten sich jetzt eine wilde Schlägerei - und verzögerten damit die Wahl von Ministerpräsident Asarow.


Kiew - Mit einer heftigen Prügelei zwischen Mitgliedern der verfeindeten Regierungs- und Oppositionsparteien endete am Donnerstag eine Sitzung des ukrainischen Parlaments. Vertreter der Partei der inhaftierten Ex-Ministerpräsidentin Julija Timoschenko prügelten auf Abgeordnete der regierenden Partei der Regionen ein, wie Fernsehbilder zeigten.

Zuvor hatte es Unstimmigkeiten bei der Wahl des Parlamentspräsidenten gegeben. Laut der Nachrichtenagentur dpa wollten Abgeordnete der Regierungspartei für abwesende Kollegen mit abstimmen. Die Sitzung wurde daraufhin unterbrochen. Die Wiederwahl von Regierungschef Nikolai Asarow, einem Parteifreund des autoritären Präsidenten Wiktor Janukowitsch, wurde zunächst verschoben.

Asarow als Regierungschef wiedergewählt

Später wurde Asarow mit den Stimmen der Regierungsmehrheit für eine weitere Amtszeit gewählt. Der Vertraute von Janukowitsch erhielt in der von Tumulten überschatteten Sitzung 252 Stimmen, wie Medien am Donnerstag berichteten. 226 Stimmen waren erforderlich.

Bereits am Mittwoch hatten sich Vertreter der Opposition im Parlament geprügelt und so einen Abbruch der Sitzung verursacht. Mehrere Oppositionspolitiker hatten auf zwei Parteifreunde eingeschlagen. Sie verdächtigten die beiden, zur Regierungspartei überlaufen zu wollen.

Klitschko hält sich zurück

Schlägereien im Parlament der Ex-Sowjetrepublik sind nichts Neues. Die Parteien von Präsident Janukowitsch und Ex-Ministerpräsidentin Timoschenko sind tief verfeindet. Die Politikerin sitzt seit August 2011 wegen angeblichen Amtsmissbrauchs im Gefängnis. Zuletzt protestierte sie mit einem Hungerstreik gegen die Wiederwahl Janukowitschs.

Boxweltmeister Vitali Klitschko betrachtete die Keilerei zwischen seinen Kollegen von seinem Platz aus. Er hielt sich zurück - nach eigenen Angaben "vorerst". Klitschko ist seit der Parlamentswahl Ende Oktober Mitglied des ukrainischen Abgeordnetenhauses und führt die Fraktion seiner Partei Udar ("Schlag") an.

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Ukraine: Fausthiebe im Parlament

ade/heb/dpa/Reuters/AFP



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