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Presseschau zu Ukraine und Russland: "Das Verhältnis ist so schlecht wie nie"

Neuer ukrainischer Präsident Poroschenko (l.) und Kreml-Chef Putin: Entspannung in Sicht? Zur Großansicht
AP

Neuer ukrainischer Präsident Poroschenko (l.) und Kreml-Chef Putin: Entspannung in Sicht?

Die Amtseinführung des neuen ukrainischen Präsidenten Poroschenko wird überschattet vom Konflikt mit Russland. Am Freitag traf er sich kurz mit Kreml-Chef Putin. Ein Zeichen der Entspannung? Internationale Medien sind skeptisch.

Hamburg/Kiew - Der ukrainische Oligarch Petro Poroschenko ist am Samstag vereidigt worden. Auch der russische Botschafter Michail Surabow nahm daran teil, damit erkannte Moskau den neuen Staatschef in der Ukraine quasi an.

Am Rande der Gedenkfeiern zur Alliierten-Landung in der Normandie vor 70 Jahren hatten Poroschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin sich zudem etwa 15 Minuten getroffen.

Die Moskauer Zeitung "Kommersant" bewertet die Ereignisse positiv. Russland mache damit "einen Schritt zur Deeskalation in seinem Verhältnis zur Ukraine". Auch der "Guardian" sieht das Gespräch als große Chance in dem seit Monaten schwelenden Konflikt.

Doch zahlreiche westliche Politiker und Beobachter bleiben skeptisch gegenüber Putin. Sie glauben nicht an eine sofortige Entspannung der Lage.

Die deutsche "Welt" warnt: "Ein Grund zu euphorischer Friedenshoffnung" sei das Treffen von Putin und Poroschenko "keinesfalls". Auch die "Süddeutsche Zeitung" meint, das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine sei nie so schlecht gewesen wie derzeit, "und so muss es schon als versöhnliche Geste gelten, dass Moskau immerhin einen Botschafter nach Kiew schickt".

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kommentiert: "Putin scheint inzwischen verstanden zu haben, dass die Ukraine-Krise für den Westen ein anderes Spiel ist als der Georgien-Konflikt. Er hat die Flamme im Osten des Landes etwas heruntergedreht, aber nur so weit, dass in Kiew, Berlin und Washington keiner vergisst, wer die Hand auch an diesem Gashahn hat. Die andere gab Putin in der Normandie Poroschenko, weil er weiß, wie sehr sich mancher im Westen über kleine Gesten freut, wenn sie nur als Zeichen der Entspannung gewertet werden können."

Auch der Zürcher "Tages-Anzeiger" glaubt nicht an eine rasche Beruhigung der Lage nach dem Treffen in der Normandie. "Das Gespräch fand hinter fest verschlossenen Türen statt: kein Handschlag, kein Wort der Anerkennung für den Mann, der bereits in der ersten Runde zum neuen Staatschef des Nachbarlandes gewählt worden ist. Damit hat Putin dem Westen unmissverständlich klargemacht: Der ukrainische Präsident ist für ihn nicht auf Augenhöhe."

Führende westliche Politiker warnen Putin

Putin habe durch seine Ukraine-Politik "enorm Vertrauen zerstört", sagt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im aktuellen SPIEGEL. "Russland ist derzeit kein Partner."

Auch US-Präsident Barack Obama bekräftigte am Freitag erneut: Ohne eine sichtbare Deeskalation in der Ostukraine werde Russland sich weiter isolieren. Er forderte unter anderem das Ende der Unterstützung für die Separatisten und einen Stopp russischer Waffenlieferungen an diese Gruppen. Wie bereits die G7-Staaten am Donnerstag erklärten, stellt der Westen Moskau ein Ultimatum: Wenn sich die Lage in der Ostukraine nicht binnen drei Wochen stabilisiert, drohen die USA und die EU mit neuen Sanktionen.

"Ukraine muss guten Willen zeigen"

Wie schwierig eine Einigung werden könnte, machte der Kreml-Chef am Freitag deutlich. Putin bescheinigte Poroschenko zwar eine richtige Strategie zur Beilegung des Konflikts in dessen Land: "Der Ansatz erscheint mir insgesamt richtig, er hat mir gefallen."

Zugleich machte er klar: Er erwartet von Kiew Zugeständnisse. Die Ukraine müsse jetzt "ihren guten Willen zeigen", so Putin. Die Operationen der ukrainischen Armee müssten "sofort beendet werden". Erst dann könne es Verhandlungen geben.

Poroschenko selbst begrüßte am Freitag die Aufnahme eines Dialogs mit Putin und sagte im ukrainischen Fernsehen, es gebe "gute Chancen" zu einer Lösung der Krise.

kgp/dpa/Reuters/AFP

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1. Wer seinen ...
freddygrant 07.06.2014
... Staat ruiniert hat und banrott ist wie die Ukraine darf mit Hilfe des Westens natürlich weiter Ansprüche stellen. Das kann ja noch was werden - bis zum nächsten Winter.
2. Jeden Tag
didiastranger 07.06.2014
ein Artikel. Etwas NEUES? NEIN! Alles schon einmal gelesen. Rubbish nennt man das hier auf der Insel.
3. Poroschenko ist mutig - was sagt Putin?
tweichner78 07.06.2014
Gewaltig mutiger Vorstoss - geht es nicht darum, erst einmal die Realitaet einer multipolaren Ukraine anzuerkennen? Ps. Wo ist der Presse-Kompass?
4.
fazil57guenes 07.06.2014
..........jetzt bin ich aber neugierig, ob "Pfarrer Gauck" zu Herrn Poroschenko, genauso deutliche Worte findet wie zu "Erdogan" oder ob die "pathologische Russlandphobie" unseres Präsidenten wieder in Erscheinung tritt.
5. Kaum zu glauben
Inselbewohner, 07.06.2014
Manchmal denkt man man glaubt es kaum! Da sind unsere G7 Regierungschefs unter die Erpresser gegangen. Also braucht Kiew und die NGO`s nur das zu tun was sie seit Monaten machen nämlich die Situation am köcheln zu halten und Russland die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wie wäre es denn mal wenn der Westen seine permanente Einmischung in Kiew zurückschraubt? Wenn der Westen allen voran die USA immer nur verlangen ohne auch etwas zu bieten wird der Konflikt noch Jahre dauern. Aber es ist wie es ist, der Westen ist stinkig, weil Russland das Filetstück der Ukraine zurückgeholt hat in seine Staatengemeinschaft. Mit dem Rest kann der Westen machen wie er will hauptsache die Ukraine tritt nicht der Nato bei! Gruß HP
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

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Staatsoberhaupt:
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