Eskalation vor der Krim Trump droht mit Absage des Putin-Treffens

"Ich mag diese Aggression nicht": Eigentlich wollte der US-Präsident seinen russischen Amtskollegen beim G20-Gipfel treffen. Doch laut Trump wird der Termin "vielleicht" platzen. Hintergrund ist die Krise zwischen Moskau und Kiew.

Donald Trump im Oval Office
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Donald Trump im Oval Office


US-Präsident Donald Trump hat wegen der Ukraine-Krise damit gedroht, ein geplantes Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin abzusagen. In einem Interview mit der US-Zeitung "Washington Post" sagte Trump, er warte auf einen Bericht seiner Sicherheitsberater zum Zwischenfall mit russischen und ukrainischen Schiffen vor der Halbinsel Krim.

Der Bericht werde "sehr entscheidend" sein, sagte Trump. "Vielleicht" werde das Treffen mit Putin nicht stattfinden. Auf die Frage, ob Russlands aggressives Verhalten Anlass zur Sorge für die US-Bevölkerung sei, sagte Trump im Oval Office: "Ich mag diese Aggression nicht. Ich will diese Aggression absolut nicht. Außerdem sollte auch Europa diese Aggression nicht mögen. Und Deutschland sollte diese Aggression nicht mögen."

Trump wollte den russischen Präsidenten am Rande des zweitägigen G20-Gipfels in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires Treffen, der am Freitag beginnt. Laut Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton sollte es bei dem Gespräch der beiden Präsidenten unter anderem um Sicherheitsthemen, Waffenkontrolle, die Lage im Nahen Osten und der Ukraine gehen.

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SPIEGEL ONLINE/dpa

Die Krise zwischen Russland und der Ukraine hatte sich am Sonntag mit einer Marine-Konfrontation in der Straße von Kertsch noch einmal verschärft: Die russische Küstenwache hinderte zwei Patrouillenboote und einen Schlepper der ukrainischen Marine mit Gewalt daran, vom Schwarzen Meer in das Asowsche Meer durchzufahren. Die ukrainischen Besatzungen wurden festgenommen, ihnen wird illegaler Grenzübertritt vorgeworfen.

Moskau und Kiew beschuldigen sich gegenseitig, für die Eskalation verantwortlich zu sein. Russland wirft der Ukraine eine Grenzverletzung und "Provokation" vor. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko behauptet, die russische Armee habe die Zahl ihrer Panzer entlang der Grenze zur Ukraine verdreifacht - und warnt vor einem drohenden Krieg.

US-Regierung droht China mit neuen Strafzöllen

In Buenos Aires ist am Samstagabend auch ein Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping geplant - es wäre das erste seit den jüngsten Handelsstreitigkeiten beider Länder. Aus dem Weißen Haus gab es dazu am Dienstag neue Drohungen: Die Wirtschaft der Volksrepublik würde unter einem Handelskrieg stärker leiden als die amerikanische, sagte Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow. Die US-Regierung sei "extrem enttäuscht" von Chinas bisheriger Haltung in den Handelsgesprächen. Das Treffen von Trump und Xi könne aber ein Wendepunkt sein.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, könnten die USA die verhängten Sonderzölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar anheben - von zehn Prozent auf 25 Prozent, sagte Kudlow. Schlimmstenfalls könnten die Amerikaner sogar alle Warenimporte aus China im Wert von insgesamt über 500 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen. "Das mag nicht die erste Wahl sein, ich sage nur, das ist eine Sichtweise."

Wen Trump in Buenos Aires noch trifft - und wen nicht

Nach Angaben des Weißen Hauses stehen für Trump in Buenos Aires sieben bilaterale Treffen auf dem Programm, darunter auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem japanischen Premierminister Shinzo Abe sowie dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Trump-Sprecherin Sarah Sanders nannte die Reise zum G20-Gipfel eine Gelegenheit für den Präsidenten, die Beziehungen mit anderen Anführern zu verfestigen.

Ausdrücklich nicht auf der Liste steht der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. "Die Möglichkeiten für bilaterale Treffen sind voll bis überfüllt", sagte Bolton zur Begründung. Trump selbst hatte ein Treffen mit dem Kronprinzen zuvor ins Gespräch gebracht. Mohammed bin Salman steht im Verdacht, den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Generalkonsulat in Istanbul beauftragt zu haben. Unter anderem der US-Geheimdienst CIA war zu dieser Einschätzung gekommen.

Trump sagte im Interview mit der "Washington Post" über Mohammed bin Salman: "Vielleicht hat er es getan, vielleicht auch nicht." Der Kronprinz bestreite die Vorwürfe im Fall Khashoggi, genauso wie Menschen im Umfeld des Kronprinzen. Und die CIA habe nicht eindeutig bejaht, dass Mohammed bin Salman die Ermordung in Auftrag gegeben habe.

aar/AFP/dpa/Reuters/AP

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Ventil4tor 28.11.2018
1. Keine Absage
Es wäre falsch Putin abzusagen. Ein Konflikt läßt sich so nicht lösen. Das Gespräch suchen, Herr Trump! Ich traue zwar weder Russland, noch der Ukraine, aber bisher habe ich ein großes Fragezeichen was Poroschenko's Handlungen betrifft. Das ergibt keinen Sinn. Kommt mir eher wie ein Schrei nach Aufmerksamkeit vor. In den Medien ist diese Krise ziehmlich verschwunden und jetzt dieses fragwürdige Rumgepolter seitens Poroschenko.
nessuma 28.11.2018
2. Schon dieser Spruch
"Europa sollte die Aggression nicht mögen und Deutschland auch nicht" ist völlig überflüssig und enthält eine unterschwellige Unterstellung. Die Position Deutschlands und Europas ist klar und nicht mißzuverstehen. Die Überlegung, das Treffen mit Putin platzen zu lassen, weist in eine völlig falsche Richtung. Anstatt das Gespräch zu suchen, wird mit Mißachtung "bestraft". Als ob das Putin interessieren würde; statt dessen sollte DT sich überlegen, warum wohl Putin Merkel und nicht ihn angerufen hat. Zum anderen ist ein Treffen von Merkel mit ihm vertane Zeit, das er sich wieder über altbekannte Themen auslassen wird. Das bringt nichts, wieder über Handelsüberschüsse, NATO und Autos aus Deutschland zu reden, die die USA überschwemmen, so das amerikanische Autobauer ihre Werke schließen müssen (stimmt zwar nicht, aber in Donald's Welt ist alles möglich).
quark2@mailinator.com 28.11.2018
3.
Ahhh, das ist also der Hintergrund. Hatte mich schon gefragt, was genau dahinter steckt. Erst dachte man ja, Poroshenko will seine Wahlchancen verbessern. Dann fragte man sich, ob es um das Kriegsrecht geht. Aber das Treffen zwischen Trump und Putin zu vergiften macht natürlich Sinn. Frage mich nur, was Russland davon hat. Kurz vor einer Sprengung der Krim-Brücke wäre die Eskalation doch sicher zu vermeiden gewesen ... Aber ich verstehe eh nicht, was Russland in der Ostukraine genau erreichen will. Die Krim verstehe ich irgendwie, aber dieses Halb/Halb in der Ostukraine ... keine Ahnung. Wenn man es wirklich hätte okkupieren wollen, hätte es sich angeboten, das gleich zu machen. So wie es jetzt läuft, scheint es nur schlecht für alle Beteiligten zu sein. Meist bedeutet sowas, daß man etwas Wichtiges nicht weiß :-) ...
katzundmaus 28.11.2018
4. Er mag diese Aggression nicht
Also muß man R bestrafen. Man könnte zB das Projekt Gaspipeline „Nordstream 2“ streichen. Dann könnte man die Überproduktion von Freakinggas los werden. Oder wie Obama schon sagte, R als Tankstelle Europas ablösen. Irgendwann müssen sich die 5 Milliarden Dollar für Reformen endlich mal lohnen.
KarstenSchramm 28.11.2018
5.
Keine Sorge, Putin wird ihm schon in kindgerechten Worten erklären, warum Russlands Aktionen auch gut für Amerika sind und Trump als starker Mann gesehen würde, wenn er sich auf Putins Seite stellt.
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