EU und Ukraine Klitschko zweifelt an Kurswechsel von Janukowitsch

Vitali Klitschko bezweifelt, dass die ukrainische Regierung das Assoziierungsabkommen mit der EU doch noch unterzeichnet. Der Oppositionsführer will das Land selbst näher an Europa führen. Der Box-Weltmeister hat sein Ziel bekräftigt, bei der nächsten Präsidentenwahl anzutreten.

Oppositionsführer Klitschko: "Wir müssen kämpfen für unser Land"
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Oppositionsführer Klitschko: "Wir müssen kämpfen für unser Land"


Kiew/Hamburg - Oppositionsführer Vitali Klitschko zweifelt daran, dass die Kiewer Regierung wieder auf einen prowestlichen Kurs einschwenkt. Den Erklärungen, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union könne vielleicht doch noch bald unterzeichnet werden, traue er nicht, sagte Klitschko am Donnerstagabend in der ARD. "Unser Präsident hat schon zigmal seit drei Jahren versprochen, das Abkommen zu unterschreiben", stattdessen fliege er nach Moskau.

Klitschko bekräftigte, dass er bei einer Neuwahl in der Ukraine als Präsidentschaftskandidat antreten wolle. "Ich habe die Entscheidung getroffen: Ich werde teilnehmen", sagte Klitschko. "Ich werde kandidieren." Er sei fest davon überzeugt, dass Reformen nötig seien. "Wir müssen kämpfen für unsere Vision und unser Land."

In einem Gastbeitrag in der "Bild"-Zeitung bedankte sich Klitschko für die Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland: "Der Kontakt zu Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle oder auch dem CDU-Außenpolitiker Elmar Brok ist sehr ermutigend und hilft uns weiter." Zuvor hatte der SPIEGEL berichtet, dass die Bundesregierung Klitschko im Machtkampf um die Ukraine unterstützen will.

USA erwägen Sanktionen gegen die Ukraine

Die Abgeordneten des EU-Parlaments hatten sich am Donnerstag solidarisch mit den Gegnern von Präsident Wiktor Janukowitsch erklärt. Sie kündigten die rasche Entsendung einer Delegation nach Kiew an und forderten einen Dialog zwischen der Regierung und ihren Gegnern. Zugleich betonten die Parlamentarier, die EU müsse über Zwangsmaßnahmen nachdenken. Die USA erwägen Sanktionen gegen Kiew.

Die EU sicherte der Ukraine erneut finanzielle Unterstützung zu, falls sie das Partnerschaftsabkommen unterzeichne. Kiew hatte eine Kredithilfe von 20 Milliarden Euro gefordert. Vor dem Ostpartnerschaftsgipfel Ende November in Litauen stellte die EU laut Diplomaten 600 Millionen Euro in Aussicht. Auf Druck der russischen Regierung hatte Kiew den Abschluss des Abkommens über Zusammenarbeit und freien Handel aber auf Eis gelegt.

Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte seinen Willen zur Partnerschaft mit dem Nachbarland. "Wir zwingen niemandem etwas auf. Aber wenn unsere Freunde den Wunsch zur gemeinsamen Arbeit haben, sind wir bereit", sagte er in Moskau bei seiner Rede an die Nation. Er warb erneut für eine Zollunion mit der Ukraine.

syd/dpa/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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movfaltin 13.12.2013
1. Klitschko suspekt
Zitat von sysopREUTERSVitali Klitschko bezweifelt, dass die ukrainische Regierung das Assoziierungsabkommen mit der EU doch noch unterzeichnet. Der Oppositionsführer will das Land selbst näher an Europa führen. Der Box-Weltmeister hat sein Ziel bekräftigt, bei der nächsten Präsidentenwahl anzutreten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-vitali-klitschko-will-praesident-werden-a-938813.html
Klitschko ist mir mittlerweile hochgradig suspekt. Er lässt sich instrumentalisieren, wo es nur geht. Er sollte für die Interessen seines Landes, das mir bei der orangenen Revolution Hochachtung abnötigte, einstehen, und jeglichen - auch EU-seitigen - Einfluss von außen aufs Entschiedenste zurückweisen. Ein jeder Politiker ist für seinen Sprengel verantwortlich - und nicht nur für seine Kampfbörse.
Dramaturg 13.12.2013
2. Klitschko for president
Darauf hatte ich eigentlich nur noch gewartet. Stark im Arm, schwach im Hirn. Es sind immer dieselben Muster, nach denen die Menschen funktionieren: Geld und Macht.
viceman 13.12.2013
3. richtig, es wechselt die
Zitat von movfaltinKlitschko ist mir mittlerweile hochgradig suspekt. Er lässt sich instrumentalisieren, wo es nur geht. Er sollte für die Interessen seines Landes, das mir bei der orangenen Revolution Hochachtung abnötigte, einstehen, und jeglichen - auch EU-seitigen - Einfluss von außen aufs Entschiedenste zurückweisen. Ein jeder Politiker ist für seinen Sprengel verantwortlich - und nicht nur für seine Kampfbörse.
macht dann nur von einem oligarchen (richtiger verbrecher)-lager zum anderen! wenn herr klitschko wenigstens seine kampfbörse in "seiner heimat" versteuern würde-macht der ja nichtmal in deutschland. neulich mußte ich lesen, er mußte seine "heimatsprache" erst lernen - soviel zu diesem "gauckler"
ringelpietz 13.12.2013
4.
Zitat von movfaltinKlitschko ist mir mittlerweile hochgradig suspekt. Er lässt sich instrumentalisieren, wo es nur geht. Er sollte für die Interessen seines Landes, das mir bei der orangenen Revolution Hochachtung abnötigte, einstehen, und jeglichen - auch EU-seitigen - Einfluss von außen aufs Entschiedenste zurückweisen. Ein jeder Politiker ist für seinen Sprengel verantwortlich - und nicht nur für seine Kampfbörse.
Es handelt sich um einen Putschversuch gegen eine demokratisch gewählte Regierung! Gesteuert von der EU und (wie eigentlich bei jeder Schweinerei in letzter Zeit) unterstützt von den deutschen Medien.
nofclbri 13.12.2013
5.
das problem ist, dass eine demokratie nicht gleich eine demokratie ist. denkt man an die ddr, china ... selbst wenn es mehrere parteien gibt, werden die teils unterdrückt. dass klitschko den politiker gibt, heißt nicht unbedingt, dass es ihm um die macht geht. ich bin wirklich kein fan vom boxen, trotzdem finde ich es gut, dass gegen die unterdrückung ankämpft. wäre er nicht so bekannt und populär im westen, würde hier im westen doch keiner berichten - oder kennen sie einen vertreter der anderen parteien oder deren namen? über die ukrainische/russische presse würden sie nur hören, dass das (achtung, doppeldeutig) gemeine volk in einer (achtung, möglicher sarkasmus) freien (möglicher sarkasmus ende) demokratie lebt und dermaßen gegen die regierung protestiert! wo es ihnen doch in putins händen so gut ginge!
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