Inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin: Timoschenkos Tochter wirbt in Berlin um Unterstützung

Sie setzt sich persönlich in Berlin für ihre Mutter ein: Julija Timoschenkos Tochter Jewgenija trifft in der Hauptstadt unter anderem Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Ein Gespräch mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck findet entgegen anderslautender Berichte nicht statt.

Timoschenko-Tochter Jewgenija: Kein Treffen mit Merkel und Gauck in Berlin Zur Großansicht
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Timoschenko-Tochter Jewgenija: Kein Treffen mit Merkel und Gauck in Berlin

Berlin - Die Tochter der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko, Jewgenija Timoschenko, ist am Montag in Berlin zu Gast. Timoschenko wirbt um Unterstützung für ihre Mutter. Jewgenija Timoschenko führte am Vormittag bereits ein Gespräch mit dem Chef der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering. Auch ein vertrauliches Gespräch mit der stellvertretenden FDP-Vorsitzenden und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war geplant, hieß es in FDP-Kreisen. Am Nachmittag trifft sich Jewgenija Timoschenko mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Die frühere Premierministerin Julija Timoschenko verbüßt in der Ukraine eine mehrjährige Haftstrafe. Derzeit protestiert sie mit einem Hungerstreik gegen ihre Haft und die Weigerung der Regierung, sie für eine medizinische Behandlung ausreisen zu lassen. Sie leidet an einem Bandscheibenvorfall und hat mittlerweile eingewilligt, sich in einem ukrainischen Krankenhaus behandeln zu lassen. Zu dem Ärzteteam gehört auch ein deutscher Spezialist.

Ein Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck wird in Berlin allerdings entgegen anderslautender Berichte nicht stattfinden. "Dazu wird es nicht kommen", sagte ein Sprecher. Man bedaure, dass dem Gesprächswunsch von Jewgenija Timoschenko nicht nachgekommen werden könne. "Der Bundespräsident hofft, dass es für Frau Timoschenko und die anderen inhaftierten Oppositionellen in der Ukraine Erleichterungen geben wird." Gauck hatte vor kurzem eine Reise in die Ukraine wegen des Falls Timoschenko abgesagt.

Auch eine Zusammenkunft mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, über die zuvor berichtet worden war, wird es am Montag in Berlin nicht geben. Dies erklärte ein Sprecher der Kanzlerin. An der Tagung der AG Menschenrechte der Unionsfraktion mit Jewgenija Timoschenko wird Merkel ebensowenig teilnehmen. Auch die Fraktionsspitze wird dem Treffen fern bleiben.

Seit Tagen wird in Deutschland über den richtigen Umgang mit dem Fall Timoschenko diskutiert, vor allem mit Blick auf die in wenigen Wochen startende Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen. Immer mehr Politiker forderten zuletzt einen Boykott der EM.

flo/dpa/APD

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Forum - EM-Boykott - spielen sich die Deutschen zur moralischen Supermacht auf?
insgesamt 141 Beiträge
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1. Die Welt soll an Merkel und Westerwelle genesen
eurowun 05.05.2012
Nun, kaum einige Jahre in Berlin und schon überfällt einige Politiker in Berlin der - Größenwahn nach Gutdünken -. Man muss Bosbach zustimmen. Hätte die Uktraine Erdöl wäre dei deutsche Politik still. Die Interessen wären dann anders gewichtet. Merkel und Westerwelle wären dann wohl die Helfer des ukrainischen Politikers. Konsequent wäre jetzt, dass die Teilnahme in European Song-Kontest abgesagt wird. Immerhin soll der Gebührenzahler den kaum der Ukraine nachstehenden Menschenrechtsverletzungen finanziell sogar helfen. Aserbaidschan, Liebling von Westerwelle und Merkel, trotz der politischen Hassadeure. Warum zahlen wir nach Palästina und Israel, stellen Mordspielzeug den Militärs und den palästinensischen Kriegstreibern zur Verfügung. Sind die Interessen westdeutscher Waffenfabriken höher zu bewerten wie die Menschenrechte. Berlin will die Welt verändern. Größenwahn in Berlin setzt sich nach Gutdünken über Menschenleben hinweg. Merkel und Westerwelle, im Falle Ukraine auch Gabriel oder Roth, heucheln von den Rechten, die sei bei weniger wirtschaftlichen und parteipolitischen Interessen mit Füßen treten. Und klar doch, wer nicht in die Ukarine will, benötigt die EM in Deutschland. Nein, die EM absagen und nie mehr in einem Land, das auch - egal aus welchen Gründen - gegen andere Völker die Faust erhebt, eine EM,WM oder Olympiade ausführen. Das wäre für die politischen Geisterfahrer in Berlin eine Lösung. Oder. Es wäre schön, würden die Politiker ganz daheim bleiben. Wir haben doch noch den Münchener Hoeness. Berlin wird zu ernst genommen. Der Bayer mit dem Hollywood-Toutch - nimmt kaum jemand ernst. Er kann uns vertreten, denn er entspricht unserer Doppelmoral.
2. Ein Boykott wöre unangebracht,
Endlager 05.05.2012
und die deutschen Politiker machen sich mit solchen Forderungen nicht nur lächerlich, sondern sie zeigen auch eine Doppelmoral, denn ein Boykott der "Olympischen Dopingspiele" 2008 in Peking wurde nicht gefordert, obwohl nicht einmal der Antidopingbeauftragte einreisen durfte, und kritische Athleten in aller Welt massiv unter Druck gesetzt wurden. Auch gegen die F1 in Bahrein oder die WM in Katar regt sich kein nennenswerter Widerstand, dito die Türkei, die weiterhin unter großer Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen und mangelnder Religionsfreiheit steht. Niemand denkt daran, diese Länder zu boykottieren. Dazu gibt es weiterhin diverse Sportveranstaltungen in Wüstenstaaten, die massiv die Menschenrechte missachten. Ein Boykott der Ukraine würde alleine das Volk bestrafen.
3.
ewspapst 05.05.2012
Ich habe da mal eine Frage an die Experten, was kann man der Ukraine eigentlich ganz konkret vorwerten, ohne die Glaubensritter zu bemühen. Wenn konkrete Vorwürfe existieren, dann stellt sich die Frage: Verhält sich nur die Ukraine so, oder gibt es noch mehrere Staaten, denen man die gleichen Vorwürfe machen kann und welche Staaten sind das, nach Erkenntnisen der Experten?
4.
Morotti 05.05.2012
Zitat von ewspapstIch habe da mal eine Frage an die Experten, was kann man der Ukraine eigentlich ganz konkret vorwerten, ohne die Glaubensritter zu bemühen. Wenn konkrete Vorwürfe existieren, dann stellt sich die Frage: Verhält sich nur die Ukraine so, oder gibt es noch mehrere Staaten, denen man die gleichen Vorwürfe machen kann und welche Staaten sind das, nach Erkenntnisen der Experten?
Ich kann das auch nicht erklären, aber der Artikel hier beschreibt für meine Begriffe die Situation recht gut und sollte so manchen "Menschenrechtshardliner" zum Nachdenken anregen für wem man sich da einsetzen will. Julia Timoschenko: Ihr Körper ist jetzt ihr Kampfplatz | Politik*- Berliner Zeitung (http://www.berliner-zeitung.de/politik/julia-timoschenko-ihr-koerper-ist-jetzt-ihr-kampfplatz,10808018,15117324.html)
5.
marant 05.05.2012
Zitat von ewspapstIch habe da mal eine Frage an die Experten, was kann man der Ukraine eigentlich ganz konkret vorwerten, ohne die Glaubensritter zu bemühen. Wenn konkrete Vorwürfe existieren, dann stellt sich die Frage: Verhält sich nur die Ukraine so, oder gibt es noch mehrere Staaten, denen man die gleichen Vorwürfe machen kann und welche Staaten sind das, nach Erkenntnisen der Experten?
Eine Kostprobe ? "Deal mit einem Autokraten: Die Wirtschaftsminister Deutschlands und Kasachstans haben ein Handelsabkommen unterzeichnet. Um Zugang zu den Rohstoffen des Landes zu bekommen, sieht die Bundesregierung über Menschenrechtsverletzungen des Regimes hinweg. Eine Politik mit Zukunft." Deutsche Wirtschaftspolitik: Rohe Stoffe, rohe Sitten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814083,00.html) Bei der Ukraine verhält es sich allerdings etwas anders, denn die steht zwischen den Stühlen, daher kann sie gemassregelt werden, bis sie sich entscheidet...
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