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Tote durch Scharfschützen: ARD-Bericht nährt Zweifel an Version der Regierung in Kiew

Berkut-Einheiten in Kiew (Archivbild): Einigen von ihnen wird "Massenmord" vorgeworfen Zur Großansicht
REUTERS

Berkut-Einheiten in Kiew (Archivbild): Einigen von ihnen wird "Massenmord" vorgeworfen

Wer schoss am Maidan auf Zivilisten? Die neue Regierung in Kiew verhaftete zwölf Mitglieder der Berkut-Einheit und wirft ihnen "Massenmord" vor. Doch laut TV-Magazin "Monitor" kamen die Schüsse nicht nur von Schützen des Janukowitsch-Regimes.

Hamburg - Zweifel daran, ob die tödlichen Schüsse auf die Demonstranten in Kiew nur von Berkut-Milizen unter Befehl von Präsident Wiktor Janukowitsch abgefeuert wurden, sind nicht neu. Doch ein Bericht des ARD-Magazins "Monitor" stützt nun die Gegenversion. Demnach ist es unwahrscheinlich, dass die Schüsse ausschließlich von Seiten der damaligen ukrainischen Führung ausgegangen seien.

Vor einer Woche wurden zwölf Mitglieder der inzwischen aufgelösten Berkut-Bereitschaftspolizei verhaftet. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihnen "Massenmord" während der Proteste vor. Sie sollen friedliche Demonstranten erschossen haben.

Der ARD-Bericht zitiert nun ein hochrangiges Mitglied des Ermittlerteams, das die Aussagen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft in Zweifel zieht. "Meine Untersuchungsergebnisse stimmen nicht mit dem überein, was die Staatsanwaltschaft in der Pressekonferenz erklärt hat", zitiert "Monitor" den Ermittler, der anonym bleiben wolle.

"Unsere Leute schießen nicht auf Unbewaffnete"

Außerdem nennt das ARD-Magazin Details aus einem Mitschnitt des Funkverkehrs der Scharfschützen, der offenbar von einem Amateurfunker mitgeschnitten wurde, den "Monitor" getroffen hat. Demnach sagte einer der Schützen: "Unsere Leute schießen nicht auf Unbewaffnete."

Auf Videos, die ein Augenzeuge der ARD bestätigt, sei außerdem zu erkennen, dass die Oppositionellen auf der Institutska-Straße nicht nur aus Richtung der Regierungsgebäude beschossen wurden, sondern auch vom Hotel Ukraina, das in ihrem Rücken lag. Das Hotel, in dem auch Medienvertreter untergebracht waren, befand sich an jenem Tag fest in der Hand der Opposition.

Dutzende Menschen starben während der Demonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Janukowitsch. Viele von ihnen wurden erschossen. Nach dem Machtwechsel in Kiew wurde die Berkut-Miliz Ende Februar aufgelöst.

vek

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insgesamt 391 Beiträge
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1. Bin positiv erstaunt!
Spiegelleser22 10.04.2014
Solche Beiträge zeigen, dass es die Herrschenden in Deutschland noch nicht zu hundert Prozent geschaft haben unsere Medien gleichzuschalten. Das lässt hoffen!
2. Skrupellosigkeit
pepe_sargnagel 10.04.2014
Skrupellosigkeit ist wohl doch eine wichtige Eigenschaft auf dem Weg zur Macht. Ich bin zwar froh, dass nur wenige dieses Charakteristikum aufweisen, aber die wenigen eben nutzen all ihre Skrupellosigkeit um nach oben zu kommen und andere auszustechen. Das ist nicht gut, aber wie kann man dagegen angehen? Nur wer offensichtlich etwas illegales tut kann ja zur Rechenschaft gezogen werden. Ein zunehmendes Problem ist aber die schwache Justiz und deren Verflechtungen mit den Mächtigen (darunter viele Skrupellose), so dass auch die Justiz nicht mehr helfen kann, wenn etwas illegales unternommen wird. Am Ende befürchte ich, dass auch bei den "noch nicht skrupellosen" die Sicherungen fliegen werden (auch viele andere werden wegen der Umstände skrupellos) und es zu solch Missständen wie Revolution und Gegenrevolution kommen kann. Das kann im "aufgeklärten Europa" nicht passieren? Nun ja - wir reden uns zwar ein aufgeklärt zu sein, aber die RAF, Nazi-Regimes oder die franz. Revolution sollten historische Beispiele sein.
3. Und?
addit 10.04.2014
Hatte da jemals irgendwer irgendwelche Zweifel dran? Uns wird hier ein Märchen vorgeschaukelt, das zum Himmel schreit und unsere tolle Regierung zieht weiterhin mit. Bis es wirklich zum Krieg kommt...und dann will keiner die Verantwortung übernehmen. Einfach unerträglich!
4. Also nix Beweise
schmusel 10.04.2014
Nur anonyme Augen- und Ohrenzeugen. und selbst die sagen scheinbar, dass Janukowitsch' Leute auf jeden Fall geschossen haben - aber *womöglich* nicht nur sie. Nur damit das hier nicht gleich im Sumpf der Propaganda untergeht.
5. Überraschung!
captainpetrov 10.04.2014
Wundert das wirklich jemanden? Wir halten uns da besser raus, dort gibt es keine "Guten", die man unterstützen kann und wir sind nachher die Gelackmeierten.
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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