Reaktion auf Truppenvormarsch Russland kündigt neue Manöver an ukrainischer Grenze an

Moskau reagiert auf das Vorgehen der ukrainischen Armee gegen die Separatisten: Der Kreml ordnet neue Militärübungen direkt an der Grenze an.


Moskau - Die russischen Streitkräfte werden Manöver nahe der Grenze zur Ukraine beginnen. Das kündigte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Donnerstag an. Russland sei wegen der "ukrainischen Militärmaschinerie" und der Nato-Manöver in Osteuropa zu dem Schritt gezwungen. So zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Minister.

Die ukrainischen Streitkräfte waren am Vormittag in der östlichen Stadt Slowjansk massiv gegen prorussische Kräfte vorgegangen. Dabei starben fünf moskautreue Separatisten. Das teilte das Innenministerium in Kiew mit. Regierungstruppen waren mit Panzerfahrzeugen gegen die Uniformierten vorgegangen.

Die Situation auf der ukrainischen Seite sei besorgniserregend, betonte Schoigu. Es seien 11.000 Mann der ukrainischen Regierungstruppen im Einsatz gegen die "friedliche Bevölkerung". Die Kräfte seien ungleich verteilt. "Wenn diese Kriegsmaschine heute nicht gestoppt wird, dann wird dies zu einer großen Zahl Toter und Verletzter führen", sagte der Minister.

Schoigu kritisierte zudem, dass die Verstärkung der Nato-Militärpräsenz in Polen und im Baltikum die Lage weiter angeheizt habe. "Wir mussten auf diese Entwicklung der Situation reagieren", betonte Schoigu.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow reagierte auf die Ankündigungen und forderte, Russland solle unverzüglich die Truppen von der Grenze abziehen. Moskau solle die "ständigen Drohungen und Erpressungen" stoppen und aufhören, sich in innere Angelegenheiten der Ukraine einzumischen.

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Ostukraine: Manöver an der Ukraine-Grenze angekündigt
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den Einsatz ukrainischer Sicherheitskräfte schon zuvor scharf verurteilt: "Wenn das Regime in Kiew angefangen hat, die Armee gegen die Bevölkerung innerhalb des Landes einzusetzen, dann ist das ohne jeden Zweifel ein sehr ernstes Verbrechen." So zitierte die Agentur Interfax Putin.

Im gleichen Atemzug nannte der russische Präsident die im Februar durch den Sturz von Präsident Wiktor Janukowitsch an die Macht gekommene Führung in Kiew "Junta" und "Bande", die keine Legitimität für einen solchen Einsatz habe.

Ein Sprecher des Kremlsagte, das Vorgehen der Ukraine im Osten des Landes werfe die ernste Frage nach der Legitimität der Präsidentschaftswahl auf, die für den 25. Mai geplant ist.

In mehreren Orten der Ostukraine halten moskautreue Separatisten Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet.

Kreml-Chef Putin hatte sich im März eine parlamentarische Vollmacht für einen Militäreinsatz zum Schutz russischer Bürger in der Ukraine geben lassen - vor dem Hintergrund der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim durch Russland. Am vergangenen Donnerstag sagte Putin jedoch, er hoffe, von dieser Erlaubnis im ukrainischen Kernland keinen Gebrauch machen zu müssen.

Anteile der Bevölkerung, deren Muttersprache Ukrainisch oder Russisch ist
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vek/AFP/Reuters/dpa

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Seite 1
soalso 24.04.2014
1.
Zitat von sysopAPRussland reagiert auf das Vorgehen der ukrainischen Armee gegen die Separatisten: Der Kreml ordnet neue Militärübungen direkt an der Grenze an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russland-kuendigt-armee-manoever-an-der-grenze-an-a-965996.html
verstehe ich nicht. genau das sah doch das von russland mitgetragene genfer abkommen vor. illegale kräfte sollen entwaffnet werden. wenn nicht anders möglich, muss halt die exekutive eingesetzt werden. wo ist das problem für russland?
Pegu 24.04.2014
2. Ist ja ihr Land
So, jetzt sag ich es mal wie die Pro-Westlichen: Klar darf Russland seine Manöver machen und eine Provokation ist das nicht. Die russische Seite ist ja ihr Land :)
Strg+C 24.04.2014
3. Das Problem?
Zitat von soalsoverstehe ich nicht. genau das sah doch das von russland mitgetragene genfer abkommen vor. illegale kräfte sollen entwaffnet werden. wenn nicht anders möglich, muss halt die exekutive eingesetzt werden. wo ist das problem für russland?
Zar Putin hätte ganz gerne wieder eine große und mächtige Sowjetunion zusammen und einige seiner Landsleute wohl auch, da sie ja deren Fahne freudig schwenkend in die Kameras halten. Das Ganze ist ein verlogenes Spiel und zwar nicht nur seitens der Russen.
abc-xyz 24.04.2014
4. NATO Truppen in Alarmbereitschaft versetzen
Die russischen Provokationen sind unerträglich. Es wird Zeit die Samthandschuhe wegzuwerfen. Alarmbereitschaft und einen Sperrverband der NATO in die Ukraine schicken. Was anderes versteht Putin nicht.
malocher77 24.04.2014
5. Zweierlei Maß
Wenn es um Russische Aufständischen geht, dann sind das Moskautreue Separatisten,wenn in Kiew Bewaffnete das Parlament stürmen,dann sind das demokratische Demonstranten.Der Janukowitsch durfte keine Polizei einsetzen, die jetzige Regierung darf das Militär einsetzen, obwohl es gegen ukrainische Verfassung verstößt.
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