Putins Rede in Staatsfernsehen der Ukraine TV-Chef mit Schlägen zu Rücktritt gezwungen

In Kiew ist der Chef des ukrainischen Staatsfernsehens attackiert worden - weil sein Sender Putins Rede zum Beitritt der Krim ausgestrahlt hatte. Mit Beschimpfungen und Schlägen zwang man den TV-Mann zum Rücktritt. Amnesty International kritisiert den Vorfall scharf.

TV-Übertragung der Putin-Rede in einen Saal des Kiewer Rathauses: Sender-Chef angegriffen
REUTERS

TV-Übertragung der Putin-Rede in einen Saal des Kiewer Rathauses: Sender-Chef angegriffen


Kiew - Er wird herumgeschubst, geschlagen und auf seinen Schreibtischstuhl gedrückt - ein YouTube-Video zeigt, wie ein ukrainischer Abgeordneter und mehrere Handlanger den Chef des Staatsfernsehens zum Rücktritt gezwungen haben. Ihr Vorwurf: Alexander Pantelejmonow hatte die Rede von Kreml-Chef Wladimir Putin ausstrahlen lassen, aus Sicht des Abgeordneten war das die Verbreitung russischer Propaganda.

Igor Miroschnitschenko von der rechtspopulistischen Partei Swoboda, auf Deutsch "Freiheit", drang gemeinsam mit mindestens fünf Helfern in das Büro des TV-Chefs in Kiew ein und attackierte ihn. Der Senderchef unterzeichnete daraufhin eine Rücktrittserklärung.

Kritik kommt von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International: "Die kommissarischen Machthaber müssen ein eindeutiges Signal senden, dass diese Art des Verhaltens in der Ukraine nicht toleriert wird", erklärte Amnesty.

Der grobe Widerspruch in dem Verhalten des Politikers: Miroschnitschenko ist Mitglied des Parlamentsausschusses für Pressefreiheit. Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko forderte, dem Abgeordneten sein Mandat abzuerkennen.

vek/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Galik 19.03.2014
1.
So schlimm der Vorfall auch ist: Er ist auch eine Chance für die ukrainische Regierung. Wenn sie jetzt schnell handelt, dem Täter das Mandat entzieht und den Fernsehchef rehabilitieren und wieder einsetzen, dann kann sie beweisen, dass sie rechtsstaatlich und demokratisch ist. Damit würde sie auch Putins Faschismusvorwürfen Paroli bieten. Wenn sie das allerdings durchgehen lässt und nichts unternimmt, dann wäre das ein sehr schlechtes Omen für das, was da noch kommen mag.
überholspur 19.03.2014
2. Lupenreine Demokraten
soweit das Auge reicht, hüben wie drüben. Und unser Mann in Kiew, Dr. Eisenfaust, ist auch nicht besser: Wer nicht in seinem Sinne spurt, bekommt einfach das Mandat entzogen. Wie wäre es denn mit Demokratie, Recht und Gesetz? Nitschewo! Die armen Ukrainer müssen zusehen, wie ihr Land von Putin zerrupft wird, während die selbsternannte Regierung in Kiew den Ausverkauf der Rest-Ukraine an westliche Konzerne vorantreibt. Nichts wird besser für die Ukraine, nur die Marionetten, Unterdrücker und Profiteure haben ausgewechselt. Was für ein Trauerspiel.
-turbomax- 19.03.2014
3. @Galik
Auch wenn ich voll und ganz zustimme, sehe cie Zukunft deutlich pessimistischer. Putin hat durch den Versuch, die Ukraine an NATO und EU zu binden, gar keine andere Wahl gehabt,als Maßnahmen zur Sicherung u.A. seines wichtigsten Schwarzmeerhafens zu ergreifen. Der Westen scheint mir hier eher der Agressor, der zudem gerade mit Nationalistischen Kräften gemeinsame Sache macht. Die Aktion gegen Alexander Pantelejmonow ist nichts Anders als die Einschränkung der Pressefreiheit, als Zensur. Die Ukraine hat(te) die Krim und braucht Geld, Energie und möchte Janukowitsch vor Gericht stellen. Russland hat Geld, Energie und Janukowitsch und braucht unbedingt die Krim. Die Krim möchte russisch sein. Allein den zensierenden und säbelrasselnden Betonköpfen auf beiden Seiten verdanken wir, daß diese Situation zu einer gefährlichen Krise werden konnte. Und diese ist mittlerweile deutlich gefährlicher geworden, als die Medien uns weißmachen wollen.
Verändert 19.03.2014
4. Mandatsentziehung
Das ist nicht unproblematisch- er ist ja gewählt, daran änder sich nichts, dass der Schläger ein Vollidiot ist. Was ist denn gegen ein zünftiges Strafverfahren einzuwenden ? Strafbare Nötigung wird man doch wohl auch in der Ukraine kennen. Klar, das ist nicht so öffentlichkeitswirksam, aber dafür rechtsstaatlich.
unnameduser 19.03.2014
5.
ojoj...das ist das wovon die bewohner krims immer reden. die haben sich verteidigt...vor sowas. die westlichen medien zeigen ja sonst NIE wie was passiert. was glaunt ihr wie alle alten regierumgsscheffs in kiew abesetzt wurden....mit gewalt und mit handschellen auf dem maidan gedehmütgt muss man nur im internet wie youtube genug suchen. aber europa glaubt ja der SELBSTERNANTEN regierung die mit gewalt an die spitze gekommen ist. denn mit mindestenz genau gleichen gewalt kam sie auch an die regierung!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.