Ukraine-Krise Separatisten brüsten sich mit angeblich getöteten CIA-Agenten

Die Aufständischen im Osten der Ukraine behaupten, mehr als 600 Gegner verletzt, gefangen genommen oder getötet zu haben. Darunter sollen angeblich auch CIA-Mitarbeiter sein.

Dorf nahe Luhansk: Ausgebranntes ukrainisches Militärfahrzeug
DPA

Dorf nahe Luhansk: Ausgebranntes ukrainisches Militärfahrzeug


Kiew - Kurz vor Beginn von Friedensgesprächen in der Ostukraine ist es erneut zu einem Feuergefecht zwischen prorussischen Separatisten und Regierungssoldaten gekommen. Dabei hätten Aufständische den zuvor festgenommenen selbsternannten Gouverneur der Region Luhansk, Walerij Bolotow, befreit, sagte ein Sprecher der ukrainischen Grenztruppen.

Bolotow sei zunächst nach seiner Rückkehr von einer medizinischen Behandlung in Russland an einem Kontrollposten von Grenzsoldaten gefangen genommen worden. Daraufhin seien rund zweihundert bewaffnete Separatisten angerückt und hätten seine Freilassung gefordert. Bei einem anschließenden Gefecht hätten sie Granaten und Maschinengewehre eingesetzt und Bolotow befreit, sagte der Sprecher. "Wir versuchen herauszufinden, ob es Opfer gab."

In den vergangen Wochen, behaupten die Aufständischen, sollen die Regierungstruppen bei ihrer "Anti-Terror-Operation" im Osten des Landes angeblich weit höhere Verluste erlitten haben als offiziell eingeräumt. Mindestens 650 Menschen seien seit Anfang Mai verletzt, gefangen oder getötet worden, behauptet der selbst ernannte "Volksbürgermeister" der umkämpften Großstadt Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

CIA-Agenten im Konfliktgebiet?

Nach Darstellung des Separatistenführers starben allein 90 Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU bei den Kämpfen im Südosten der Ex-Sowjetrepublik. Auch private Militärfirmen aus Polen und den USA hätten Verluste zu beklagen. Zudem hätten die Regierungstruppen acht Kampfhubschrauber sowie weitere Militärtechnik verloren. Zu den "Verlusten" gehörten laut Ponomarjow angeblich auch 13 getötete und 12 verletzte Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA sowie vom FBI. Das behauptete er in einer von der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" veröffentlichten Videobotschaft.

Offiziell bestätigt ist der Einsatz ausländischer Söldner in dem Konfliktgebiet nicht. Im April hatte der US-Geheimdienst allerdings zugegeben, dass CIA-Direktor John Brennan Kiew besucht hatte. Auch Russland hatte Vorwürfe stets bestritten, Geheimdienstler einzusetzen. Die Vereinten Nationen hatten die Zahl der Toten in der Ukraine seit Beginn der Krise mit 250 angegeben, darunter allein etwa hundert bei der proeuropäischen Revolution auf dem Maidan im Januar und Februar.

Der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts liegt nach Auffassung eines Vertreters der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht in Moskau, sondern in der Ukraine selbst. Wer Russland die Verantwortung für die Krise zuschiebe, mache es sich zu einfach, sagte der Leiter des OSZE-Forschungszentrums Hamburg, Wolfgang Zellner, im WDR 5 Morgenecho. "Wenn man das leugnet, dann macht der Runde Tisch ja keinen Sinn", sagte Zellner weiter. Russland könne nur deshalb von außen Einfluss nehmen, weil die ukrainische Regierung so schwach sei.

Unter OSZE-Vermittlung hat am Mittag im ostukrainischen Charkiw eine zweite Gesprächsrunde zur Beilegung der Krise begonnen. Nach den Worten Zellners führt nur ein Dialog mit Vertretern der ukrainischen Oligarchen zu einem Ausweg aus dem Chaos. "Man muss sich mit ihnen verbünden, um zu einem vernünftigen Staatswesen zu kommen."

Der ukrainische Interims-Außenminister Andrij Deschtschytsja hingegen machte vor allem Moskau für die Lage in der Ostukraine verantwortlich. In der "Welt" forderte er den Westen auf, im Kampf gegen die Destabilisierung der Ukraine schnell schärfere Strafmaßnahmen gegen Russland zu verhängen. Vor allem Deutschland müsse "gegenüber Russland stärker auftreten".

wit/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 169 Beiträge
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Palmstroem 17.05.2014
1. Seperatisten führen Krieg
650 Tote, Gefangene und Verletzte würden nur eines bedeuten - die Seperatisten führen längst Krieg.
rainbow5412 17.05.2014
2. Geheimdienste
Zitat von sysopDPADie Aufständischen im Osten der Ukraine behaupten, mehr als 600 Gegner verletzt, gefangengenommen oder getötet zu haben. Darunter sollen angeblich auch CIA-Mitarbeiter sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-separatisten-bruesten-sich-mit-getoeteten-cia-agenten-a-969953.html
Westliche Geheimdienste,primär USA) sind seit Jahrzehnten dort(nicht nur da),aber sie werden das natürlich nicht Öffentlich machen. Natürlich muß das Geheim bleiben,weil sonst die USA im gleichen negativen Licht wie Russland und China stellen würde,und das darf ja nicht sein! USA ist kein Deut besser als Russland,und wir sollten nicht die Fehler der Vergangenheit machen alles was USA macht für richtig,perfekt oder Demokratisch halten. Nicht nur Irak hat das mehr als deutlich gemacht! Vorsicht also mit einer einseitigen Sichtweise,weil beide Seiten sich nicht viel nehmen. Beide machen mehr Fehler als wir nur vermuten können. Wiedereinmal wird es auf dem Rücken der Menschen ausgetragen.
gigamesh 17.05.2014
3.
Zitat von sysopDPADie Aufständischen im Osten der Ukraine behaupten, mehr als 600 Gegner verletzt, gefangengenommen oder getötet zu haben. Darunter sollen angeblich auch CIA-Mitarbeiter sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-separatisten-bruesten-sich-mit-getoeteten-cia-agenten-a-969953.html
Verstehe ehrlich gesagt nicht, warum SPON diesen Unsinn weiterverbreitet. Sollten dort tatsächlich CIA-Agenten getötet worden sein, so wäre es für den "Volksbürgermeister" doch ein einfaches, dies vor laufenden Kameras zu beweisen. Denn irgendwie müssten diese "Agenten" ja als solche identifiziert worden sein. Der Aufschrei der "Weltöffentlichkeit" wäre groß und würde die Meinung zu seinen Gunsten verschieben. Aber, außer frei erfundenen Zahlen hat er nichts zu bieten. Ergo - ein weiterer verzweifelter Versuch, Feindbilder zu kreieren.
schreiberausthür.89 17.05.2014
4.
Wer soll denn bitte die Propaganda der gesetzlosen paramilitärischen Banden in der Ukraine Glauben schenken? Deren glorreiche Siege existieren doch nur in deren verwirrten Köpfen. Sollten tatsächlich Agenten des CIA und private Sicherheitsfirmen vor Ort sein, kann man nur hoffen, dass es ihnen zeitnah gelingt, die Kampfkraft und Professionalität der ukrainischen Sicherheitskräfte zu erhöhen. Die Zustände in der Ostukraine sind für jedes zivilisiertes Land eine Schande.
tangentiale 17.05.2014
5. CIA,Blackwater etc.
Zitat von sysopDPADie Aufständischen im Osten der Ukraine behaupten, mehr als 600 Gegner verletzt, gefangengenommen oder getötet zu haben. Darunter sollen angeblich auch CIA-Mitarbeiter sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-separatisten-bruesten-sich-mit-getoeteten-cia-agenten-a-969953.html
Die Amis können es nicht lassen.Gleiche Vorgehensweise wie überall wo sie Unruhe stiften,destabilisieren und Chaos hinterlassen.Nicht zu fassen!
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