Tote in Kramatorsk Raketenangriff auf Militär-Hauptquartier in der Ostukraine

Vor dem geplanten Ukraine-Gipfel in Minsk versuchen die Konfliktparteien, ihre Ausgangsposition zu verbessern. Separatisten beschießen das Hauptquartier der Regierungstruppen, Kiews Armee startet eine Offensive bei Mariupol.

Raketeneinschlag in Kramatorsk: Rebellen bestreiten Verantwortung
AFP

Raketeneinschlag in Kramatorsk: Rebellen bestreiten Verantwortung


Kiew/Moskau - Kramatorsk liegt 50 Kilometer von der Frontlinie zwischen ukrainischer Armee und prorussischen Separatisten entfernt. Doch am Dienstagmittag ist die Stadt in der Ostukraine erneut zum Kriegsgebiet geworden: Mehrere Raketen schlugen in dem Ort ein, der von ukrainischen Regierungstruppen kontrolliert wird. Mindestens eine Frau wurde getötet, Kiew spricht sogar von sechs Toten und mehr als 20 Verletzten.

Ein zweiter Raketenangriff auf Kramatorsk richtete sich gegen das Hauptquartier der Armee in der Ostukraine. Nach Angaben von Präsident Petro Poroschenko wurde die Militärstellung von einer Tornado-Rakete getroffen. Angaben über Tote oder Verletzte machte er nicht.

Nach Angaben der Regierung sind die Raketen aus dem Gebiet um die Stadt Horliwka abgefeuert worden. Der Ort liegt etwa 50 Kilometer von Kramatorsk entfernt und wird von den prorussischen Aufständischen kontrolliert. Die Separatisten bestritten jedoch, Raketen auf die Stadt abgefeuert zu haben.

Regierungstruppen starteten eine Offensive nahe der Hafenstadt Mariupol. Sicherheitsratssekretär Alexander Turtschinow führe die Truppen der Nationalgarde persönlich an, teilte der Nationale Sicherheitsrat in Kiew mit.

"Wir wollen die Aufständischen von Positionen zurückdrängen, von denen sie in die Stadt feuern können", sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko. Auch das Freiwilligenregiment Asow beteiligte sich nach eigener Darstellung an dem Vorstoß.

Die Separatisten berichteten von erbitterten Kämpfen. "Wir schließen eine Gegenoffensive nicht aus, aber das steht für uns jetzt nicht an oberster Stelle", sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin. Die Rebellen melden ihrerseits Geländegewinne rund um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewe in der Nähe von Donezk. Bei Gefechten in dem Gebiet wurden in der Nacht mindestens sieben ukrainische Soldaten und zwei Zivilisten getötet.

An diesem Mittwoch soll in der weißrussischen Hauptstadt Minsk bei einem Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel und den Präsidenten Wladimir Putin, François Hollande und Poroschenko ein neuer Waffenstillstand im Donbass ausgehandelt werden. Das Treffen gilt als entscheidend für die Zukunft der Ostukraine. Doch es ist noch nicht einmal sicher, dass der Gipfel überhaupt zustande kommt.

"Die Vorbereitungen laufen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Das weißrussische Außenministerium teilte mit, noch keine genauen Angaben zu besitzen.

Peskow kritisierte die vom Westen angedrohten neuen Sanktionen und Waffenlieferungen im Ukraine-Konflikt als weiteren Versuch einer Destabilisierung. "Russland ist ein Land, das wirklich an der Lösung der Krise interessiert ist", sagte der Kremlsprecher. "Alle anderen Pläne einer Verschärfung der Sanktionen, einer Isolation Russlands, einer Lieferung von Waffen und so weiter - das alles sind leider Schritte einer Destabilisierung der Lage in der Ukraine", meinte er.

syd/AP/Reuters

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spon-facebook-10000747070 10.02.2015
1. Na Super
"Vor dem geplanten Ukraine-Gipfel in Minsk versuchen die Konfliktparteien, ihre Ausgangsposition zu verbessern. " Ja so sehen Partner aus die um jeden Preis den Frieden wollen. An dem Tag wo der Ukraine Konflikt aus den Schlagzelen gerät - an dem Tag versiegen die Millarden der EU, USA und Russlands an die Kriegs-Parteien. Deshalb wird es so schnell auch keinen Frieden geben !
mistermoe 10.02.2015
2. Interessant...
das Separatisten scheinbar nie mit irgendwas etwas zu tun haben, scheinbar regnet es in der Ukraine die Raketen von Himmel. Raketenangriff auf Mariupol, die OSZE sagt die Abschussstelle liegt in von den Separatisten kontrollierten Gebieten aber die Separatisten waren es nicht. Raketenangriff auf das HQ der ukrainischen Armee, waren natürlich auch nicht die Separatisten sonder die Armee beschiesst sich selber. Dazu kommt noch ein Luftangriff auf eine Kolone der uk. Armee, obwohl die Separatisten laut eigener Aussage gar keine Luftwaffe hat. Irgendwas passt das nicht zusammen. Wenn man das alles glaubt, dann gibt es eigentlich keine Bewaffneten Separatisten, sondern die Ukr. Armee führt Krieg gegen sich selber.
newsoholic 10.02.2015
3. Sanktionen bitte
Beide Seiten schießen wieder aufeinander, aber wir verhängen Sanktionen nur gegen eine Seite. Kein Wunder, dass Poroschenko wenig Interesse an Friedensverhandlungen mit den Separatisten hat. Zum Glück ist die Motivation seiner regulären Truppe offenbar derart mies, dass nun nur noch die freundlichen jungen Männer von Gruppierungen wie dem Asow-Bataillon an vorderster Front stehen.
hello07 10.02.2015
4. Würde mich nicht wundern wenn morgen...
...der Friedens-Gipfel in Minsk platzt...! Dann wird eine Waffenlieferung in die Ukraine wohl unausweichlich... Wie will dann Merkel weiter argumentieren...?
thunderstorm305 10.02.2015
5. Der Kalte Krieg ist längst da!
Russland ist vor allem daran interessiert mehr Einfluss in der Ukraine zu bekommen. Koste es was es wolle. Da kann Moskau in alter Sowjet-Art sagen was es will. Das glaubt denen doch niemand mehr.
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