Russische Attacke Putin nennt ukrainische Armee Fremdenlegion der Nato

Der Ton zwischen Russland und dem Westen verschärft sich weiter. Präsident Putin bezeichnete die ukrainische Armee als verlängerten Arm der Nato. Allianz-Chef Stoltenberg wies die Vorwürfe als Blödsinn zurück.

Wladimir Putin: Attacken gegen die Nato
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Wladimir Putin: Attacken gegen die Nato


St.Petersburg - Nach dem Raketenangriff auf die Hafenstadt Mariupol wird die Atmosphäre zwischen dem Kreml und dem westlichen Verteidigungsbündnis immer brenzliger. Russlands Präsident Wladimir Putin startete am Montag eine Verbalattacke gegen die Nato. Dabei bezeichnete er die ukrainische Armee als verlängerten Arm des Bündnisses. Das Militär des Nachbarlandes sei "keine Armee, sondern eine Fremdenlegion, in diesem Fall die Fremdenlegion der Nato", sagte Putin in St. Petersburg.

Die ukrainischen Streitkräfte dienten "natürlich nicht den nationalen Interessen der Ukraine". Ziel der Nato sei es, "Russland in Schach zu halten". Dies wiederum diene "nicht den nationalen Interessen des ukrainischen Volkes".

Nato-Chef Jens Stoltenberg wies die Vorwürfe zurück. Er sprach von Blödsinn. In der Ukraine befinde sich keine Nato-Legion. "Die ausländischen Kräfte in der Ukraine sind russisch", führt er weiter aus. Das sei das Problem. "Außerdem versorgt Russland die Separatisten mit Ausrüstung."

Die Nato setzte noch für Montag ein außerordentliches Treffen der Ukraine-Kommission der Allianz an. Das Treffen auf Botschafterebene sei auf Antrag der Ukraine und "angesichts der Lage in der Ostukraine" einberufen worden, teilte ein Nato-Vertreter mit. Die Ukraine-Kommission war im Jahr 1997 eingerichtet worden, nachdem das Land Nato-Partner geworden war.

Stoltenberg will im Hauptquartier der Allianz zudem Gespräche mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini führen. Hintergrund sind die jüngsten Forderungen nach schärferen Sanktionen gegen Russland. Stoltenberg hatte Moskau zuletzt aufgefordert, "die Destabilisierung der Ukraine zu stoppen" und seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten.

Laut Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hängt in der Frage neuer Sanktionen "viel" von der Entwicklung der Lage bis zum Treffen der EU-Außenminister am Donnerstag ab. Niemand sei "blind ehrgeizig, sich in Brüssel zu treffen, um Sanktionen zu verhängen", sagte er am Montag. Ziel sei vielmehr, "dass die Kampfhandlungen endlich beendet werden, dass eine Waffenruhe tatsächlich eingehalten wird". "Ein Angriff oder gar eine Offensive" in Richtung Mariupol und darüber hinaus wäre aber "eine qualitative Veränderung der Situation, die uns auch reagieren lassen muss", warnte Steinmeier.

Die prorussischen Separatisten hatten am Samstag eine Offensive zur Eroberung der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine verkündet. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt waren zuvor mindestens 30 Menschen getötet und fast hundert weitere verletzt worden. Die Rebellen bestritten eine Verantwortung für den Angriff.

ler/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Immanuel_Goldstein 26.01.2015
1. Meine (noch) grundgesetzlich garantierte Meinung:
Die Ukraine ist ein völkerrechtlich von der ganzen Welt anerkannter Staat und unterhält eine reguläre Armee, die vom Parlament und von der Regierung kontrolliert und eingesetzt wird. Demnach irrlichtert Putin faktisch im Nebel umher, wenn er die ukrainische Armee als etwas anderes bezeichnet. Man kann sich schon fragen, ob hier noch Zurechnungsfähigkeit vorliegt.
maximilianhoffahrt 26.01.2015
2. aha...
... anscheinend sind die Sanktionen noch nicht hart genug !
laffleur 26.01.2015
3.
Mal abgesehen davon, dass es keine Anzeichen für NATO/US Soldaten in der Ukraine gibt, frage ich mich: Welche Interessen vertreten die Separatisten? Welches Land unterstützt die Separatisten mit Waffen, Taktik, Personal, Soldaten, Politik (z.b. UN Entscheidungen) und macht diese folglich zu einer Fremdenlegion? Man muss sich um den Geisteszustand Putin´s so langsam aber sicher wirklich Gedanken machen.
Kosmopolit08 26.01.2015
4. Wirre Argumentation
Bis vor einigen Wochen hat Russland noch behauptet, nicht aktiv im Ukraine Konflikt involviert zu sein. Jetzt behauptet Putin die ukrainische Armee wäre eine Söldnertruppe, die Russland (auf ukrainischem Boden?) in Schach halten soll. Entweder Putin leidet unter totalem Realitätsverlust und sieht die Ukraine tatsächlich bereits als Teil Russlands oder der Mann ist einfach nur ein paranoider Psychopath.
Immanuel_Goldstein 26.01.2015
5.
Ich finde es äußerst bedenklich, dass Putin mit seiner Rabulistik einen völkerrechtswidrigen Großangriff auf die ukrainische Stadt Mariupol rechtfertigen will, in der quasi ausschließlich Ukrainer leben und deren Bürger friedlich in der Ukraine leben wollen. Wird diese bisher friedliche Stadt mit russischer Hilfe angegriffen, dann hat Putin vermutlich die Rote Linie ein weiteres Mal überschritten. Es gibt dort auch niemanden, der Russland beitreten will.
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