Ostukraine Mehr als 300 Menschen binnen zehn Tagen getötet

Im Osten der Ukraine werden weiter täglich Menschen getötet - trotz der offiziellen Waffenruhe. Mehr als 4000 Menschen fielen seit April dem Konflikt zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Separatisten zum Opfer.

Pro-Russischer Separatist (im im August 2014): Verheerende Opferbilanz
AP/dpa

Pro-Russischer Separatist (im im August 2014): Verheerende Opferbilanz


Donezk - Im Osten der Ukraine sind nach UN-Angaben allein in den vergangenen zehn Tagen mehr als 300 Menschen getötet worden. Damit steige die Zahl der seit Ausbruch des Konflikts im April getöteten Menschen auf 4035, teilte die UNO mit. Eigentlich gilt seit Anfang September eine Waffenruhe zwischen den ukrainischen Streitkräften und prorussischen Separatisten, die in den Großstädten Donezk und Luhansk zwei sogenannte Volksrepubliken ausgerufen haben.

Die Opferbilanz der UNO schließt jene 298 Menschen mit ein, die im Juli beim Absturz der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine ums Leben kamen. Nach UN-Angaben wurden durch den Konflikt 930.000 Menschen aus ihren Wohnorten in den Regionen Donezk und Luhansk vertrieben. Fast 490.000 Flüchtlinge suchten demnach Schutz im Ausland, die meisten davon im benachbarten Russland.

Die UN veröffentlichte den Bericht zwei Tage vor den von den Separatisten geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Donezk und Luhansk. Diese Abstimmungen seien "ein Hindernis für die Friedensverhandlungen und werden sich negativ auf die humanitäre Lage in den Konfliktgebieten auswirken", erklärte die UNO. Die Vereinten Nationen kritisierten zudem die "einseitige" Entscheidung Russlands, einen neuen Konvoi mit Hilfsmitteln in den Osten der Ukraine zu entsenden.

jat/afp

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dunnhaupt 31.10.2014
1. Putins Kalkül ging total schief
Jegliche Hoffnung von einem blumenbekränzten Einzug als "Befreier" in das besetzte Gebiet unter dem Jubel der Bevölkerung mag Putin wohl getrost aufgeben. Viertausend Tote und eine Million Flüchtlinge hat sein militärisches Abenteuer bisher gekostet, von den Milliardensummen, den Zerstörungen und dem Vertrauensverlust ganz abgesehen.
rwj 31.10.2014
2. Tja
Dieser Konflikt dauert schon so lange....ich frag mich, wie lange es wohl noch dauert, bis sich dort mal endlich die Vernunft wieder zeigt...
Satelit1 01.11.2014
3. Wieso der Aufstand ?
Ja, klar die Separatisten beschissen sich selbst , wenn es auch sein soll, mit ballistischen Raketen. Also , Kiev darf nach dem Putsch sich selbt legalisieren und Wahlen durchführen. Alles legitim , die schmutzigsten Wahlen ( mit Bestechungen, Schlägereien, Drohungen und ect) in der Geschichte Ukraine werden im Westen als hoch demokratisch gelobt. Der Osten der Ukraine darf es nicht. Poroschenko hat für Donezk und Lugansk die Wahlen auf Dezember geplant. Es wäre nett, vorher in Minsk die Vertreter vom Osten zu fragen. Der ganze Aufschrei, weil sie es früher machen wollen ? Ich verstehe die Logik nicht, vorher schreit Kiev ganz laut es gäbe im Osten keine legitime Macht, die deren würdig ist. Will man im Osten legitime Wahlen organisieren, schreit Kiev und Westen im Chor, man darf es nicht. Also die Einwohner eigenes Staates aus Raketen und Panzer erschiessen, ist für den EUSA OK. , Wahlen sind schlecht ??? Hinterher wundert man sich, dass die Leute sich vollkommen von dieser Regierung abwenden und sich eigene Regierung wählen wollen. Verwunderlich?
newsoholic 01.11.2014
4. Wann zieht Kiew endlich seine Truppen ab?
Es dürfte doch mittlerweile endlich klar sein, dass dieser Konflikt mit kriegerischen Mitteln nicht beigelegt werden kann. Die USA wollen die Ukraine in die NATO bekommen und Russland weiter einzukreisen, und Russland will genau das verhindern. Als der gewählte Präsident Yanukowitsch sich der eurasischen Friehandelszone anschließen wollte, standen plötzlich US- und EU-Politiker auf dem Maidan, seit an seit mit rechtsradikalen Hooligans, die auf Polizisten schossen und Regierungsgebäude besetzten. Und den resultierenden Putsch erkannte der Westen als scheinbar "demokratisch" an. nannte man dann Demokratie, genauso wie man den hitlergrüßenden Jazenjuk als Demokraten anerkennt. Nein, so wird das nichts mit der Ukraine. Wenn Kiew den Osten auf Dauer im Land behalten möchte, dann muss die Regierung auf die russischestämmige Bevölkerung zugehen. Und die Bundesregierung sollte sich in Washington dafür stark machen, dass die Ukraine nicht, und zwar nie, in die NATO eintritt. Dann klappt es auch mit dem Frieden in Europa.
KingTut 01.11.2014
5. Waffenstillstandsvereinbarungen
Hat jemand allen Ernstes daran geglaubt, dass sich die prorussischen Söldner an die Waffenstillstandsvereinbarungen halten? Sie werden so lange keine Ruhe geben, bis sie sich den gesamten Süd-Osten der Ukraine einverleibt haben. Es ist eine Schande, wie hier eine Region mit Krieg und Tod überzogen wird, einschließlich dem Abschuss einer Passagiermaschine mit 298 Unschuldigen an Bord, dessen Untersuchung die Separatisten bis jetzt erfolgreich verhindert haben. Die Konsequenz daraus kann nur sein, dass wir die Sanktionen aufrechterhalten und ggf. ausweiten. Insbesondere sollte jetzt und für die Zukunft die Lieferung von Rüstungsgütern an diesen Aggressor eingestellt werden. Heute sehen wir uns unerträglichen Provokationen gegenüber und morgen richten sich unsere Waffen vielleicht gegen uns.
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