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07. Mai 2012, 12:05 Uhr

Inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin

Timoschenkos Tochter wirbt in Berlin um Unterstützung

Sie setzt sich persönlich in Berlin für ihre Mutter ein: Julija Timoschenkos Tochter Jewgenija trifft in der Hauptstadt unter anderem Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Ein Gespräch mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck findet entgegen anderslautender Berichte nicht statt.

Berlin - Die Tochter der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko, Jewgenija Timoschenko, ist am Montag in Berlin zu Gast. Timoschenko wirbt um Unterstützung für ihre Mutter. Jewgenija Timoschenko führte am Vormittag bereits ein Gespräch mit dem Chef der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering. Auch ein vertrauliches Gespräch mit der stellvertretenden FDP-Vorsitzenden und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war geplant, hieß es in FDP-Kreisen. Am Nachmittag trifft sich Jewgenija Timoschenko mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Die frühere Premierministerin Julija Timoschenko verbüßt in der Ukraine eine mehrjährige Haftstrafe. Derzeit protestiert sie mit einem Hungerstreik gegen ihre Haft und die Weigerung der Regierung, sie für eine medizinische Behandlung ausreisen zu lassen. Sie leidet an einem Bandscheibenvorfall und hat mittlerweile eingewilligt, sich in einem ukrainischen Krankenhaus behandeln zu lassen. Zu dem Ärzteteam gehört auch ein deutscher Spezialist.

Ein Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck wird in Berlin allerdings entgegen anderslautender Berichte nicht stattfinden. "Dazu wird es nicht kommen", sagte ein Sprecher. Man bedaure, dass dem Gesprächswunsch von Jewgenija Timoschenko nicht nachgekommen werden könne. "Der Bundespräsident hofft, dass es für Frau Timoschenko und die anderen inhaftierten Oppositionellen in der Ukraine Erleichterungen geben wird." Gauck hatte vor kurzem eine Reise in die Ukraine wegen des Falls Timoschenko abgesagt.

Auch eine Zusammenkunft mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, über die zuvor berichtet worden war, wird es am Montag in Berlin nicht geben. Dies erklärte ein Sprecher der Kanzlerin. An der Tagung der AG Menschenrechte der Unionsfraktion mit Jewgenija Timoschenko wird Merkel ebensowenig teilnehmen. Auch die Fraktionsspitze wird dem Treffen fern bleiben.

Seit Tagen wird in Deutschland über den richtigen Umgang mit dem Fall Timoschenko diskutiert, vor allem mit Blick auf die in wenigen Wochen startende Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen. Immer mehr Politiker forderten zuletzt einen Boykott der EM.

flo/dpa/APD

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