Zusammenbruch der Grundversorgung Uno warnt vor Massenflucht aus der Ostukraine

Die Vereinten Nationen befürchten eine Flüchtlingswelle aus der Ostukraine. Hintergrund sei der drohende Zusammenbruch der Grundversorgung, schon jetzt fehle es an wichtigen Medikamenten. Viele Menschen hätten zudem Angst vor Kriminellen.

Bewohner eines zerstörten Hauses in Slowjansk: Laut Uno fehlen schon jetzt wichtige Güter für die alltägliche Versorgung
AP

Bewohner eines zerstörten Hauses in Slowjansk: Laut Uno fehlen schon jetzt wichtige Güter für die alltägliche Versorgung


Kiew - Die Vereinten Nationen haben vor einer Flüchtlingswelle aus der Ostukraine gewarnt. Nach einem Besuch in Donezk sagte der Uno-Vizegeneralsekretär für Menschenrechte, Ivan Simonovic, am Montag, in der Stadt herrsche Angst. "Und sie ist weitverbreitet", ergänzte er. Diese Angst entstehe nicht nur wegen der Sicherheitslage in der Region: "Sie hat auch etwas mit der gewöhnlichen Kriminalität zu tun. Es herrscht eine Stimmung der Gesetzlosigkeit, ein Gefühl, keinen Schutz zu haben."

Seit Beginn der Krise sind nach Uno-Angaben schon rund 10.000 Menschen zu Flüchtlingen geworden. Vertreibungen hätten schon vor dem Referendum Mitte März auf der Halbinsel Krim begonnen und "seither allmählich zugenommen", erklärte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Viele Menschen bereiteten sich darauf vor, die Region zu verlassen - nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern wegen ihrer sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven. "Es könnte ein großer Exodus werden und es wird eine große Herausforderung darstellen." Ein wichtiger Grund sei auch der drohende Zusammenbruch der Grundversorgung. Vor allem in der Region Donezk gehe inzwischen der Vorrat an lebenswichtigen Gütern wie etwa Insulin und anderen Medikamenten aus. "Ich habe den Eindruck, die sozialen Dienste, das gesamte System in Donezk stehen am Rande des Zusammenbruchs", sagte Simonovic.

Uno zieht Parallelen zu Jugoslawien

Der kroatische Diplomat sieht noch eine Chance, die Krise auf friedlichem Wege zu lösen. Doch müsse diese auf nationaler und internationaler Ebene rasch genutzt werden, sonst drohe dem Land die endgültige Spaltung und möglicherweise sogar ein Krieg wie nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens. "Der Vergleich ist durchaus angebracht", sagte Simonovic. "Wir sollten die Lektion gelernt haben, ein derart hoher Preis sollte der Ukraine erspart werden."

Die Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag könnte dem Uno-Vertreter zufolge der "Beginn einer neuen Phase" in dem Bemühen sein, das Land aus der Spaltung zwischen EU-orientierten Kräften und prorussischen Aktivisten zu führen. Niemand aber sollte sich davon ein "Wunder" versprechen. Nötig sei zudem weitere internationale Vermittlung unter Einschluss Russlands sowie ein nationaler Dialog mit allen regierungskritischen Kräften, die zu einem Konsens bereit seien, sagte Simonovic.

Simonovic zufolge liegen der Uno allerdings Informationen vor, wonach im Osten des Landes Mitglieder der Wahlkommission entführt, misshandelt und eingeschüchtert worden seien. Derartige Vorgänge würden die Präsidentenwahl erschweren. Die Regierung in Kiew räumte am Montag ein, dass in Teilen des Ostens eine normale Abstimmung unmöglich sein werde.

ler/Reuters/AFP

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picar 20.05.2014
1. Welcome to Russia
So sieht also die neue russische Glückseligkeit der Separatisten aus: Krieg, Korruption, Kriminalität, Armut und Vertreibung. Bald werden hier die Putin-Versteher wie wild posten, dass daran natürlich auch der Westen die Schuld trägt.
Grafsteiner 20.05.2014
2. Kläffer an der Leine
Nicht loslassen, USA. Dann verschwinden solche Kläffer meistens -aus Panik getrieben- in einer Staubwolke. Aber interessant. Die UN beteiligt sich an der allgemeinen Kriegshetze im Westen. Wie sie schon die Plattform für die Kriegshetze der USA gegen den Iran war. United Propaganda Instrument of the USA. Nennt Euch um in UPI.
Steuerbürger Auspressen 20.05.2014
3. Ich habe auch Angst...
vor einer Massenflucht aus der Ukraine und den den dortigen Kriminellen, für die unsere Polizeibeamten folkloristisches "Popkorn" sind. (siehe Libanesen-Clans in Berlin, Hamburg, Bremen) Denn sie kommen zu uns! Ich habe weiter Angst vor der Massenflucht aus Syrien, bald Afghanistan, Nordafrika - und sehe überall Kräfte am Werk, die diese Länder mit dem Segen der "westlichen Demokratie-Vorstellungen" beglücken wollten - und das krasse Gegenteil, nämlich Angst, Chaos, Verwüstung und die Diktatur von Mördern und Kriminellen ernten. Und weder in Syrien noch in der Ukraine oder Nordafrika sind unsere Politiker in der Lage, den Frieden wieder herzustellen....
Jom_2011 20.05.2014
4. .
Der erste Schritt wäre, die NATO und die EU drängt die Kiewer "Übergangsregierung" zum Abzug aller Kampftruppen aus dem Krisengebiet. Danach sollten UNO-Friedenstruppen nebst Hilfsmaßnahmen sich um Versorgung und Waffenruhe kümmern. Eine neue Regierung, installiert durch eine reguläre Wahl unter Kontrolle der UNO, muß danach zielstrebig unter Einbeziehung aller Kräfte einen nationalen Konsens erzielen. Auch wenn die Ostukraine am Ende einen Sonderstatus erhält, oder, im Extremfall, sich für eine Angliederung an Rußland entscheidet. Der Westen sollte endlich kapieren, daß durch Anheizen der Spannungen kein Frieden möglich sein wird. Pragmatismus ist gefragt, keine Drohungen.
ihawk 20.05.2014
5. Schnelles Vergessen
Unabhängig der korrupten und reformbedürftigen Regierung in der Ukraine, sollten wir eines nicht vergessen: Das Feuer hat die USA (fuck the EU) finanziert und angezündet. Die EU hatte nicht den Mut, sich anderen Lösungen zu öffnen und in beschämender Weise demonstriert, dass wir alles mitmachen was die USA diktiert. Langsam begreifen auch die Medien, wie sie gleichgeschaltet wurden und mit voreilendem Gehorsam Propaganda verbreitet haben ... Das Begreifen der Fehlentwicklung geht aber nur sehr langsam voran und eine klare Schuldzuweisung gilt als verboten. Um Gottes Willen ja nicht die USA kritisieren, deren "Unmut" könnte schlimme Folgen haben ... Eine Freundschaft stelle ich mir anders vor.
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