Brüchige Waffenruhe in Ukraine USA besorgt über Nachschub-Kolonne für Separatisten

Der Friedensplan von Minsk droht zu scheitern. Eine Kolonne mit russischen Militärgütern soll auf dem Weg in die umkämpfte Stadt Debalzewe sein. Die USA lassen verlauten, sie seien "zutiefst beunruhigt".

Separatisten helfen einem Verletzten: Trotz Waffenruhe wird weiter gekämpft
DPA

Separatisten helfen einem Verletzten: Trotz Waffenruhe wird weiter gekämpft


Washington - Die Feuerpause in der Ostukraine wird nicht eingehalten: Die Ukrainer wie auch die Separatisten beklagen im Donbass Angriffe von der Gegenseite und verweigern den Abzug schwerer Waffen. Es gebe Berichte über eine neue Kolonne mit russischen Militärgütern, die auf dem Weg nach Debalzewe sei, erklärte das US-Außenministerium. Die USA seien "zutiefst beunruhigt". Zuvor hatten schon Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande ihre Besorgnis über die anhaltende Gewalt in der Ukraine zum Ausdruck gebracht.

Debalzewe ist eine strategisch wichtige Stadt, Tausende ukrainische Soldaten sind dort eingeschlossen. Natalia Karabuta, eine geflüchtete Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, sagte der Nachrichtenagentur AFP, in Debalzewe säßen noch etwa 5000 Zivilisten fest. Wegen der Kämpfe würden Nahrungsmittel immer knapper.

Der "Premierminister" der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" forderte die Ukrainer in der Stadt auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Kiew kann solche Angebote nur ablehnen, die Truppen in Debalzewe stellen faktisch einen Großteil der noch einsatzbereiten Streitkräfte des Landes dar. Ob man den Fahrplan von Minsk noch retten kann, ist derzeit völlig ungewiss.

Die Regierung in Kiew erklärte, die Separatisten hätten binnen 24 Stunden 112 Mal angegriffen, fünf Soldaten getötet und 25 weitere verletzt. Ein Beginn des Waffenabzugs von der Frontlinie stehe deswegen nicht zur Debatte, erklärte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow. Rebellenkommandeur Eduard Bassurin schloss ebenfalls den Abzug schwerer Waffen aus, solange es kein "vollständiges Ende der Schüsse" gebe.

"Russland und die Separatisten, die es unterstützt" müssten sämtliche Angriffe umgehend einstellen, forderte eine Sprecherin des US-Außenamts. Die Konfliktparteien müssten mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kooperieren und die Vereinbarungen der Verhandlungen in Minsk "vollständig umsetzen".

Die OSZE soll überwachen, ob Separatisten und ukrainische Soldaten tatsächlich wie im Minsker Abkommen vereinbart ihre Waffen schweigen lassen und ab Dienstag schwere Waffen abziehen. Doch den Beobachtern wurde am Sonntag der Zugang zu der Krisenregion verwehrt.

REUTERS

vet/dpa/AFP/AP/Reuters



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