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Notstand auf der Krim: Russland macht ukrainische Aktivisten für Blackout verantwortlich

DPA

Seit dem frühen Morgen haben Hunderttausende Bewohner auf der Krim keinen Strom mehr - offenbar wegen eines Anschlags auf Stromleitungen. Nun mehren sich Anhaltspunkte darauf, wer für den Zwischenfall verantwortlich sein könnte.

Auf der Halbinsel Krim gibt es seit dem frühen Sonntagmorgen keinen Strom mehr - nun verdichten sich die Hinweise auf mögliche Verantwortliche: Laut russischen Medien haben Nationalisten auf dem ukrainischen Festland zwei Strommasten zerstört.

Fotos sowie Videoaufnahmen von Journalisten des Senders "Radio Free Europe" zeigen zerstörte Leitungen, an denen eine Flagge der Krimtataren angebracht ist - einer ethnischen Minderheit auf der Krim. Andere Aufnahmen sollen tanzende Krimtataren in Simferopol zeigen, die sich offenbar über die Aktion freuen.

Zudem deutet noch mehr auf einen Anschlag proukrainischer Kräfte: Zwei der wichtigsten Stromleitungen aus der Ukraine auf die von Russland annektierte Halbinsel waren bereits am Freitag in der Nähe von Cherson unterbrochen worden. Ukrainische Aktivisten, darunter auch Krimtataren, hatten laut der Nachrichtenagentur AP Reparaturarbeiten sabotiert und wurden erst von Polizisten davon abgehalten.

Krimtataren und ukrainische Aktivisten blockieren zudem schon seit mehr als zwei Monaten Warentransporte auf die Halbinsel und fordern von der Führung in Kiew seit Längerem das Kappen der Stromversorgung. Damit sollen die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker erreicht werden.

Nach Angaben des Energieministeriums in Moskau sind wegen des Anschlags nun zwei Hochspannungsleitungen zerstört, die Strom auf die Krim transportieren. Nach deren Ausfall waren auf der Krim fast zwei Millionen Menschen ohne Licht und Heizung, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Das russische Energieministerium rief daraufhin auf der Halbinsel den Notstand aus. Ilja Kiwa, ein Vertreter des ukrainischen Innenministeriums, schrieb am Morgen auf Facebook: "Die Masten sind gerade gesprengt worden!"

Im Video: Notstand auf der Krim

Mit eigenen Kraftwerken sowie mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren sei die Versorgung zumindest in größeren Städten teilweise wieder hergestellt worden, sagte der Behördensprecher Michail Scheremet laut der Agentur Tass. "Die Situation ist stabil und unter Kontrolle", so Scheremet. Der Strom würde vermutlich immer wieder für einige Stunden abgeschaltet, aber bei einer Außentemperatur von derzeit 18 Grad bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden zudem für mehrere Wochen reichen.

Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude werden nun durch Generatoren mit Strom versorgt. Ein umgehend eingesetzter Krisenstab sorgte laut Berichten dafür, dass zumindest die wichtigste Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur eine Grundversorgung mit Strom erhielt.

Der Vizepremier der Krim, Michail Scheremet, sagte laut der Nachrichtenagentur Tass, die Halbinsel könne bestenfalls die Hälfte ihres Strombedarfs durch Dieselgeneratoren sowie Wind- und Solarkraft decken. Die Krim bezieht ihren Strom zu 70 Prozent vom ukrainischen Festland und ist bei der Stromversorgung praktisch vollständig auf diese Importe angewiesen; eine Festlandverbindung zu Russland gibt es nicht.

Von dem Zwischenfall betroffen ist offenbar auch das Festland derUkraine: In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, teilte das Energieministerium in Kiew mit. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen. Ein Mitarbeiter des ukrainischen Energiekonzerns Ukrenergo sagte Berichten zufolge, dass die Wiederherstellung der Versorgung zwei Tage dauern könne.

Die Krim war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden, woraufhin die Ukrainekrise eskalierte. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen die Annexion als Verstoß gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Zuletzt hatte Russland ein Importverbot für Lebensmittel aus der Ukraine verhängt.

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mxw/Reuters/dpa

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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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