Keine Chance auf Feuerpause Separatisten in Ostukraine wollen weiterkämpfen

Die diplomatischen Bemühungen in der Ukraine stecken fest: Prorussische Separatisten lehnen laut dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko Verhandlungen über einen Waffenstillstand weiter ab. Russland meldet immer mehr Flüchtlinge.

Ukrainische Soldaten nahe Kostjantyniwka: Poroschenko signalisierte Bereitschaft zu einem Waffenstillstand
AFP

Ukrainische Soldaten nahe Kostjantyniwka: Poroschenko signalisierte Bereitschaft zu einem Waffenstillstand


Washington - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russland und den Separatisten in der Ostukraine mehrere Vorschläge für Orte gemacht, an denen eine Feuerpause verhandelt werden könnte. Diese hätten die Angebote jedoch abgelehnt. Das sagte Poroschenko in einem Telefonat mit US-Vizepräsident Joe Biden. Der Vizepräsident habe Poroschenko zugesichert, dass die USA mit ihren Partnern über mögliche Sanktionen diskutieren. Russland solle weiter dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass es die Separatisten unterstütze, teilte das Weiße Haus mit.

In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Poroschenko am Donnerstag bereits seine Bereitschaft zu einer neuen Feuerpause erklärt. Er habe Merkel versichert, dass er offen sei für eine "beidseitige Waffenruhe", teilte die ukrainische Präsidentschaft am Freitag mit. Gleichzeitig sei eine Kontrolle der Grenze zu Russland unerlässlich, um den Zustrom von Waffen und Kämpfern aus dem Nachbarland zu bremsen.

Die prorussischen Kämpfer hatten am Donnerstag zwar eingestanden, dass sie der ukrainischen Truppe zahlenmäßig und von ihrer Ausrüstung her unterlegen sind. Sie wollen ihre Stellungen in Donezk und Luhansk jedoch halten. Die Forderung, ihre Waffen niederzulegen, lehnten sie bisher als inakzeptabel ab. Poroschenko hatte dies zur Voraussetzung für weitere Gespräche gemacht.

Hunderttausende fliehen vor Gewalt

Weil die Kämpfe im Osten der Ukraine unvermindert weitergehen, beklagt Moskau eine zunehmende Zahl an Flüchtlingen. Kreml-Chef Wladimir Putin habe darüber mit dem Nationalen Sicherheitsrat gesprochen, teilte die Präsidialverwaltung am Freitag mit. Nach Angaben von Behörden haben bereits Hunderttausende Ukrainer Zuflucht in Russland gesucht. Die Gebietsverwaltung in Rostow am Don hat in mehreren Grenzregionen zur Ukraine den Ausnahmezustand verhängt.

Das Außenministerium in Moskau hatte am Vorabend den Beschuss eines ukrainisch-russischen Grenzübergangs kritisiert, an dem mehr als 200 Flüchtlinge warteten. Der für den Grenzschutz zuständige russische Inlandsgeheimdienst FSB teilte mit, wegen der Angriffe von ukrainischer Seite seien inzwischen die Übergänge Donezk, Nowoschachtinsk und Gukowo geschlossen worden.

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vek/Reuters/AP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
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freespeech1 11.07.2014
1.
Ich warte jetzt, dass Herr Gauck und Steinmeier 10.000 Kontingentflüchtlinge aus der Ostukraine in Deutschland aufnehmen und Deutschland Geld für die Flüchtlinge bereitstellt. Oder sind es die falschen Flüchtlinge, Flüchtlinge zweiter Klasse? Doppelmoral?
iasi 11.07.2014
2. Weitere Sanktionen Russland?
Der Schuss könnte aber auch irgendwann mal nach hinten losgehen. Wenn Putin mal an dem Punkt ist, dass er sich sagt: Sehr viel schlimmer können die Auswirkungen von Sanktionen nicht mehr werden, dann lässt er vielleicht die Panzer rollen und "befriedet" die Ostukraine. In Transistrien befinden sich schließlich auch russische "Friedenstruppen". Poroschenko Militär könnte die Russen wohl kaum daran hindern und für den Westen ist ein militärisches Eingreifen eh keine Option.
testi 11.07.2014
3. Warum nur
müssen sich Aufständische immer dorthin zurückziehen, wo es viele Menschen gibt? Warum muss man unbedingt die Stellungenn innerhalb von Städten halten? Wenn man schon kämpfen will, warum dann aus Positionen mit so vielen Unbeteiligten um sich herum? Kein Wunder dass die Leute fliehen.
spon-facebook-10000082513 11.07.2014
4. Wenn...
...russische Panzer durch den russischen Grenzposten rollen, und die ukrainischen Grenzer angreifen, dann kann es schon mal passieren, dass der russische Grenzposten ein bisschen Schaden nimmt. Das Problem liegt hier aber nicht bei den sich wehrenden Ukrainern, sondern bei den angreifenden Russen. Die Menschen fliehen auch nicht nur nach Russland, sondern eben in alle Richtungen - jenachdem, wo man eben Freunde oder Verwandte hat. Das Ausmaß und die Dreistigkeit der russischen Lügen wird langsam ernsthaft bedenklich. Wie soll man die Politiker dieses Volkes je wieder beim Wort nehmen?
fridayn 11.07.2014
5. Indirekt schon erfolgt
Zitat von freespeech1Ich warte jetzt, dass Herr Gauck und Steinmeier 10.000 Kontingentflüchtlinge aus der Ostukraine in Deutschland aufnehmen und Deutschland Geld für die Flüchtlinge bereitstellt. Oder sind es die falschen Flüchtlinge, Flüchtlinge zweiter Klasse? Doppelmoral?
Letztes Jahr haben ca. 10.000 Russen einen Asylantrag in Deutschland gestellt.
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