Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krise in der Ukraine: "Das ist Krieg"

AP/dpa

In Odessa sterben Dutzende Menschen durch Brandstiftung, Russland gibt dem Westen die Schuld. Aus dem Osten der Ukraine werden schwere Kämpfe gemeldet, Kiew spricht von Krieg. Immerhin: Die OSZE-Mitarbeiter, die als Geiseln festgehalten wurden, sind frei.

Kiew/Moskau - In der Ukraine überschlagen sich der Ereignisse. Die Regierung in Moskau macht die ukrainische Regierung und den Westen für die Gewalt in Odessa verantwortlich. Im Osten der Ukraine werden die Kämpfe zwischen Armee und Separatisten immer härter. Gleichzeitig sind die OSZE-Mitarbeiter, die als Geiseln festgehalten wurden, nun frei. Die Entwicklung am Samstag im Überblick:

  • Die Lage in Odessa

In der südukrainischen Küstenstadt waren am Freitagabend Dutzende Menschen bei Kämpfen zwischen ukrainischen Nationalisten und prorussischen Aktivisten gestorben. "Die Hände der Führung in Kiew stecken bis zum Ellbogen in Blut", sagte nun am Samstag Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax. "Kiew und seine Unterstützer im Westen haben praktisch das Blutvergießen provoziert und tragen die direkte Verantwortung dafür."

Am Freitag hatten sich in Odessa am Schwarzen Meer prorussische Separatisten und Anhänger der Übergangsregierung in Kiew stundenlange Straßenschlachten geliefert. Ein Gewerkschaftsgebäude, in dem sich moskaufreundliche Kräfte verschanzten, wurde angezündet. Jüngsten Angaben zufolge starben etwa 40 Menschen, 200 wurden verletzt. Schon zuvor waren in der Stadt vier Menschen bei Kämpfen zwischen prorussischen Aktivisten und Anhängern der Regierung getötet worden.

Fotostrecke

11  Bilder
Gewalt in Odessa: Tödlicher Brand im Gewerkschaftshaus
Die Regierung in Kiew beschuldigte ihrerseits die frühere Führung des Landes, die Straßenschlachten in Odessa orchestriert zu haben. Von ihrem Exil in Russland aus hätten Mitarbeiter des entmachteten Präsidenten Viktor Janukowytsch die Zusammenstöße organisiert, sagte Jekaterina Kossarewa vom Geheimdienst SBU. "Die Provokationen, die zu den Unruhen führten, wurden von ehemaligen Beamten der Regierung Janukowytsch finanziert", sagte sie. Beweise zeigte der SBU nicht.

  • Die Kämpfe im Osten
Auch im Osten der Ukraine ist die Lage äußert angespannt. Das ukrainische Militär setzte seine Offensive gegen prorussische Separatisten fort. Am Samstagmorgen hätten die Sicherheitskräfte einen Einsatz gegen Aufständische nahe der Stadt Kramatorsk gestartet, teilte Innenminister Arsen Awakow über Facebook mit. Dabei hätten sie einen Fernsehturm unter ihre Kontrolle gebracht. Das Innenministerium meldete später, auch das Sicherheitshauptquartier in der Stadt sei wieder unter Kontrolle der ukrainischen Kräfte.

Fotostrecke

20  Bilder
OSZE-Beobachter in Ukraine: Frei nach mehr als einer Woche

Awakows Angaben decken sich mit Berichten des ukrainischen Anti-Terror-Zentrums, wonach es in der Stadt Kramatorsk schwere Kämpfe gebe. "Was wir bei Donezk und in den östlichen Gebieten erleben, ist nicht nur irgendein kurzfristiger Aufstand, das ist Krieg", sagte Vayl Krutow, der Chef der Anti-Terror-Einheiten.

Zudem gab es Meldungen, wonach auf Seiten der prorussischen Kräfte in Odessa auch Kämpfer aus der moldauischen Separatistenregion Transnistrien vor Ort gewesen seien. Diese hätten sich mit den prorussischen Kräften abgestimmt.

Am Freitag hatten die Sicherheitskräfte ihre Offensive begonnen und sich vor allem um die Rebellenhochburg Slowjansk in der Nähe von Kramatorsk heftige Gefechte mit Separatisten geliefert, die in den vergangenen Wochen zahlreiche Verwaltungsgebäude unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Nach Angaben der Regierung schossen Aufständische zwei Hubschrauber ab, zwei Soldaten starben. Auch unter den Rebellen gab es Tote.

Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

  • Russland sieht in ukrainischer Wahl keinen Sinn

Russland hat Kreml-Sprecher Peskow zufolge seinen Einfluss auf die prorussischen Separatisten in der Ostukraine eingebüßt. "Russland hat im Grunde seinen Einfluss auf diese Leute verloren, weil es unmöglich ist, sie zur Niederlegung ihrer Waffen zu überreden, wenn es eine direkte Bedrohung ihres Lebens gibt", sagte Peskow. Sein Land könne die Situation in der Ukraine nicht allein klären.

Der Sprecher bezeichnete es angesichts der Gewalt im Land als absurd, am 25. Mai eine Präsidentenwahl in der Ukraine abzuhalten. Russland erhalte Tausende Hilferufe aus dem krisengeschüttelten Osten des Nachbarlandes. "Es ist der Schrei der Verzweiflung und die Bitte um Hilfe", sagte er.

Prorussische Aktivisten halten in zahlreichen Städten im Osten der Ukraine Polizeiwachen und Regierungsgebäude besetzt. Kiew und die westlichen Staaten werfen Moskau vor, die Aktionen zu steuern und mit eigenen Spezialkräften zu unterstützen, um wie auf der ukrainischen Halbinsel Krim die Abspaltung der Region vorzubereiten. Putin hat inzwischen zwar zugegeben, dass auf der Krim russische Soldaten im Einsatz gewesen seien. Doch der Kreml beharrt darauf, dass dies im Osten der Ukraine nicht der Fall sei.

  • Die Freilassung der Geiseln

In Slowjansk wurden unterdessen Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) freigelassen. Die Männer, darunter vier Deutsche, waren seit mehr als einer Woche in der Gewalt prorussischer Kräfte gewesen.

"Dies ist ein wichtiger Schritt zur Deeskalation, die nach den schrecklichen Ereignissen in Odessa dringender denn je ist", sagte der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Androhung von Sanktionen bewirke nichts. Ständiger Dialog und direkte Gespräche auf gleicher Augenhöhe seien der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts. Schröders Büro bestätigte, dass der Altkanzler mit Putin bei ihrem umstrittenen Treffen am 28. April über die Lage der OSZE-Militärbeobachter gesprochen habe.

Die Gruppe war am 25. April bei einer Erkundungsfahrt im krisengeschüttelten Osten der Ukraine festgesetzt worden. Die Beobachter wurden inzwischen dem Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland, übergeben. Anschließend sei die Weiterfahrt der Gruppe ins gut 90 Kilometer entfernte Donezk geplant, sagte Jaglands Sprecher.

ulz/dpa/AFP/AP/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 356 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Russland ist schuld!
spon-facebook-10000460179 03.05.2014
Alle wäre ruhig, wenn Russland nicht eingemischt hätte! Errinern sie sich an die ersten Tagen nach dem Maidan, als russische Medien über die Mengen von Faschisten und Fluchtlingen berichtete... Das gab in wirklichkeit nicht, jetzt gibt aber, weil sie das schafen wollten! Die Westen hat damit aber nicht getan... Jetzt sterben wir - Ukrainer, nicht russusen oder Amerikaner!
2. Das kommt davon wenn Oligarchen regieren
henry nowakowski 03.05.2014
Es geht bei diesem Konflikt nicht um die Ukrsine wer sich nschher mehr die Taschen vollstopft. Der Westen will die Bodenschaetze die Russen weiter Ihren Einfluss Und wer leidet : das Volk aber das ist den Machthabern dieser Welt egal wie sie heissen Alles Schauspieler Egoisten und Oportunisten und nicht wie alle tun Idealisten und Altruisten
3. Krise oder Krieg
braman 03.05.2014
Irgendwie will es mir nicht in den Kopf, aus welcher Logik heraus Menschen, die seit Jahrzehnten friedlich zusammen leben, auf einmal anfangen, einander um zu bringen. Merken die nicht, das sie nicht in eigenem Interesse handeln? In wessen Interesse? Ich weiß es nicht, aber diese Leute sind ganz sicher nicht in der 'Kampfzone'! Zitat: Tiere sind klüger! Sie lassen sich nicht in den Machtkämpfen ihrer Leithammel als Hilfstruppen instrumentalisieren. (Egon-W-Kreutzer.de) MfG: M.B.
4.
lampenschirm73 03.05.2014
Zitat von spon-facebook-10000460179Alle wäre ruhig, wenn Russland nicht eingemischt hätte! Errinern sie sich an die ersten Tagen nach dem Maidan, als russische Medien über die Mengen von Faschisten und Fluchtlingen berichtete... Das gab in wirklichkeit nicht, jetzt gibt aber, weil sie das schafen wollten! Die Westen hat damit aber nicht getan... Jetzt sterben wir - Ukrainer, nicht russusen oder Amerikaner!
Is klar. Die Swoboda Maidan-Regierung mit ihren Rechter-Sektor-Schlägertrupps finden alle Ukrainer super. Besonders die russischstämmigen. Nur der böse Putin schickt tausende russische Geheimagenten zum Protestieren ins Land.
5. Realitätsverlust
HerrZlich 03.05.2014
Zitat von spon-facebook-10000460179Alle wäre ruhig, wenn Russland nicht eingemischt hätte! Errinern sie sich an die ersten Tagen nach dem Maidan, als russische Medien über die Mengen von Faschisten und Fluchtlingen berichtete... Das gab in wirklichkeit nicht, jetzt gibt aber, weil sie das schafen wollten! Die Westen hat damit aber nicht getan... Jetzt sterben wir - Ukrainer, nicht russusen oder Amerikaner!
Es nützt ihnen gar nichts wenn sie die gesamten Fakten um 180 Grad verdrehen. Infomieren sie sich bitte besser bevor sie hier solche unqualifizierten Aussagen machen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ukraine-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: