Neujahrsansprachen in Moskau und Kiew Putin nennt Krim-Annexion "Meilenstein der Geschichte"

Der russische Staatschef Putin schwärmt in seiner Neujahrsrede von der Vaterlandsliebe auf der Krim. Einen "Feind" nennt sein ukrainischer Kollege Poroschenko Moskau - und schwört seine Landsleute auf den "patriotischen Krieg" ein.

Ukrainischer Staatschef Poroschenko (l.), Russlands Präsident in Ouistreham (Archiv): Beide sprechen von einem schweren Jahr 2015
DPA

Ukrainischer Staatschef Poroschenko (l.), Russlands Präsident in Ouistreham (Archiv): Beide sprechen von einem schweren Jahr 2015


Moskau/Kiew - Präsident Wladimir Putin hat sich in seiner Neujahrsansprache voller Stolz an die Angliederung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim an Russland erinnert: "Dieses Ereignis wird immer einer der wichtigsten Meilensteine in der vaterländischen Geschichte sein", sagte er. In der Entscheidung der Krim-Bewohner für eine Rückkehr in ihre Heimat habe sich ihre Liebe fürs Vaterland gezeigt.

Das Verhältnis Russlands zum Westen ist durch die Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Krim schwer belastet. Zudem unterstützt Moskau die Separatisten in der Ostukraine, die sich von der Regierung in Kiew lossagen wollen. Seit Monaten gibt es in der Region Kämpfe. Die EU und die USA verhängten Sanktionen, die eine heftige Wirtschaftskrise in Russland verstärkten.

Putin, der seit 15 Jahren in Russland an der Macht ist, nutzte seine gut drei Minuten lange Rede, um seine Landsleute auf ein hartes 2015 einzustimmen: "Das Jahr wird so, wie wir es selbst machen, wie effektiv, kreativ und wirkungsvoll sich jeder von uns einsetzen wird."

Neujahrsgrüße von Putin an Merkel und Obama

Parallel zu der Neujahrsansprache schickte er Neujahrsgrüße unter anderem an Kanzlerin Angela Merkel. Der russische Staatschef hoffe auf eine Fortsetzung der konstruktiven Zusammenarbeit mit Deutschland, teilte der Kreml mit. Auch US-Präsident Barack Obama und zahlreiche ausländische Politiker hätten Neujahrsgrüße von Putin erhalten - dies wurde von Beobachtern als Zeichen des guten Willens gewertet.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und eine Reihe osteuropäischer Politiker wurden vom Kreml nicht erwähnt. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hatte zuvor gemeldet, dass er auch eine Neujahrsbotschaft bekomme habe.

"Die Gerechtigkeit ist auf unserer Seite"

Poroschenko gab sich in seiner Neujahrsrede kämpferisch: An die Adresse Moskaus gerichtet sagte der Staatschef, der "Feind" habe das Leben, das Territorium, die Freiheit und die Unabhängigkeit der Ukrainer "gefährdet". Jedoch werde die Ukraine "diesen patriotischen Krieg gewinnen".

"Die Gerechtigkeit ist auf unserer Seite", sagte Poroschenko. Seinen Landsleuten wünschte er einen "dauerhaften Frieden". 2015 werde "kein einfaches Jahr". Er beschwor den Westkurs seines Landes, der von Moskau kritisch beobachtet wird. Der ukrainische Präsident kündigte eine spürbare Annäherung seines vom Krieg gezeichneten Landes an die Europäische Union an.

Auf die umstrittenen Pläne der ukrainischen Regierung, Mitglied der Nato zu werden, ging Poroschenko nicht ein.

heb/dpa/AFP



insgesamt 24 Beiträge
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n.nixdorff 01.01.2015
1. In der Tat,
die widerrechtliche Annexion der Krim ist ein wichtiger Meilenstein in der russischen und europäischen Geschichte. Es ist die Verabschiedung Russlands aus der europäischen Familie und kann der Beginn des neuen Kalten Krieges sein. Es ist aber auch ein Meilenstein der Hoffnung. Der EU ist bewusst geworden, dass sie mehr als ein Wirtschaftsverbund ist, dass sie eine Wertegemeinschaft ist. Solange wir in unserer direkten Nachbarschaft einen Rüpel haben, der seine Nachbarn nicht in Ruhe lässt, müssen wir die Sanktionen mindestens aufrechterhalten. Putin tut gut daran, seine Bevölkerung auf ein hartes 2015 einzustimmen. Der Ölpreis bleibt hoffentlich noch recht lange auf niedrigem Niveau und dann wird in Russland gespart. Wo? Natürlich bei den Armen und im Sozialbereich, wie überall wenn es knapp wird. Das wird hart. Falls die Republikaner die Wahlen in den USA gewinnen, wird auch für Putin eine harte Zeit beginnen. Warten wir mal ab, wie lange der Mann seine Nachbarn noch belästigen kann. Ich bin guter Hoffnung, dass der Spuk bald vorüber ist und Putin als das was er ist in die russische Geschichte eingeht: Ein vorübergehender Rückfall in sowjetische Zeiten, der Russland nur Geld und Ansehen gekostet hat. Ein frohes Neues Jahr 2015!
annetteseliger 01.01.2015
2. Das war eine gute Neujahr Ansprache
und hat noch einmal klar zum Ausdruck gebracht, dass es die Menschen auf der Krim waren, die sich in einer demokratischen Abstimmung für den Anschluss an Russland entschieden. Es ist das freie Recht der Völker zu entscheiden wo und mit wem sie leben möchten. Es war eine richtige Entscheidung auch unter geostrategischer Bedeutung, denn auf der Krim ist ein sehr wichtiger Flottenstützpunkt für die Schwarzmeerflotte und bei dem Putsch in Kiew gegen die Janukowitsch Regierung war es nicht auszuschliessen, dass demnächst die Nato Einzug auf der Krim hält. Die Krim ist befriedet und die Menschen dort haben die richtige Entscheidung getroffen.
uhrentoaster 01.01.2015
3. Geschichte
Ein Meilenstein der Geschichte war der Einschlag eines Himmelskörpers, der die Dinosaurier auslöscht hat. Alles andere sind Kindergartenspielchen.
lampropeltis 01.01.2015
4.
Wo bitte war das denn eine demokratische Abstimmung? In was für einem Paralleluniversum leben Sie denn?
SLCentral 01.01.2015
5. Habe das nie verstanden,
wie man Putins Spielchen gut heißen kann. Das Referendum auf der Krim war genau so fair wie die Wahlen in der DDR. Na ja, aber das müssen die Leute mit sich selbst ausmachen, welche hier den Putin so loben. Als gebürtiger Ukrainer weiß ich, dass von 40 Millionen Ukrainer mindestens 38 bis zum letzten Mann für ihre Heimat und ihr Land im Osten stehen werden. Der Putin weiß auch, dass es kein kleines Georgien oder Tschetschenien ist mit gerade mal 2 Millionen Einwohnern. Er hat das ganze auf lange Sicht vorbereitet und im schwierigsten Moment für die Ukraine zugeschlagen. Doch nun ist der Überaschungseffekt hin. In der Restukraine wird er kein leichtes Spiel haben. Für 0,8 Millionen Tschetschenen hat er immerhin über 10 Jahre gebraucht. Übrigens in Russland stehen bis zu 10 Jahren Haft für Separatismus und in Teschetschenien werden bis heute die Häuser der Familien der Unabhängigkeitskämpfer dem Boden gleich gemacht und diese werden aus ihrer Heimat vertrieben. USA macht nicht alles toll, aber aus diesem Grund Russland auf ein Podest zu erheben ist mehr als blauäugig.
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