Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krise in der Ukraine: Waffenruhe verlängert - dennoch neue Kämpfe

Separatisten in Donezk: Berichte über neue Scharmützel Zur Großansicht
DPA

Separatisten in Donezk: Berichte über neue Scharmützel

Die Waffenruhe in der Ostukraine ist offiziell bis Montag verlängert - doch beide Seiten berichten von neuen Scharmützeln. Russland reagiert auf das Ultimatum des Westens mit einer Attacke auf die US-Politik.

Donezk/Kiew - Nach der Verlängerung der Waffenruhe für die Ostukraine berichten beide Seiten, dass die Gewalt in der Region Donezk anhält. "In Kramatorsk gehen die Militäraktionen weiter", sagte der Separatistenführer Miroslaw Rudenko der Agentur Interfax zufolge am Samstag.

Er behauptete, dass die in der Nacht von dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko bis Montag verlängerte Waffenruhe nur das Ziel habe, das Militär für einen Schlag gegen die Separatisten in Stellung zu bringen.

Dagegen warfen regierungsnahe Kräfte den Separatisten vor, Soldaten auf dem Flughafen von Kramatorsk beschossen zu haben. Es habe aber keine Opfer gegeben, teilte der prominente Militärexperte Dmitri Tymtschuk in Kiew mit. Die seit 20. Juni geltende Feuerpause soll nach Regierungsangaben dazu genutzt werden, Poroschenkos Friedensplan umzusetzen.

Die Separatisten verlangen für den Beginn eines Friedensdialogs den Abzug aller Regierungstruppen aus der Ostukraine. Sie lehnen es deshalb bisher ab, die Waffen niederzulegen.

In einer vom Präsidialamt in Kiew verbreiteten Erklärung zur Waffenruhe hieß es, dass mit der EU eine Reihe von Schritten abgesprochen worden seien, die nunmehr erfüllt werden müssten. Dazu gehöre unter anderem eine Überwachung der Feuerpause durch die OSZE sowie die "effektive Kontrolle" der Grenzübergänge zum benachbarten Russland durch ukrainische Sicherheitskräfte in den bisher von Separatisten kontrollierten Gebieten.

Lawrow: USA schuld an Konfrontation

Die EU und auch die USA machten unterdessen Druck auf Moskau. Die EU stellte bei ihrem Gipfel in Brüssel Russland ein Ultimatum von 72 Stunden. Bis Montag soll die Regierung in Moskau zeigen, dass sie es ernst meint mit der Entspannung in der Ostukraine.

Am Samstag entgegnete der russische Außenminister Sergej Lawrow, die USA würden einer friedlichen Einigung im Weg stehen. Die Amerikaner würden "die ukrainische Führung immer noch auf den Pfad der Konfrontation schicken", sagte er im russischen Fernsehen. Die Chancen zur Lösung der Krise wären höher, wenn sich nur die Europäer und Moskau darum kümmern würden.

Moskaus Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew warnte vor den Folgen schärferer Sanktionen für die russische Wirtschaft. Die Regierung habe drei Szenarien vorbereitet, sagte Uljukajew am Samstag dem Sender Rossija. "Im schlimmsten Fall gehen die Wachstumsraten erheblich ins Minus." Zudem drohe, dass die "Investitionsraten tiefer in negative Bereiche gehen, die Einkommen sinken, die Inflation wächst und die Staatsreserven schmelzen".

fab/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. mit allen Mitteln
Teigkonaut 28.06.2014
so, so, die Chance auf friedliche Einigung wäre angeblich größer ohne die USA. Die russischen Separatisten scheren sich sicherlich wenig, ob die US-Regierung mitmischt. Ist der Versuch Lawrows die Gegenseite zu spalten. Vermutlich spekuliert er darauf mit einer wankelmütigen EU leichteres Spiel zu haben.
2. Der Verlierer Putin hat noch immer nicht begriffen, ...
uvg 28.06.2014
dass er die Ostukraine nicht annektieren kann. Da hilft ihm auch nicht, wenn Herr Lawrow "haltet den Dieb" schreit. Klar ist: beide Herren sind nicht mehr glaubwürdig. Und deshalb werden die Sanktionen verschärft. Bis Gospodin Putin beidreht.
3.
AhzekAhriman 28.06.2014
Feuerpause auf ukrainisch. Wenn es nicht so traurig wäre, wär es schon wieder lustig.
4. Perspektiven
thinking_about 28.06.2014
zur Entschärfung der Lage, falls sich das durchsetzen läßt: Poroschenko: Das Abkommen über die Assoziierung und eine Freihandelszone zwischen der Ukraine und der EU passt zu der von Russlands Präsident Wladimir Putin unterbreiteten Idee einer Freihandelszone zwischen Lissabon und Wladiwostok. Das erklärte der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko am Freitag in Brüssel nach der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommen mit der EU. „Genau das tun wird. Kiew erwartet, dass Russland die ähnliche Position bezieht.“ Er rechne nicht mit dem Verlust der Märkte, auf denen es bereits ukrainische Waren gebe. Das betreffe auch den russischen Markt, sagte Poroschenko. Putin hatte die Formulierung „von Lissabon bis Wladiwostok“ zum ersten Mal 2010 verwendet.. In einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ hatte Putin für eine „harmonische Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok“ oder eine „noch fortgeschrittenere wirtschaftliche Integrationsform“ geworben. GEORGIEN: Georgien strebt eine Integration in den europäischen Markt an und will zugleich laut dem Regierungschef Irakli Garibaschwili seine Beziehungen mit Russland aufrechterhalten. Wie der Premier nach der Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens am Freitag betonte, gibt es keine Alternative zum Dialog mit Moskau. „Wir haben mehrmals betont, dass unser Streben nach einem EU-Beitritt in keinem Widerspruch zu unserem Wunsch steht, Beziehungen mit Russland zu normalisieren“, sagte Garibaschwili in einer Sendung der TV-Gesellschaft Imedi. „Für einen Dialog mit Russland gibt es keine Alternative.“ Georgien werde einen Präzedenzfall liefern, indem es „eine Integration in den europäischen Markt erreicht und zugleich friedliche, ausgewogene und freundschaftliche Beziehungen mit allen Ländern, darunter auch mit Russland, haben wird“, fügte er hinzu.
5.
bootsfrau 28.06.2014
Zitat von uvgdass er die Ostukraine nicht annektieren kann. Da hilft ihm auch nicht, wenn Herr Lawrow "haltet den Dieb" schreit. Klar ist: beide Herren sind nicht mehr glaubwürdig. Und deshalb werden die Sanktionen verschärft. Bis Gospodin Putin beidreht.
Putin will die Ostukraine nicht annektieren, sondern die Ukraine destabilisieren, um die Ukraine als ganzes an Russland zu binden und möglichst fern von der EU zu halten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ukraine-Reiseseite


Fotostrecke
Ostukraine: Schritte zum Frieden

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: