Marodes Militär: Bürger sollen Kiews Armee mit Spenden aufpäppeln

Militärbasis in Mariupol im Osten der Ukraine: Kleinspenden für Kriegsgerät Zur Großansicht
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Militärbasis in Mariupol im Osten der Ukraine: Kleinspenden für Kriegsgerät

Einst verfügte die Ukraine über eine mächtige Streitmacht. Jetzt kann sie nicht einmal mehr das eigene Territorium kontrollieren; die Lage im Osten ist prekär. Die Regierung hat die Bevölkerung um Spenden gebeten - mit mäßigem Erfolg.

Kiew - Die Lage im Osten der Ukraine ist zunehmend gespannt: Nach dem Scharmützel an einer Straßensperre nahe Slowjansk, bei dem es mindestens einen Toten gab, hat der Anführer der prorussischen Milizen die Regierung in Moskau gebeten, Truppen zu schicken. "Man tötet unsere Brüder. Nur Russland kann die Stadt schützen", sagte Wyatscheslaw Ponomarew laut dem Radiosender Stimme Russlands.

Dabei bietet die ukrainische Armee eigentlich wenig Anlass, sie zu fürchten - ihr Zustand ist mehr als desolat. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge ist ihre Ausrüstung derart prekär, dass das Verteidigungsministerium die Bürger des Landes bereits vor Wochen zu Spenden aufrief.

Und die Ukrainer kamen dem Bericht zufolge der Aufforderung nach: Bürger versorgten Feldlager der Armee mit Essen und Getränken. Kinder verkauften Selbstgebackenes, um die Erlöse zu spenden. Bürgerinitiativen organisierten Sammlungen von Schuhen, Kleidung und Konserven.

Bis zum Freitag kamen demnach laut dem Verteidigungsministerium in Kiew neun Millionen Dollar durch die Spenden von Firmen und Einzelpersonen zusammen, davon zwei Millionen über eine Spendenhotline für Mobiltelefone.

Hochburg der Selbstbedienung in einem korrupten Land

Das entspricht einem Tropfen auf dem heißen Stein. Denn allein im vergangenen Jahr hat die Ukraine dem Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge insgesamt 5,3 Milliarden Dollar für das Militär ausgegeben, mehr als das 500-fache der nun eingesammelten Spenden. Und dennoch viel zu wenig: Die Zeitung stellt dieser Summe das Militärbudget von Schweden entgegen, das nur ein Fünftel der Einwohner der Ukraine hat - es betrug 6,5 Milliarden Dollar.

Doch weitaus verheerender für die Ausstattung der ukrainischen Armee dürfte sich nicht die Unterfinanzierung an sich ausgewirkt haben - sondern die Tatsache, dass von dem wenigen Geld noch weniger in die Ausrüstung gesteckt wurde. Die Ukraine gilt ohnehin als hochgradig korruptes Land, doch die Armee scheint selbst in diesem Umfeld eine Hochburg der Selbstbedienung zu sein.

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Angriff in der Ostukraine: Schießerei bei Slowjansk
Die "Washington Post" zitiert Vizeregierungschef Witalij Jarema: Eine Untersuchung habe kürzlich ergeben, dass in einem bestimmten Rüstungsbetrieb 81 von 100 Dollar abgezweigt worden seien. "Wenn das gestohlene Geld für die Modernisierung der Armee genutzt worden wäre, hätten wir jetzt kein Problem", sagt Jarema.

Die Folgen dieses jahrelangen Raubbaus am Militär bekommen die Ukrainer in den aktuellen Spannungen mit Russland vor Augen geführt. Dabei hört die Misere offenbar nicht damit auf, dass die Ukraine zumeist noch über veraltetes, verrostetes Kriegsgerät aus Sowjetzeiten verfügt - es fehlt an noch weit grundlegenderen Dingen.

Befehle kommen nicht an den Einsatzort

So stockte Kiews Mobilmachung während der Krim-Krise unter anderem auch deshalb, weil die Tanks der rund tausend Kampfpanzer leer waren. Erst mit der Spende eines Oligarchen konnte Diesel gekauft werden. Und Andrij Parubij, Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, berichtet, in der Krim-Krise seien in Kiew zwar Entscheidung gefällt worden - aber es hätten keine Kommunikationseinrichtungen existiert, die die Befehle an den Einsatzort übermitteln hätten können.

Außer der marode ausgerüsteten Armee haben zudem noch Fehlentscheidungen der neuen Kiewer Führung und alte Seilschaften etwa zum russischen Geheimdienst dazu geführt, dass die Ukraine derzeit fast wehrlos erscheint. Nachdem Polizei- und Armeeverbände in den vergangenen Tagen zu den prorussischen Milizen übergelaufen waren, wirkte die Verkündung einer Osterruhe - also dem Aussetzen des sogenannten Anti-Terror-Kampfes im Osten des Landes - eher unfreiwillig komisch.

Umso bedrohlicher müssen der Regierung in Kiew daher die aktuellen Entwicklungen im Osten vorkommen. Nach dem tödlichen Zwischenfall an einer Straßensperre bei Slowjansk fordert der selbsternannte "Bürgermeister" und prorussische Milizenchef Ponomarew Russland auf, Truppen oder wenigstens Waffen für den Kampf gegen das ukrainische Militär zu schicken.

Russland noch ohne Reaktion auf Ruf nach Truppen

Einige Beobachter vermuten eine prorussische Inszenierung hinter dem Zwischenfall und stützen das darauf, dass das russische Staatsfernsehen und Kreml-nahe Medien als erste über die Schießerei berichtet hatten. Der Vorfall, so der Verdacht, könne Russlands Präsident Wladimir Putin den Vorwand geben, in den Osten der Ukraine zu marschieren.

Die gerade einmal drei Tage alte Genfer Einigung zwischen den USA, der EU, Russland und der Ukraine, die illegal bewaffneten Gruppierungen zu entwaffnen und besetzte öffentliche Gebäude freizugeben, wäre dann Makulatur. Das russische Außenministerium reagierte auf die Schießerei am Sonntag mit Vorwürfen in Richtung Kiew. Der dortigen Führung mangele es am Willen, "Nationalisten und Extremisten im Zaum zu halten und zu entwaffnen".

Allerdings habe die russische Regierung noch nicht auf die Bitte um Truppen und Waffen reagiert, sagte Milizenchef Ponomarew am Sonntagnachmittag. In Kiew dürfte das nur für wenig Beruhigung sorgen.

fdi

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1. nur zur Info
derbadener 20.04.2014
die Spenden schon seit Wochen 5 hryvna
2. Letztgültiges Statement
a.j.q. 20.04.2014
Es wäre besser die geographischen Grenzen Europas neu zu ziehen als diesen Bandidenstaat auch nur zu assoziieren. Gebt den Russen €10Mrd. pauschal, sollen die den eisernen Besen schwingen ... oder nicht.
3. Das sind doch Kriegstreiber
Andreas B 20.04.2014
Zitat von sysopAFPEinst verfügte die Ukraine über eine mächtige Streitmacht. Jetzt kann sie nicht einmal mehr das eigene Territorium kontrollieren; die Lage im Osten ist prekär. Die Regierung hat die Bevölkerung um Spenden gebeten - mit mäßigem Erfolg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-regierung-will-marodes-militaer-durch-buerger-spenden-aufruesten-a-965363.html
Kluger wäre das Geld für das Erdgas zusammenlegen. Wenn wegen Ukraine in Deutschland Engpässe geben sollte wird Russland beschuldigt.
4.
donnerfalke 20.04.2014
Wo sind denn 5 Milliarden Dollar die USA dort versenkt hat? Für die Kohle können sie sich locker eine Atombombe leisten. Timoschenko hatte in ihrem Telefongespräch deren Einsatz erwähnt.
5. Aber das Pentagon bezahlt doch schon Timoschenkos "National Garde"
topodoro 20.04.2014
Zitat von a.j.q.Es wäre besser die geographischen Grenzen Europas neu zu ziehen als diesen Bandidenstaat auch nur zu assoziieren. Gebt den Russen €10Mrd. pauschal, sollen die den eisernen Besen schwingen ... oder nicht.
Seit Ende März fliessen die Gelder und mehr. John Kirby vom Pentagon: ..."I can tell you that the rations, the meals ready-to-eat, they are on the way. We expect them to arrive in Ukraine probably by the weekend is the best estimate. They're going overland. And so that's -- that's on the way. The other types of assistance they have requested in terms of in the non-lethal category are still being reviewed."... Warum wohl wird darüber nicht berichtet ? Warum wohl ? Er hat das doch ganz offen beim Press Briefing am 27. März 2014 gesagt. Hat da unsere Presse geschlafen ? Oder sollen wir das nicht wissen ?
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