Zwischenfälle über der Nordsee Russische Langstreckenbomber testen Nato-Luftabwehr

Zwei russische Bomber haben die Luftabwehr mehrerer Nato-Staaten alarmiert. Ähnliche Vorfälle gibt es seit Jahren, doch europäische Militärs gehen davon aus, dass Moskau die Reaktionsfähigkeiten wegen der Ukraine-Krise verstärkt testet.

REUTERS/ Defense Ministry of Japan

Den Haag/London - Zwei russische Langstreckenbomber haben Abfangjäger der Nato in Alarmbereitschaft versetzt. Die Maschinen vom Typ Tupolew Tu-95 näherten sich über der Nordsee den Lufträumen der Niederlande und Großbritanniens.

Daraufhin seien zwei F-16-Jets vom Luftwaffenstützpunkt Volkel aufgestiegen und hätten die russischen Flugzeuge eskortiert, "um sicherzustellen, dass sie unseren Luftraum verlassen", so Ter Horst. Auch dänische und britische Abfangjäger seien an dem Einsatz beteiligt gewesen.

Auch nördlich von Schottland näherten sich russische Tu-95 dem britischen Luftraum. Daraufhin seien zwei "Typhoon"-Jets von der Militärbasis Leuchars aufgestiegen. "Die russischen Militärflugzeuge blieben die ganze Zeit in internationalem Luftraum, wozu sie auch das Recht haben", teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in London mit.

Russisches Kriegsschiff alarmiert britischen Zerstörer

Die Regierungen der Niederlande und Großbritanniens teilten mit, dass es ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben habe - nach Angaben aus Den Haag zuletzt am 10. September 2013 und am 21. März dieses Jahres. Militärexperten gehen davon aus, dass die russische Armee mit diesen Manövern die Reaktionszeiten und Fähigkeiten der Nato-Luftverteidigung testet. Hochrangige Kommandeure gehen laut "Telegraph" davon aus, dass sich diese Vorfälle häufen werden, sollte die Ukraine-Krise andauern.

"Die jüngsten Ereignisse haben die Aufmerksamkeit gegenüber russischen Militärmanövern erhöht", sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond. "Aber wir haben schon immer regelmäßig russische Flugzeuge und Schiffe identifiziert, abgefangen und eskortiert."

Ebenfalls am Mittwoch beorderte die britische Marine den Zerstörer HMS "Dragon" aus dem Hafen von Portsmouth um das russische Kriegsschiff "Vizeadmiral Kulakow" zu eskortieren. Der Zerstörer hatte sich zuvor britischen Hoheitsgewässern genähert.

In der nächsten Woche will Großbritannien vier "Typhoon"-Jets - in Deutschland als Eurofighter bekannt - nach Litauen entsenden. Dadurch soll die Nato-Luftabwehr im Baltikum verstärkt werden. Außerdem sollen vier dänische F-16-Jets in Estland stationiert werden. Nach Angaben der Regierung in Vilnius sollen sich russische Jets inzwischen im Wochentakt dem litauischen Luftraum so nähern, dass Abfangjäger aufsteigen müssen.

Üblicherweise hat die Nato vier Flugzeuge für die Überwachung in den baltischen Staaten, ab kommender Woche sind es damit zwölf Jets. Das Militärbündnis reagiert damit auf die russische Annexion der Krim und die Politik des Kreml gegenüber der Ukraine.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die russischen Bomber seien nach Angaben des Majors Wilko Ter Horst eine halbe Meile in den niederländischen Luftraum eingedrungen. Das hatte der US-Sender CNN berichtet, es stimmt aber offenbar nicht. Wir haben die entsprechende Passage entfernt und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

syd

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spon-facebook-10000457437 24.04.2014
1. NATO Codename
Bomber dieses Typs, testen die NATO-Luftabwehr schon seit über 30 Jahren. Der Konflikt um die Ukraine (unabhängig von der Wertung der Geschehnisse), sollte jedem klar machen, dass wir (und damit meine ich auch Deutschland!) ein angemessenes Budget für die Verteidigung brauchen und dort nicht nur immer kürzen sollten! V.d. Leyen hat als erste Amtshandlung 40 "Eurofighter" abbestellt. Von einmal geplanten über 300, wird die Luftwaffe nur 140 haben. Manche Leute meinen, dass wir gar keine Luftwaffe/Armee brauchen. Weltfremd!
o-sensei 24.04.2014
2. Das alte Spiel
Wie damals, als die DDR noch existierte, werden die alten Tricks wieder seitens Ost und und West herausgeholt. Die in der DDR stationierten russischen MIG stiegen immer wieder auf in ca.18000 Meter Höhe und überflogen unser Hoheitsgebiet. Das löste in der Nato-Leitstelle Goch jedesmal einen Alarm aus. Die russischen Piloten wussten ganz genau, wie lange die westlichen Kampfflugzeuge brauchten, um in ihre Nähe zu gelangen. Deswegen machten sie etwa in Höhe Münster eine 180Grad Kehrtwende und donnerten zurück in Richtung DDR. Also kein Grund zur Panik, das sind alles nur taktische Spielchen, die auch für beide Seiten einen gewissen Übungseffekt haben.
Olaf 24.04.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSZwei russische Bomber haben die Luftabwehr mehrerer Nato-Staaten alarmiert. Ähnliche Vorfälle gibt es seit Jahren, doch europäische Militärs gehen davon aus, dass Moskau die Reaktionsfähigkeiten wegen der Ukraine-Krise verstärkt testet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russische-tu-95-bomber-testen-nato-luftabwehr-a-965866.html
Und ich war so froh als der kalte Krieg vorbei war. Jetzt geht das wieder los.
mrdcf 24.04.2014
4. traurig
Schon komisch. Bin 35 Jahre alt und habe das Ende des kalten Kriegs noch bewusst erlebt. Die schönsten Jahre meines Lebens stand immer der Name Putin in der Zeitung wenn es um den russischen Präsidenten ging. Nun fällt die Maske und der Welt stockt der Atem. Sehr traurig .
-fussel- 24.04.2014
5. Besorgniserregend
und zwar auf beiden Seiten. Beide Seiten bemühen sich am lautesten mit dem Säbel zu rasseln und stoßen uns alle hoffentlich damit in keinen Krieg. Und zu den Tu-95 - die hinlassen schon ein mulmiges Gefühl zumal mit einer modifizierten Tu-95m die Zar-Bombe abgeworfen wurde ...
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