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Uno-Angaben: Hunderttausende fliehen vor Ukraine-Konflikt

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Ukrainische Flüchtlingsfamilie: Weg aus dem Kampfgebiet

Die Vereinten Nationen fürchten eine Massenflucht aus der Ukraine. Mittlerweile seien mehr als eine Million Menschen vertrieben worden. Bei den Kämpfen zwischen Rebellen und ukrainischen Truppen kamen bislang 2600 Menschen ums Leben.

Genf - Der bewaffnete Konflikt in der Ukraine dauert bereits seit mehreren Monaten an. Prorussische Milizen kämpfen im Osten des Landes erbittert gegen ukrainische Truppen. Dabei wurde bereits eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben, melden die Vereinten Nationen. Mindestens 260.000 Menschen hätten sich von den Krisengebieten in andere Gegenden innerhalb der Ukraine geflüchtet. Dieselbe Anzahl habe Moskauer Angaben zufolge in Russland Asyl oder einen Flüchtlingsstatus beantragt.

"Man kann mit Sicherheit sagen, dass mittlerweile über eine Million Menschen wegen des Konflikts vertrieben wurden", sagte Vincent Cochetel, Direktor des UNHCR-Büros für Europa. Dabei zähle er die Zahlen der Flüchtlinge innerhalb und außerhalb der Ukraine zusammen. 260.000 Flüchtlinge in der Ukraine seien eine niedrige Schätzung, sagte Cochetel. Weitere 814.000 Menschen seien mittlerweile in Russland gelandet. "Dazu kommen weitere aus Weißrussland, Moldau und der Europäischen Union", sagte Cochetel.

Anfang August hatte Moskau gemeldet, dass seit Jahresbeginn rund 730.000 Menschen von der Ukraine nach Russland ausgewandert seien. Diese Zahlen seien glaubwürdig, bestätigte Cochetel damals. Doch nicht alle von ihnen seien Flüchtlinge.

In ihrer vorherigen Schätzung vom 20. August hatte die Uno-Behörde noch von 190.000 Vertriebenen innerhalb des Landes gesprochen. "Was die andauernden Kämpfe in der Ostukraine in Donezk, Luhansk und den Süden der Region Donezk betrifft, sind wir sehr besorgt über das Risiko weiterer Abwanderung", sagte Cochetel.

Bei den Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine wurden nach Angaben der Vereinten Nationen fast 2600 Menschen getötet. Auch Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres sei sehr besorgt über das Risiko einer weiteren Massenvertreibung aus den Teilen der Ukraine.

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vek/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 145 Beiträge
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1. Konflikt nein, Krieg ja
denis111 02.09.2014
Wann hört diese ewige Verharmlosung in der Berichterstattung auf? Es handelt sich nicht um einen "Konflikt" in der Ukraine, sondern um Krieg. Damned!
2. Das ist Kapitalverbrechen,
westin 02.09.2014
verursacht durch die angreifende Regierungstruppen.Anstatt sich 6 Monate intesiv in Verhandlugen zu einigen,wird geschossen.
3. 1 Mio Vertriebene?
bigbaer 02.09.2014
1 Mio Vertriebene - und das heißen wir gut und unterstützen das? Ich dachte es geht da nur um Terroristenbekämpfung? Scheint ja wohl doch eher so zu sein, dass hier Kiew einen Krieg gegen das eigene Volk führt!
4. Putin kann nur verlieren
DirkSt 02.09.2014
Putin mag einen Krieg gewinnen können. Aber die Ressourcen, die es braucht, um die in immsenem Umfang zerstörte Infrastruktur einer dann besetzten Ukraine wieder herzurichten, dürften Russland genauso massiv fordern wie die Versorgung von Hunderttausenden Flüchtlingen. Ich kann jedenfalls den "Plan" nicht erkennen - warum sollte es Russland in Kauf nehmen, eine Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage zu verursachen (und wenigstens das wird bei zunehmenden Sanktionen passieren, wenn schon Verstöße gegen Menschen- und Völkerrecht im 21. Jahrhundert nicht mehr robust geahndet werden) und gleichzeitig die Anforderungen an das System massiv zu erhöhen. Und sowohl die Flüchtlinge als auch die Konsolidierung eines dann besetzten Gebietes der Ukraine sind ein Muss, wenn Putin sich nicht eine weitere unzufriedene "Klientel" züchten möchte. Diesen Gesamtkonflikt kann er nur verlieren. Russland und sein Ansehen haben in jedem Fall schon massiv verloren und Schaden für die Zukunft erlitten.
5.
cn459 02.09.2014
Warum laufen denn über 800.000 Menschen nach Russland? Das sind doch die Bösen. Wenn die EU es ernst meint, mit dem Statement wir kämpfen in der Ukraine für westliche Werte, dann würde man die Visumsfreiheit für ukrainische Bürger einführen.
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Kampf um die Ukraine: Was wollen die Großmächte?
AP/dpa

RUSSLAND:
Die potentielle Annäherung der Ukraine an die EU wird von Moskau schon länger als machtpolitische Gefahr wahrgenommen. Über Jahrhunderte sah Russland die Ukraine in seinem Einflussbereich. Entsprechend kritisch sieht der Kreml nun auch die prowestlichen Demonstrationen in dem Nachbarland und bezichtigt den Westen, den Aufstand zu schüren. Dahinter steckt möglicherweise auch die Sorge, die prowestlichen Proteste könnten auf Russland überspringen. Monate bevor das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU unterzeichnet werden sollte, hatte Putin den Druck auf dem mittlerweile in Ungnade gefallenen Präsidenten Wiktor Janukowitsch mit Handelssanktionen und einer massiven Propaganda-Kampagne erhöht. Offenbar mit Erfolg. Ende November zog die Ukraine ihre geplante Unterschrift unter das Abkommen mit der EU zurück. Moskaus Belohnung folgte: Senkung des Gaspreises um ein Drittel und ein 15 Milliarden Dollar-Kredit für die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Ukraine. Russland nutzt die zögerliche Auszahlung der Tranchen offenbar als politisches Druckmittel. Auch vor der erneuten Eskalation der Gewalt drängte der Kreml Janukowitsch, Zugeständnisse an die Opposition nicht zu gewähren bzw. zurückzunehmen und den Widerstand mittels Staatsgewalt zu brechen.

AFP

USA:
Angesichts der Haltung Russlands ist die Krise in der Ukraine auch für die USA von strategischer Bedeutung. Bislang hatte Washington vor allem auf die außenpolitischen Bemühungen der EU gesetzt, doch mittlerweile wird die eigene Zurückhaltung offenbar zunehmend aufgegeben. Dies zeigte vor einigen Tagen auch das öffentlich gewordene Telefonat der US-Diplomatin Victoria Nuland mit dem US-Botschafter in Kiew, in dem sie die Haltung der EU in der Ukraine-Frage als zu lasch kritisierte und auch auf eine Vermittlerrolle der Uno hoffte. Die USA arbeiten daran, eine handlungs- und regierungsfähige ukrainische Opposition aufzubauen und drohten der ukrainischen Führung offen mit Sanktionen. Gleichzeitig lockt Washington mit wirtschaftlicher Hilfe, knüpft diese jedoch an politische und wirtschaftliche Reformen.

REUTERS

EU:
Jahrelang verhandelte die EU mit der Ukraine über ein Assoziierungsabkommen. Die damit verbundenen demokratischen und wirtschaftlichen Reformen sollten das Land enger an Europa binden. Präsident Wiktor Janukowitsch lehnte jedoch auf Druck Russlands das fertig ausgehandelte Abkommen im vergangenen November ab. Die EU bekräftigte danach, weiterhin offen für Verhandlungen zu sein. In dem Konflikt zwischen Regierung und Opposition versucht sie nun unter der Führung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zu vermitteln und bot Kiew Unterstützung bei einer Verfassungsreform an. Zunächst lehnten die EU-Außenminister Sanktionen gegen die ukrainische Regierung ab, doch werden nach der Gewalteskalation Stimmen für Strafmaßnahmen lauter.

DPA

DEUTSCHLAND:
Nach dem Scheitern des Assoziierungsabkommens stellte Angela Merkel klar, "Die Tür für die Ukraine bleibt offen". Im folgenden Konflikt zwischen Regierung und Demonstranten versuchte Berlin zu vermitteln und die Opposition zu stärken, vor allem den Profiboxer Vitali Klitschko. Außenminister Frank-Walter Steinmeier antwortete auf Kritik Moskaus an einer Einmischung der EU, man müsse von der Vorstellung Abstand nehmen, "dass die Ukraine Teil eines geopolitischen Schachspiels ist." Nach der Eskalation der Gewalt drohte Merkel zusammen mit dem französischen Präsidenten François Hollande der ukrainischen Regierung mit Sanktionen.

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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