Ukraine-Krise: Kerry schlägt Einladung Moskaus aus

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US-Außenminister Kerry: Vorerst keine Reise nach Moskau

Es herrscht Eiszeit zwischen den USA und Russland: US-Außenminister Kerry hat eine Einladung seines Amtskollegen Lawrow nach Moskau ausgeschlagen. Russland müsse erst seine Provokationen auf der Krim einstellen.

Moskau/Washington - US-Außenminister John Kerry hat eine Einladung zu einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in dieser Woche in Moskau abgelehnt. Kerry werde sich nur dann persönlich auf diese Weise engagieren, wenn Moskau ernsthaft zu Gesprächen über internationale Vorschläge zur Lösung der Krim-Krise bereit sei, sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki am Montag in Washington.

Die USA warteten nach ihren Worten auf eine Antwort aus Moskau auf die "konkreten" Vorschläge. Sprecherin Psaki sagte, Kerry habe die Vorschläge in einem Telefonat mit Lawrow am Samstag erörtert. "Wir warten noch immer auf eine Antwort."

Kerry habe Lawrow am Samstag auch klar gesagt, dass die USA ein Ende der russischen Intervention auf der Krim und "provokativer Schritte" sehen wollten. Moskau müsse konkret beweisen, dass es bereit sei, auf Vorschläge für einen direkten Dialog zwischen Russland und der Ukraine einzugehen und internationale Mechanismen wie eine Kontaktgruppe zu nutzen.

Lawrow hatte zuvor eigene Vorschläge zur Beilegung der Ukraine-Krise angekündigt und dabei die Ideen aus Washington zurückgewiesen. Dabei sagte Lawrow auch, es sei schade, dass Kerry einen für Montag geplanten Besuch in Moskau kurzfristig verschoben habe. Der angeblich geplante Besuch von Kerry war bisher nicht öffentlich bekannt.

Aus Protest gegen Russlands Verhalten droht die Europäische Union (EU) Moskau mit verschärften Sanktionen. Am kommenden Montag könnten die EU-Außenminister in Brüssel weitere Strafmaßnahmen wie Einreiseverbote und Kontensperrungen beschließen, erklärten Diplomaten in Brüssel. Der britische Premierminister David Cameron kündigte in London Sanktionen für mächtige Russen mit engen Beziehungen zur Regierung in Moskau an.

Europarat untersucht Referendum

Am Sonntag hält die Krim das international nicht anerkannte Referendum über einen Anschluss an Russland ab. Mehr als 1500 Bewaffnete sollen das Votum nach Angaben des selbsternannten Krim-Regierungschefs Sergej Aksjonow schützen.

Experten des Europarats werden die Lage der Minderheiten in der Ukraine und die Rechtmäßigkeit des geplanten Referendums prüfen. Außerdem werde der Europarat bei der Aufklärung der schweren Menschenrechtsverletzungen mit zahlreichen Toten seit Beginn der pro-westlichen Proteste in Kiew Ende November mitwirken, sagte ein Sprecher des Europarats. Dies sei mit der Übergangsregierung in Kiew vereinbart worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Russland nochmals zur Mitwirkung an einer internationalen Kontaktgruppe zur Lösung der Krim-Krise auf. Am Donnerstag gibt Merkel im Bundestag eine Regierungserklärung zur Ukraine ab.

fab/AFP/dpa

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1.
schwarzertee 10.03.2014
Nun, die Russen suchen den Dialog. Die US sind aber bockig, wie kleine Kinder.
2.
neurobi 10.03.2014
Zitat von sysopEs herrscht Eiszeit zwischen den USA und Russland: US-Außenminister Kerry hat eine Einladung seines Amtskollegen Lawrow nach Moskau ausgeschlagen. Russland müsse erst seine Provokationen auf der Krim einstellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russland-krise-kerry-schlaegt-einladung-lawrows-aus-a-957928.html
Man will mit den Russen reden. Warum fährt man dann nicht nach Moskau? Das hat unser Vize-Kanzler besser gemacht!
3. Diese Einladung hätte Kerry annehmen sollen
cicero_muc 10.03.2014
Schade. Ein Gesprächsangebot ist ja schon gar nicht mal so schlecht. Das kann man als Annäherungsversuch werten. Eine Eiszeit in irgendwelchen Beziehungen kann keiner gebrauchen.
4.
maburayu 10.03.2014
Zitat von schwarzerteeNun, die Russen suchen den Dialog. Die US sind aber bockig, wie kleine Kinder.
So ist es meisten, derjenige, der sich die Macht mit seinem Miltär gesichert hat, zeigt sich im Prinzip gesprächsbereich, während er dann irgendwann feststellen muss, dass man mit ihm genau deswegen nicht mehr sprechen mag. Es liegen Vorschläge auf dem Tisch, wie man diplomatisch aus der Krise kommt, nun braucht es eben eine Antwort aus Moskau.
5. ich finde es sehr begrüßenswert dass sich
vitamim-c 10.03.2014
der Europarat an die Aufklärung der Geschehnisse heranwagt, hoffentlich ohne Blendbrille!
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Fläche: 603.700 km²

Bevölkerung: 45,553 Mio.

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Regierungschef einer Übergangsregierung: Arsenij Jazenjuk (zurückgetreten); Volodymyr Hroisman (amtierend)

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