Militärübung bei Donezk Tschetschenische Kämpfer mischen in der Ukraine mit

Im Ukraine-Konflikt kämpfen auch Tschetschenen - auf beiden Seiten. Ein prorussisches Bataillon trainiert bei Donezk, darunter angeblich russische Ex-Soldaten. Durch die verschneite Landschaft schallt der Ruf: "Allahu Akbar!"

REUTERS

Donezk - Die Tschetschenen brüllen "Allahu Akbar" (Gott ist groß), während sie in Tarnuniformen im ostukrainischen Separatistengebiet im Schnee trainieren. Die Männer nutzen eine alte Ferienanlage außerhalb der Rebellenhochburg Donezk als Stützpunkt. "Dies ist das Freiwilligen-Bataillon 'Tod'", sagt der stellvertretende Kommandeur der Truppe, der sich nur als "Stinger" vorstellt. "Etwa 300 Mann von uns sind in der Region Donezk. Wir haben zehn bis 20 Jahre Erfahrung auf dem Schlachtfeld."

Stinger ist um die 40 Jahre alt, seine Mütze ist mit einer kleinen tschetschenischen Flagge in Grün, Weiß und Rot bestickt. An ein Bein hat er eine Pistole geschnallt. Er spricht Russisch mit dem starken Akzent der Bewohner des Kaukasus. Im Lager parken mehrere Autos mit tschetschenischen Nummernschildern.

Die Tschetschenen sagen, Stingers Bataillon bestehe hauptsächlich aus früheren Soldaten, die in der vorwiegend muslimischen Region eingesetzt waren. Russland führte dort in den Neunzigerjahren zwei Kriege gegen muslimische Aufständische. Inzwischen wird Tschetschenien mit Russlands Hilfe von Ramsan Kadyrow beherrscht, dem Kritiker schwere Menschenrechtsverstöße vorwerfen.

In der Ukraine greifen alte Tschetschenien-Kämpfer auf beiden Seiten ein: Einige unterstützen die Separatisten, andere stehen an der Seite der Regierung in Kiew, was den Konflikt nur noch unübersichtlicher macht. Stingers Leute betrachten die Tschetschenen, die für die Regierungstruppen kämpfen, als Erzfeinde. Einige der proukrainischen Tschetschenen waren nach den zwei Kriegen aus Russland geflohen und besitzen nun Pässe von westlichen Staaten. Sie sagen, Russland sei der gemeinsame Feind von ihnen und der Führung in Kiew. Tschetschenien sei von Russland besetzt.

Stinger dagegen argumentiert, Tschetschenien sei während der Kriege zerstört worden und habe erst wieder Frieden gefunden, nachdem sich die lokalen Machthaber mit Russland verbündet hätten. Einige Mitglieder des Bataillons "Tod" berichten, sie hätten in Tschetschenien erst gegen Russland gekämpft, sich dann aber den Kreml-treuen Truppen angeschlossen. Sie hätten später von Ramsan Kadyrows Vater Achmet Amnestie erhalten.

Russland bestreitet Vorwürfe des Westens, es habe Truppen zur Unterstützung der Separatisten in den Osten der Ukraine geschickt. Einige Kämpfer vor Ort räumen dagegen ein, früher bei der russischen Armee gewesen zu sein oder gerade "Urlaub" zu haben. Die Führung in Moskau bezeichnet die russischen Kämpfer in der Ostukraine als Freiwillige.

anr/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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südwest3 10.12.2014
1. Grenze dicht machen
Die Grenze zw. Russland und der souveränen Ukraine gehört durch die OSZE lückenlos überwacht. So lange dies der Kreml verweigert und die Separatisten russ. Unterstützung erhalten, dürfen die Sanktionen gegen Russland nicht gelockert werden.
PatrickBe 10.12.2014
2. Separatismus ist eine Einbahnstraße für Putin
In der Ostukraine, wo es ihm nützt, ist (über das russischen Staatsfernsehen angefachte und mit Waffen und Söldnern unterstützte) Separatismus gut, die Tschetschenen dürfen dagegen nicht unabhängig sein, obwohl sie kulturell kaum zu Russland passen.
Ulrich Berger 10.12.2014
3. suedwest3 (no.1)
Mir ist nicht klar, was Sie da bemaengeln. Was die Russen, Tshetchenen, Mondmaenchen in Russland machen, ist doch eine rein russische Angelegenhet. Was soll die OECD dort? Das evtl. Interesse der OECD ist doch dieukranische Seite der Grenze, dafue brauchen sie nur die Genehmigung von Poroschenko oder Juckiman. Russland kann und wird da nichts verweigern.. Haben Sie sich eigentlich schon zur Verletzung des internationalen Luftraumes durch russische Flugzeuge geaeussert? Oder der internationalen Gewaeser durch russische Schiffe?
KingTut 10.12.2014
4. Grenzkontrolle
Zitat von Ulrich BergerMir ist nicht klar, was Sie da bemaengeln. Was die Russen, Tshetchenen, Mondmaenchen in Russland machen, ist doch eine rein russische Angelegenhet. Was soll die OECD dort? Das evtl. Interesse der OECD ist doch dieukranische Seite der Grenze, dafue brauchen sie nur die Genehmigung von Poroschenko oder Juckiman. Russland kann und wird da nichts verweigern.. Haben Sie sich eigentlich schon zur Verletzung des internationalen Luftraumes durch russische Flugzeuge geaeussert? Oder der internationalen Gewaeser durch russische Schiffe?
Ist Ihnen klar, dass die ukrainische Regierung ihre Grenzen zu Russland aus eigener Kraft gar nicht kontrollieren kann, weil dieses Gebiet von so genannten Rebellen kontrolliert werden? Eine erfolgversprechendes Mandat, um die Grenze zu Russland zu sichern, kann es nur dann geben, wenn alle Konfliktparteien kooperieren, aber gerade daran ist dieses Vorhaben bisher gescheitert. Dass sich ausländische Söldner in der Ostukraine aufhalten, wurde durch diesen Bericht erneut bestätigt. Wer glaubt, dass dort aufständische Bauern gegen die Zentralregierung kämpfen, der glaubt auch an den Mann im Mond ;-)
Ulrich Berger 10.12.2014
5. Grenzkontrolle (KingTut)
Es wurde auch in diesem Bericht mitgeteilt, dass sich Tschetschenen sowohl bei den Rebellen als auch bei den "richtigen" Ukrainern befinden. Wer soll die dann in Zukunft sortieren und die eine Haelfte duchlasssen und die andere Haelfte eben nicht? Schliesslich wird die gute Haelfte ja dringend benoetigt, die tolle Armee der Ukraine scheint ja wohl ,trotz der Unterstuetzung durch USA und Eu, nicht in der Lage, die Ostukraine zu "beruhigen". Waere ich Ostukrainer und haette die liebevollen Wuensche der ukrainischen Regierungsvetreter und der Timoschenko usw. gehoert, ich waere auch bei den Rebellen. Was haetten meine Kinder andernfalls als Ostukrainer in der Ukraine fuer eine Zukunft?
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