Kämpfe in der Ostukraine Poroschenko warnt vor "umfassender Invasion"

Die Kämpfe im Osten des Landes flammen wieder auf, schweres Geschütz wird an die Front verlegt: Jetzt hat der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko in einer Rede an die Nation von drohenden Angriffen im Donbass gesprochen.

Ukrainischer Präsident Poroschenko: Warnung vor Krieg
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Ukrainischer Präsident Poroschenko: Warnung vor Krieg


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Der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko hat seine Landsleute vor einer militärischen Eskalation gewarnt. Trotz des vereinbarten Waffenstillstands bestehe weiterhin die Gefahr einer umfassenden Invasion an der gesamten Grenze zu Russland. Zudem würden bereits 9000 russische Soldaten die Aufständischen im Donbass unterstützen, sagte er.

Zur Ukraine-Krise äußerte sich auch der russische Außenminister Sergej Lawrow: Die getroffenen Vereinbarungen könnten jederzeit "wegen des Verhaltens der Behörden in Kiew auseinanderbrechen", sagte Lawrow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. Die Regierung in Kiew umgehe ihre "Verpflichtungen zum direkten Dialog" mit den prorussischen Kämpfern.

Poroschenko ging in seiner Rede auch auf die wirtschaftlich desolate Lage seines Landes und die Beziehungen zur Europäischen Union ein. "Ich bin wie alle unzufrieden mit der Geschwindigkeit der Reformprozesse", sagte er. Bis Ende August solle die Regierung alle technischen Voraussetzungen für den visafreien Reiseverkehr in die EU umsetzen, kündigte Poroschenko an. Im September wolle die EU die Fortschritte prüfen.

24 Tote in 24 Stunden

Er dankte zudem dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Geldgebern in der EU sowie den USA für Finanzhilfen. Diese hätten geholfen, "den Staatsbankrott abzuwenden und die makroökonomische Situation zu stabilisieren", so Poroschenko. Internationale Gläubiger haben der Ex-Sowjetrepublik ein Hilfspaket über 40 Milliarden Dollar zugesichert. Der IWF steuert rund 17,5 Milliarden Dollar bei und verlangt im Gegenzug Reformen.

Die Sicherheitslage in der Ukraine bleibt kritisch. In der Ostukraine war es in den vergangenen Tagen zu heftigen Zusammenstößen zwischen prorussischen Kämpfern und dem ukrainischen Militär gekommen. Die Armeeführung in Kiew brachte trotz des Minsker Friedensabkommens schwere Waffen an die Front zurück - angeblich, um eine Offensive der Aufständischen abzuwehren.

Bei den Kämpfen sind seit Mittwoch offenbar 24 Menschen ums Leben gekommen. Fünf Soldaten wurden nach Angaben eines Beraters von Staatschef Poroschenko getötet. Ein Vertreter der prorussischen "Volksrepublik Donezk" meldete zudem den Tod von 14 Aufständischen und fünf Zivilisten.

Poroschenko verteidigte den Einsatz schwerer Artillerie. Das Militär habe bei der Ortschaft Marjinka einen Angriff der prorussischen Separatisten "angemessen erwidert", sagte er. Derzeit würden 14 russische Kampfgruppen mit insgesamt mehr als 9000 Soldaten an der Seite der Aufständischen im Donbass kämpfen, behauptete er. Moskau weist solche Vorwürfe zurück.

In der Konfliktregion Donbass gilt seit Februar eine Feuerpause, die aber brüchig ist. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten vor Kurzem bei Kontrollen von Sammelstellen auf beiden Seiten festgestellt, dass die dort vor einiger Zeit gelagerten schweren Waffen verschwunden sind.

Insgesamt wurden in dem Konflikt in den vergangenen 14 Monaten nach Uno-Angaben mehr als 6400 Menschen getötet und mindestens eine Million Menschen in die Flucht getrieben.


Zusammengefasst: Der ukrainische Staatschef Petro Proschenko hat in einer Rede an die Nation vor einer russischen Invasion gewarnt. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow machte hingegen Kiew neue Vorwürfe. Bei Kämpfen im Osten der Ukraine wurden seit Mittwoch 24 Menschen getötet.

Video: Schwere Gefechte zwischen Armee und Separatisten

AP/dpa

mxw/AFP/Reuters/dpa/AP



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insgesamt 228 Beiträge
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Seite 1
Rechtschreibprüfer_der 04.06.2015
1.
Auf Bild.de ist schon seit gestern die "lange erwartete Sommeroffensive" ausgebrochen. Mit sage und schreibe 1000 Separatisten und 20 Panzern.
marthaimschnee 04.06.2015
2.
Die Russen haben gar keinen Grund, irgendwas zu invasionieren. Die können sich zurücklehnen und zusehen, wie die IWF Reformen das Land stragulieren.
Waschlaff Duschmann 04.06.2015
3.
Wenn die Russen zu dem Entschluss gelangen sollten vorzurücken werden sie das tun. Der einzige Grund warum das nicht passiert ist das sie es eigentlich nicht wollen. Sie mit Artillerie zu beschießen ist keine gute Idee. Sie werden sich das nicht lange anschauen und es gibt nichts was die Ukraine dem entgegensetzen könnte. Im Moment sieht das ganze so aus: At approximately 06:00hrs, an SMM unmanned aerial vehicle (UAV) observed intense shelling targeting an intersection of the H15 highway 3.5km south-west of Marinka. The UAV spotted four 2S3 Akatsiya 152mm self-propelled howitzers 9km south-west of the town at 15:30hrs.
Eutighofer 04.06.2015
4. Russland bereitet wohl mehr vor
Russland provoziert ein wenig, die Ukraine muss sich verteidigen, daraufhin wird Russland von einer "ukrainischen Aggression" sprechen und eine größere Invasion starten. Donezk allein ist nutzlos, Neurussland mit Mariupol und einem Krimzugang ist das Ziel.
testi 04.06.2015
5. War zu erwarten
Es war zu erwarten, dass bald wieder gekämpft wird. Weder die Russen, noch die Ukraine ist mit dem jetzigen Zustand zufrieden. Und ganz klar: Schuld hat immer der andere.
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