Treffen in Minsk Putin und Poroschenko beteuern friedliche Absichten

Zum ersten Mal seit Juni haben sich die Präsidenten von Russland und der Ukraine persönlich getroffen. Beim Gipfel in Minsk erklären beide ihre Dialogbereitschaft. Doch die Realität sieht nicht danach aus.


Minsk - Auf dieses Händeschütteln mussten Beobachter lange warten. Der russische Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko sind erstmals seit Monaten zu einem direkten Treffen zusammengekommen. Zum Auftakt eines Gipfeltreffens der Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion mit EU-Vertretern in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gaben sich die beiden Präsidenten am Dienstag die Hände. Sie blickten sich dabei fest in die Augen und lächelten höflich dazu. Zuletzt hatten Putin und Poroschenko einander Anfang Juni in Frankreich bei den Gedenkfeiern für die alliierte Landung in der Normandie getroffen.

Poroschenko warb erneut für seinen Friedensplan. "Bei diesem Treffen in Minsk wird das Schicksal der Welt und Europas entschieden", sagte Poroschenko vor dem Beginn der Sitzung. Dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sagte er: "Die Priorität ist Frieden." Er rief russischen Agenturen zufolge die Mitglieder der Eurasischen Zollunion - Russland, Weißrussland und Kasachstan - auf, sich an einer Geberkonferenz für die notleidende Ostukraine zu beteiligen. Beobachtern zufolge vermieden Poroschenko und Putin gegenseitige Schuldzuweisungen.

Auch Putin unterstrich, der Konflikt lasse sich nur mit friedlichen Mitteln lösen. Moskau sei zu einem weiteren Dialog über die Krise in der Ostukraine bereit, sagte er russischen Agenturen zufolge. An dem Treffen nahm auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teil.

Poroschenko stellte am späten Nachmittag klar, dass sich beide bisher lediglich im Rahmen des Wirtschaftsgipfels gesehen hätten. Ein bilaterales Treffen habe es noch nicht gegeben.

Russische Soldaten in ukrainischer Gefangenschaft

Der von Moskau ins Leben gerufenen Eurasischen Wirtschaftsunion gehören Russland, Weißrussland und Kasachstan an. Die Ukraine hat sich dagegen seit dem Sturz des prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Ende Februar verstärkt der Europäischen Union zugewandt.

Überschattet wurde das Treffen in Minsk von schweren Gefechten in der Ostukraine und der Gefangennahme zehn russischer Soldaten. In einem im ukrainischen Fernsehen gezeigten Video gab ein Soldat zu, mit seiner Kolonne die Grenze zur Ukraine überquert zu haben. Moskau sprach von einem Versehen.

Nahe der Küstenstadt Nowoasowsk im Südosten gab es am Dienstag laut der ukrainischen Armee heftige Kämpfe mit "russischen Söldnern". Armee und Aufständische berichteten von Hunderten Toten innerhalb von nur 24 Stunden im Krisengebiet.

ler/AFP/dpa

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
tg923 26.08.2014
1. Der Gesichtsausdruck....
von Nasarbajew spiegelt sicher am besten wieder, was dieser Händedruck wert ist.
kuac 26.08.2014
2.
Warum verhandelt Putin eigentlich fuer die Separatisten? Müssen sie nicht selbst mit Poroschenko verhandeln?
AlbertKnox 26.08.2014
3. Nowoasowsk
Wurde nicht gerade erst die Eroberung von Donezk und Lugansk angekündigt? Wieso wird jetzt in Nowoasowsk am Asowschen Meer gekämpft? Ich würde mir mehr aktuelle Infos über die Lage wünschen. Die Auswahl der berichtenswerten Ereignisse scheint mir etwas selekiv.
mundi 26.08.2014
4. Föderation in der Ukraine überfällig
Ich glaube nicht an eine Einigkeit der Ukrainischen Gesellschaft. Sie wird nicht von dauer sein. Die Ukraine ist ein geografisches Gebilde - etwa wie die Alpen, also die Alpenrepublik, wo viele Völker und Stämme in unterschiedlichen Ländern leben. Es gab nach Ende des 1. Weltkrieges knapp 2 Jahre eine Republik Ukraine. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden der aktuellen Sowjetukraine nach strategischen Gesichtspunkten Teile Polens, Russlands und Rumäniens zugeschlagen. Die heutige Ukraine ist ein Vielvölkerstaat wie das frühere Jugoslawien. Jugoslawien zerfiel mit westlicher Unterstützung und es begann ein Bürgerkrieg. Noch heute müssen NATO-Truppen dort bleiben, um weiteres Morden zu verhindern. Warum kann man auf dem Gebiet der heutigen Ukraine keine friedliche Gebietsreform machen? Hat man aus der Jugoslawiengeschichte nicht gelernt?
diegorivera 26.08.2014
5. Wer
lügt wohl? http://de.ria.ru/zeitungen/20140819/269332145.html
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