Kämpfe in der Ostukraine "Praktisch jedes Haus zerstört"

Nach ukrainischen Angaben sind die Verwüstungen um Donezk enorm. Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa". Dies sagte Grybauskaite kurz vor dem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs.


Donezk/Kiew/Brüssel - Die Bilanz der Auseinandersetzung zwischen prorussischen Separatisten und Truppen der Ukraine in der Region Donezk ist erschreckend: In dem Ort Nowoswitliwka hätten russische Panzer "praktisch jedes Haus zerstört", sagte ein ukrainischer Militärsprecher. Präsident Petro Poroschenko erklärte in Brüssel, dass sich inzwischen Tausende ausländische Soldaten und Hunderte ausländische Panzer in der Ukraine befänden.

Der ukrainische Sicherheitsrat teilte über Twitter mit, Russland setze die "direkte militärische Aggression gegen die Ostukraine" fort. Die Nato schätzt, dass mindestens tausend russische Soldaten in der Ukraine im Einsatz sind. Die Regierung in Moskau weist sämtliche Vorwürfe zurück.

Der Kommandeur des ukrainischen Bataillons Donbass, Semjon Semjontschenko, sagte, dass viele Soldaten in Gefangenschaft der Separatisten seien. Präsident Petro Poroschenko habe ihn darüber informiert, dass sie ausgetauscht würden gegen russische Soldaten, die in der Stadt Charkiw festgehalten würden. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte behauptet, die russischen Militärangehörigen seien versehentlich über die Grenze auf ukrainisches Gebiet gelangt.

Keine einheitliche Linie innerhalb der EU

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte im Vorfeld des EU-Sondergipfels der Staat- und Regierungschefs: "Wir fordern Russland weiterhin auf, die Feindseligkeiten sowie den Fluss von Waffen, Ausrüstung und Personal in den Konflikt zu stoppen und seine Truppen aus der Ukraine zurückzuziehen."

Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa". Russland befinde sich im Kriegszustand gegen die Ukraine, die näher an Europa rücken wolle, sagte Grybauskaite vor dem EU-Gipfel. "Das heißt, Russland ist praktisch im Krieg gegen Europa."

EU-Ratspräsident José Manuel Barroso warnte Russland davor, die Entschlossenheit der EU zu unterschätzen. Sie werde ihre Prinzipien und Werte verteidigen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Poroschenko in Brüssel.

In Paris trafen sich vor dem beginnenden EU-Gipfel sozialdemokratische Spitzenvertreter aus den EU-Staaten. Der französische Präsident François Hollande zeigte sich überzeugt, es würden wahrscheinlich neue Sanktionen beschlossen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der als Vizekanzler an dem Treffen teilnahm, sagte, die EU-Kommission werde "sicher" die nächsten Schritte vorbereiten, "um Sanktionen zu verschärfen". Getroffen werden müssten "die Oligarchen".

Nach Einschätzung des finnischen Ministerpräsidenten Alexander Stubb existiert allerdings keine einheitliche Linie in der EU. "Es gibt Länder, die die Sanktionen sofort verschärfen wollen, und es gibt Länder, die eine gelassenere Herangehensweise befürworten", sagte Stubb. "Wenn Russland seine Destabilisierungsanstrengungen fortsetzt, ist es richtig, die Sanktionen zu verschärfen, aber ich hoffe, dass das nicht geschieht", so Stubb.

cbu/dpa/Reuters

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