Ukraine Timoschenkos Mann flüchtet nach Tschechien

Der Ehemann der inhaftierten früheren ukrainischen Regierungschefin Julija Timoschenko hat in Tschechien Asyl beantragt. Als Grund gab er an, dass die Behörden seine Frau über ihn unter Druck setzen wollten. Auch die Tochter des Paares denkt über Flucht nach.

Julija Timoschenko: Die frühere Regierungschefin sitzt nun in einem Straflager
AFP

Julija Timoschenko: Die frühere Regierungschefin sitzt nun in einem Straflager


Kiew - Alexander Timoschenko wird nun in Tschechien leben. Er ist aus seiner Heimat Ukraine geflüchtet und hat in Prag Asyl beantragt. Der Ehemann der inhaftierten früheren ukrainischen Regierungschefin Julija Timoschenko habe sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen, weil die Behörden über ihn Druck auf seine Frau ausüben wollten, hieß es aus seinem Umfeld. Ein Sprecher des tschechischen Innenministeriums erklärte inzwischen, der Asylantrag werde positiv beschieden.

Timoschenkos Partei Batkiwschtschina ("Vaterland") erklärte auf ihrer Internetseite, die Entscheidung Alexander Timoschenkos sei die Antwort auf Versuche der Staatsführung, durch die Verfolgung von Familienangehörigen Druck auf dessen Ehefrau auszuüben. Auch die 31-jährige Tochter des Paars, Jewgenia Carr, könnte nach Angaben ihres Anwalts Sergej Wlassenko Asyl beantragen. "Sollte sich der Druck erhöhen, werden wir entsprechend reagieren", sagte Wlassenko, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Julija Timoschenko war im Oktober wegen Machtmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie wurde für schuldig befunden, während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin ihrem Land beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland Schäden in Millionenhöhe zugefügt zu haben. Die Oppositionsführerin sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts durch Staatschef Wiktor Janukowitsch, der sie bei der Präsidentschaftswahl 2010 knapp geschlagen hatte.

Der Prozess hatte international für viel Kritik gesorgt. Die EU und die USA haben der ukrainischen Führung vorgeworfen, die Verurteilung sei politisch motiviert, um eine Hauptkonkurrentin von Präsident Janukowitsch auszuschalten. Timoschenko wurde vor einigen Tagen vom Untersuchungsgefängnis in ein Straflager im Osten der Ukraine verlegt.

Weitere Ermittlungen gegen Timoschenko

Gegen Timoschenko laufen noch weitere Ermittlungen wegen mutmaßlicher Finanzkriminalität, die teilweise auch ihren Mann betreffen. Die Vorwürfe drehen sich um Vorgänge im staatlichen Energieunternehmen SEUU, an dessen Spitze Julija Timoschenko in den neunziger Jahren stand. Auch ihr Mann arbeitete dort in einer Führungsposition. Er saß 2001 und 2002 wegen des Verdachts der Veruntreuung in Haft, kam dann aber mangels Beweisen wieder auf freien Fuß.

Vor Alexander Timoschenko sind bereits andere Ukrainer nach Tschechien geflohen. So etwa im vergangenen Jahr Bogdan Danylyschyn, Wirtschaftsminister der Regierung Timoschenko von 2007 bis 2010. Prag gewährte auch ihm Asyl. Das führte zu einem diplomatischen Streit zwischen beiden Ländern und im Mai 2011 zur Ausweisung zweier tschechischer Diplomaten aus der Ukraine wegen Spionagevorwürfen.

Timoschenko war 2004 die Anführerin der Orangenen Revolution, mit der das Volk gegen Fälschungen bei der Präsidentenwahl in der Ukraine demonstriert hatte, nachdem der damalige Regierungschef Janukowitsch zum Sieger erklärt worden war.

ler/AFP/dpa



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